Am Sonntagnachmittag hatten in der kleinen Fasnetshochburg Rechberghausen die Fasnetszünfte beim 24. Narrensprung das Heft in der Hand. Bei kühlem, aber trockenem Wetter zogen 88 Gruppen mit 3000 Mitwirkenden, so viele Narren wie noch nie in der Geschichte der Rechberghäuser Fasnet, in buntem Treiben durch die Schurwaldgemeinde, beginnend in der Wangener Straße durch das Obere Tor über die Hauptstraße, vorbei am Rathaus bis zur Georg-Thierer-Grundschule.

5000 Zuschauer beim Narrensprung

Eingerahmt war der Gaudiwurm von rund 5000 Zuschauern, wie Ralf Hokenmaier vom Polizeiposten Rechberghausen schätzte, die zum Teil schon Stunden vorher in der für den öffentlichen Verkehr gesperrten Gemeinde gerade noch einen Parkplatz erhascht hatten. „Das ist heute sensationell“, meinte der überglückliche Furchenrutscher-Präsident Michael Schilling, der sich wie immer auf der Treppe des Landgasthofs „Zum Roten Ochsen“ positioniert hatte, um die Zuschauer, gemeinsam mit seiner auf der anderen Gassenseite stehenden Co-Moderatorin Ute Schmitt, mit einem dreifachen „Hausa mach nora“ in Stimmung zu bringen.

„88 Gruppen, das ist schon eine Nummer“, sagte Schilling mit sichtlichem Stolz und hielt den Daumen nach oben. „Wir kommen immer gerne nach Rechberghausen“, strahlte eine mit blauer und schwarzer Farbe einfallsreich geschminkte Närrin der Gesellschaft Zigeunerinsel Stuttgart und umarmte den Zunftmeister herzlich, von dem an diesem Nachmittag einiges an Durchhaltevermögen abverlangt wurde, denn der Umzug dauerte erstmals fast zweieinhalb Stunden.

Bildergalerie Tausende feiern beim Narrensprung in Rechberghausen

Die „Dondorf’r Noda Biag’r“ eröffneten traditionsgemäß das bunte Treiben an der Spitze des Umzugs und heizten mit ihren schrägen Tönen den frierenden Zuschauern gleich ganz gehörig ein, gefolgt von den Hausherren von der Rechberghäuser Narrenzunft Furchenrutscher, die sich von den „Schalkhexa vom Wenger“ aus Obersielmingen durch die Schurwaldgemeinde treiben ließen. Schlussakkorde hörte man von den Göppinger „Voodoo Guggen“, die mit den anderen Guggenmusikern mit schrägen, lauten und absichtlich falsch gespielten Tönen den Asphalt zum Beben brachten.

Dazwischen sorgten über 80 Gruppen, schwarze Teufel, Rehböckle, Katzen, Bären, Wölfe, Waldgeister, Hexen, Kobolde und Musiker in friedlichem Miteinander für Hochstimmung und zogen die Zuschauer in ihren Bann. Größtenteils waren sie aus dem Ländle und aus dem Kreis angereist. Doch auch aus dem Unterallgäu hatte die Narrenzunft Buxheim ihren Weg zum Rechberghäuser Narrensprung gefunden, der schon viele Jahre im schwäbischen Fasnetstreiben Ansehen erlangt hat und im nächsten Jahr zu seinem Jubiläum einladen wird.

Grünglühende Augen

Kuriose Namen hatten sich die vielen Narrenzünfte, die zum Teil seit über einhundert Jahren in der Fasnetszeit ihr Unwesen treiben, einfallen lassen: Die „Saubachdeifl“ aus Nürtingen mit ihren grünglühenden Augen, vor denen sich so mancher junge Zuschauer hinter der Mama in Sicherheit brachte, die Zunft „Jetztischdrdeifellos“ aus Süßen, die „Bettelsack-Narra“ aus Lauchheim bei Aalen, die „Wetzstoi-Beißer“ aus Neckarhausen oder die „Waddabolla Weib’r“ aus Tischardt.

Alle sorgten bei den Zuschauern, vor allem am Rechberghäuser Rathaus, dem Zentrum des Treibens, für gute Laune und lachende Gesichter. Hier spielten die beiden Moderatoren Michl Heer und Mirco Dolderer eine Hauptrolle, hielten die Zaungäste auf dem Laufenden und sorgten für Sicherheit, wenn die Hexen ihre Peitschen zum Knallen brachten.