Gammelshausen Gammelshausen testet Verschwenkung in der Ortsdurchfahrt

Provisorische Verschwenkung in der Gammelshäuser Ortsdurchfahrt: Die Gemeinde will testen, ob die Autofahrer sich davon bremsen lassen. Der abgetrennte Randstreifen könnte dem früheren Blumendorf frisches Grün bringen.
Provisorische Verschwenkung in der Gammelshäuser Ortsdurchfahrt: Die Gemeinde will testen, ob die Autofahrer sich davon bremsen lassen. Der abgetrennte Randstreifen könnte dem früheren Blumendorf frisches Grün bringen. © Foto: Staufenpress
JÜRGEN SCHÄFER 26.08.2014
Für Bürgermeister Daniel Kohl ist es ein kleiner Schritt in die richtige Richtung: Die Gemeinde testet seit einem Monat eine Verschwenkung in der Ortsdurchfahrt. Der Effekt ist umstritten.

Die Bürgerversammlung hat es bestätigt: Die Verkehrsbelastung in der Ortsdurchfahrt plagt die Gammelshäuser. Viele klagen über Verkehrslärm oder sorgen sich um die Verkehrssicherheit. Im Testlauf ist jetzt eine Schikane im oberen Abschnitt. Bürgermeister Daniel Kohl hört "nur positive Rückmeldungen". Nach seinem Eindruck funktioniert die Tempobremse: Für die Autofahrer wird es kurviger und enger, die Sicht auf den Straßenverlauf verdeckt. Mit der Folge, dass die Autofahrer bergaufwärts nicht schon hier so einfach durchstarten können, und es bergabwärts nicht wieder schießen lassen, nachdem sie den Blitzer am Ortsrand passiert haben.

Interessant findet Bürgermeister Kohl die Mittellinie, die zu der Schikane gehört. An der Hauptstraße ist sie seit der Sanierung vor sechs Jahren verschwunden. Jetzt fragt sich Kohl, ob man sie nicht wieder anbringen solle. Sie könne es den Rasern schwerer machen, die beispielsweise mitten in der Ortsdurchfahrt überholen. "Wer eine Mittelmarkierung überfährt, hat mehr schlechtes Gewissen." Allerdings sieht er auch, dass die Mittellinie an der Verschwenkung vielen nicht heilig ist.

Friedrich Weiß, Anwohner und Gemeinderat, ist von der Schikane nicht überzeugt. "Nur die ersten Tage waren die Autofahrer vorsichtig." Die meisten seien auch nicht zu schnell. "Sie sind vorher 50 gefahren und tun es jetzt auch."

Zum Beweis zeigt Weiß auf ein Tempomessgerät, das derzeit am Ortsausgang steht. Allerdings ist die Anzeige nicht so klar. Über 50 geht sie nicht hinaus, und manchmal zeigt es auch gar nichts an. Ein Anwohner glaubt zu wissen warum: "Das schaltet bei 50 ab, ich hab es getestet." Mitspielen könnte auch, was Weiß vermutet: dass das Gerät mit dem Verkehr nicht mitkommt und nicht alle Autos erfasst. Bürgermeister Kohl geht jedenfalls davon aus, "dass über 80 Prozent sich an die Geschwindigkeit halten."

Der Anwohner am letzten Haus vor der Steige spürt keinen Effekt von der Schikane. "Das bringt da unten was, mir nicht", sagt er. Während wir an seinem Haus stehen, zeigt das Tempomessgerät zwar meistens an: unter 50. Aber: "Morgens ab 6 Uhr siehts anders aus", sagt er, "oder von 16 bis 18 Uhr."

Bis Ende Oktober soll die provisorische Schikane bleiben, dann entscheidet der Gemeinderat über einen Umbau. Kohl könnte sich auch eine Verengung in der Ortsmitte bei der Kirche vorstellen, wo Fußgänger beim Überqueren keine Sicht hätten. "Die Straße ist sehr breit, man könnte den Gehweg vorziehen." Ein dritte Tempobremse wäre eine Verschwenkung am Ortseingang an der Steige, die bei der Bürgerversammlung auf Zustimmung stieß. Die würde über 100.000 Euro kosten, die beiden anderen Umbauten wohl deutlich weniger. Jede wäre für Gammelshausen happig.