Lärm Gammelshäuser leiden unter Motorradlärm

Die Straße unter die Räder nehmen und spüren, als wäre der Reifen ein verlängerter Arm: Motorradfahrer lieben Strecken, die ihnen Fahrkunst abverlangen. Auf der Gammelshäuser Steige sorgt das aber für Ärger.
Die Straße unter die Räder nehmen und spüren, als wäre der Reifen ein verlängerter Arm: Motorradfahrer lieben Strecken, die ihnen Fahrkunst abverlangen. Auf der Gammelshäuser Steige sorgt das aber für Ärger. © Foto: ifz
JÜRGEN SCHÄFER 25.04.2014
Die Motorradsaison hat begonnen - für manche Gammelshäuser ist das eine schlechte Nachricht. Sie ärgern sich über Motorradfahrern, die auf den Serpentinen den Kick suchen. Die Gemeinde beantragt Tempo 70.

Der Gammelshäuser Gemeinderat Hans Hohlbauch nennt es eine "Katastrophe": An Wochenenden schwärmten jetzt wieder Motorradfahrer ein, um auf den Serpentinen ihrem Fahrvergnügen zu frönen. "Rauf und runter" gehe das, das sei eine schlimme Geschichte für die Anwohner im Oberdorf. Da kämen ganze Gruppen, die dann eine halbe Stunde Krach machten, einzelne Motorradfahrer ebenfalls, und den Tag über kämen da mehr als 20 zusammen. Nach seinem Eindruck sei das im vergangenen Jahr schlimmer geworden. Angefangen habe das, als die Steige vor Jahren saniert worden ist. Hohlbauch fordert jetzt Lärmmessungen. Es gebe ja Vorschriften, was zulässig sei für Anwohner an einer Landesstraße.

Die Gemeinde will erst mal etwas anderes: Tempo 70 an den Serpentinen, in beiden Richtungen. Das wäre die Rückkehr zur früheren Regelung, argumentiert Bürgermeister Daniel Kohl. Nach der Sanierung der Steige sei die Tempobegrenzung weggefallen, sie gilt nur noch hangabwärts auf der letzten Geraden ans Dorf heran.

Wobei der Schultes mit Tempo 70 nicht nur Motorradfahrer bremsen will, sondern den ganzen Verkehr, der die Anwohner belaste. Und er sieht das als Teil einer übergreifenden Lösung. Er will auch Temporeduzierung an der Ortsdurchfahrt, die ein Problem für sich ist. Wie schnell dort gefahren wird, ermittelt gerade ein Geschwindigkeitsmessgerät. Vorschläge für Verbesserungen will der Schultes bei einer Bürgerversammlung im Juli vorstellen.

Im Ort nicht hochheizen

Die Motorradfahrer sind Kohl keineswegs ein Dorn im Auge. Er sei vielmehr froh, dass Gammelshausen einen gewissen Bikertourismus habe, das stärke die Gastronomie. Er sehe da manchmal zehn Motorräder vor der Pizzeria. "Ich habe Verständnis, dass Motorradfahrer die Serpentinen nutzen", sagt Kohl. Nur sollten sie anständig fahren und im Ort nicht hochheizen. Was die meisten auch täten. Der Motorrad-Fahrspaß müsse verträglich sein mit dem Motto Gammelshausens: "Gut leben am Albtrauf". Deshalb sei Tempo 70 erklärtes Ziel der Gemeinde.

Hohlbauch begrüßt das sehr. "Das wäre schon eine ganz erhebliche Verbesserung." Jetzt dürften die Motorräder mit 100 Sachen hochbrettern oder hangabwärts beschleunigen, dazu das ständige Hoch- und Herunterschalten, das offenbar den Kick ausmache. Ob Tempo 70 kommt, muss allerdings die Verkehrsschau-Kommission am 15. Mai entscheiden. Ob das Aussichten hat, weiß Verkehrsschau-Leiter Karl Moser noch nicht. "Wir schauen uns das an."

Moser stellt klar: Man könne den Motorradfahrern den Fahrspaß an den Serpentinen nicht verbieten, was den Anwohnern das Liebste wäre. Dafür gebe das Verkehrsrecht keinerlei Handhabe. Biker dürften dort nach Belieben fahren, "die Motive werden nicht hinterfragt." Genausowenig wie bei Autofahrern oder Radfahrern, die auch zum Spaß durch die Lande ziehen dürften. Es zähle nur die Sicherheit der Straße. Und da ist Moser nichts Problematisches bekannt.

In Ottenbach ist Moser auch schon mit Motorrad-Tourismus konfrontiert worden. Die Strecke hoch zum Asrücken sei für Biker interessant. Weil anderes nicht in Frage komme, habe die Gemeinde schon überlegt, Schilder zu beantragen, die für das Langsamfahren "werben". So etwas gebe es auch auf der Alb im Lautertal.


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