Lesung Gabriele Glang liest aus Künstlerin-Monologen

Gabriele Glang bei ihrer Lesung in den Räumen von „Buch und Kunst“ in Bad Boll.
Gabriele Glang bei ihrer Lesung in den Räumen von „Buch und Kunst“ in Bad Boll. © Foto: Paricia Jeanette Moser
Bad Boll / Patricia Jeanette Moser 18.05.2018

Die Lyrikerin Gabriele Glang las in den Räumen von „Buch und Kunst“ in Bad Boll aus ihrem Werk „Göttertage“ und tauchte dabei ein in die Welt der Paula Modersohn-Becker in ihrem letzten Lebensjahr. Auf einem goldenen Stuhl sitzend, erzählte die Geislinger Autorin, Malerin, Drehbuchschreiberin und Übersetzerin aus ihrer Vita und wie sie zur Malerin Paula Modersohn-Becker kam. Sie empfiehlt das Buch so zu lesen: erst das Vorwort, dann die Entstehungsgeschichte am Ende und dann die Mitte, mit den Gedichten. Zum besseren Verständnis hat Gabriele Glang den Katalog aus dem Paula Modersohn-Becker-Museum mitgebracht und zeigt immer wieder exemplarische Beispiele mit Werken der Malerin.

Im August 2003, dem Jahrhundertsommer, war Gabriele Glang in der Lüneburger Heide, in Soltau, wo sie als Stadtschreiberin arbeitete. Die Hitze trieb sie aus ihrem Dachkämmerchen hinaus und hinein in die Welt der klimatisierten Museen der Region. Dabei stieß sie auf die Malerin Paula Modersohn-Becker und deren Welt zur Zeit des Impressionismus. Frauen allgemein fanden damals gesellschaftlich wie künstlerisch wenig Anerkennung. Paula, wie sie sie nennt, bewegte sich ganz frei und selbstbestimmt, war jedoch stets dem Einfluss der damaligen Gesellschaft ausgesetzt. „Göttertage“ befasst sich mit dem letzten Lebensjahr (1906) der Malerin und Künstlerin.

Glang verfasst fiktive Monologe von Modersohn-Becker. „Ich betrachte die Kunstwerke von Paula und lese die Aufzeichnungen von ihr und bilde mir so meine Meinung“, so die Autorin. Sie entwickelt dabei sprachliche wie emotionale Empathie für die Malerin. Genauso trägt sie die Gedichte ihrem Publikum vor. „Sie haben mich vollkommen erreicht mit ihren Zeilen und Paula für mich lebendig gemacht“, meinte eine Zuhörerin nach der Lesung.

Die Lesung gibt detailliert Einblick in die Entstehung des Buches, das zuerst ein Drehbuch war. Intensive Recherchearbeiten während weiterer Stadtschreiber-Tätigkeiten in Soltau inspirierten Glang zu den Gedichten in Monolog-Form. Gabriele Glang verschmilzt dabei teilweise mit Paula Modersohn-Becker. Glang, selbst Malerin, gelingt es bildhaft zu schreiben und mit Worten zu malen. Bei ihren Recherchen machte sie sich frei von der Mystifizierung der historischen Figur und verschaffte sich ihre eigene Wahrheit. Dies fließt in ihre Gedichte ein.

Die Zuhörer tauschen sich gerne aus über Schauplätze des Lebens der Malerin: Paris, Worpswede, Fischerhude und Bremen. „Ich muss da jetzt nochmals hin“, so eine Zuhörerin am Ende des Abends, die bereits im Norden auf Paula Modersohn-Beckers Spuren wandelte.

„Göttertage“ verschafft eine Begegnung mit der Malerin in deren letztem Lebensjahr. Sie starb 1906, 30-jährig, nach ihrer Rückkehr aus Paris nach Worpswede, nur drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde.

Patricia Jeanette Moser

Info Das Buch „Göttertage“ ist  erschienen im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer, ISBN 978-3-86351-459-4