Vögel Futtersäulen haben sich bewährt

Durch Futtersäulen wird die Gefahr der Verkotung der Körner gebannt.
Durch Futtersäulen wird die Gefahr der Verkotung der Körner gebannt. © Foto: Wolfgang Rapp
Kreis Göppingen / Wolfgang Rapp 19.01.2018
Auch im Winter kann jeder für den Naturschutz etwas tun: Nistkästen säubern und Vögel füttern, rät Dr. Wolfgang Rapp vom Nabu.

In unserer Serie „Artenvielfalt erhalten“ gibt der Kreisvorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu), Wolfgang Rapp, Tipps, wie jeder einen Beitrag zur Erhaltung einer lebenswerten Umwelt leisten kann. Heute stehen die Vögel im Mittelpunkt.

„Die Nistkastenreinigung führe ich von Oktober bis in die Faschingsferien durch. In jedem Fall sollten die Kästen bis Anfang März sauber sein“, berichtet Wolfgang Rapp und betont: „Es ist für mich wie ein Krimi, wenn ich mich im Herbst oder Winter einem Nistkasten nähere. Oft erkennt man schon am Flugloch, wer ihn im Frühjahr und Sommer belegt hat.“ Der Kleiber zum Beispiel verenge das Loch mit einer Mixtur aus Erde und seinem eigenen Speichel, so dass nur er gerade durchpasst. Innen sei dann meist alles mit der Spiegelrinde der Kiefer ausgepolstert.

Ein gutes Zeichen ist es nach der Erfahrung des Experten, wenn ein Nest, zum Beispiel der Meisen, das aus Moos und Haaren bestehe, durch den Nachwuchs etwas plattgedrückt wurde und sich darin keine Eier und keine toten Jungvögel befinden. „Gerade in diesem Herbst haben wir bei der Nistkastenkontrolle auf dem Göppinger Hauptfriedhof viele Nester mit toten Jungvögeln gefunden. Wir führen dies auf die nasskalte Witterung Ende April zurück“, berichtet Wolfgang Rapp. Beim Kontrollgang im Naturschutzgebiet Spielburg habe man dagegen in diesem Jahr überhaupt keine toten Jungvögel gefunden. „Auch auf dem Alten Friedhof um die Oberhofenkirche fanden wir nur ein einziges noch vollständiges Kohlmeisennest mit Eiern darin.“

Wenn ein Nest auffällig von Parasiten befallen ist, sprühe ich den Kasten mit einem biologischen Mittel auf Wacholderbeerenbasis aus und lasse über den Winter die Vorderfront weg, so dass der Kasten „auswintern“ kann. Mein Vater hat früher solche Kästen mit dem Schweißbrenner kurz ,ausgebrannt’“, erzählt der Naturschützer.

Der Winter sei auch eine gute Zeit, um neue Kästen aufzuhängen – wenn möglich, mit Fluglochrichtung Südost. Für die Höhe der Aufhängung genügten zwei bis drei Meter, damit man die Kästen auch noch leicht ausputzen könne. Wolfgang Rapp: „Die im Handel erhältlichen Holzbetonkästen haben sich bewährt. Der Fluglochdurchmesser von 32 Millimetern ist die Standardgröße für Kohlmeisen, Feldsperlinge und Fliegenschnäpper.“ Wer unsere kleineren Meisen, zum Beispiel die Blaumeise, fördern will, sollte einen Durchmesser von 26 Millimetern wählen. Der Star benötige 45 Millimeter. Der Kleiber hingegen passe sich das Flugloch selbst an.

Viel Freude bereite auch die Herstellung von „Vogelhäusla“ im Eigenbau mit den Kindern und Enkeln. Die trockenen Bretter sollten dafür mindestens 22 Millimeter stark sein. Bauanleitungen gebe es beim Nabu. „Kinder können es dann kaum erwarten, bis im Frühjahr das selbst gemachte ,Häusle’ von der ersten Meise inspiziert wird. Als Vater, Großvater sowie  als Grundschullehrer habe ich erlebt, wie das Bauen und Aufhängen von Nistkästen ein erster Zugang zum Naturschutz war“, weiß der Nabu-­Kreisvorsitzende.

Zur Winterfütterung habe er eine etwas konservative Einstellung, räumt Rapp ein. „Besser nicht füttern als falsch“, ist sein Motto. „Unter falsch verstehe ich, Futter so anzubieten, dass die Vögel darauf sitzen und es verkoten können. Dadurch ist die Gefahr der Salmonellenvergiftung groß: Viele Vögel kommen so ums Leben.“

Eindeutig bewährt hätten sich Futtersäulen. Meisenknödel sollten ohne Netze gekauft werden, weil sich in diesen immer wieder Vögel verheddern und kopfunter hängend sterben. Der Expertenrat: „Ich biete meine Meisenknödel in einem Drahtkorb an; das hat den Vorteil, dass nur kleinere Vögel Zugang dazu haben und Krähen nicht gleich den ganzen Knödel mitnehmen können. Dass die Großen den Kleinen nicht das Futter wegfressen können, leuchtet auch meinen Enkeln sehr ein.“ Ökologisch sei das Füttern wahrscheinlich nur begrenzt sinnvoll, aber es sei eine hervorragende Möglichkeit, Tiere zu beobachten.
  Abschließend möchte Wolfgang Rapp  für den Winter noch eine Buchempfehlung geben: „Es ist der neue Bericht des Club of Rome, der unsere Naturschutzarbeit in einen weiten Horizont stellt.“ Den namhaften Autoren sei ein echtes Grundlagenwerk gelungen, das auch noch zu einem moderaten Preis erhältlich sei.

Info Auskünfte über Nistkästen gibt’s unter Tel. (07165) 8705.

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