Tankstelle, Lottoladen, Sportgeschäft - das waren einmal die klassischen Perspektiven für eine selbstständige Existenz nach der Fußballkarriere. In digitalen Zeiten sehen die Start-Ups der Fußballer anders aus. Vor allem, wenn neben der Liebe zum runden Leder noch eine begeisternde Vision und der unbedingte unternehmerische Wille vorhanden sind.

So wie bei Michael Schreiner (32), Michael Schweizer (30), Nicolo Incorvaia (29) und Kai Hörsting (31), den Gründern von Teamwallet. Das Quartett aus den Kreisen Göppingen und Esslingen revolutioniert die Fußballwelt abseits des grünen Rasens mit einer pfiffigen Idee. Ihre Online-Mannschaftskasse erleichtert Mannschaftskapitänen, -organisatoren oder -kassenwarten nach der Anmeldung bei teamwallet.com die Arbeit erheblich. Seit Kurzem erhält Teamwallet auch Unterstützung von Carmelo Scaffidi, der früher Regionalligaspieler war und jetzt Geschäftsführer im Familienbetrieb Scaffidi Markisen ist.

Die vier Fußballer, die derzeit beim TSV Obere Fils (Schreiner) sowie VfL Kirchheim ihre Laufbahnen ausklingen lassen, profitierten dabei von ihrer Erfahrung als Mannschaftskapitän und Kassenwart und scheinen mit ihrer Idee einen Volltreffer gelandet zu haben. Bereits rund 500 Vereine nutzen das System kurz nach dem Start. Nach einer Vorlaufphase ab Oktober 2015 startete Teamwallet am 22. April mit App und Erklärvideo richtig durch. Zwei Tage später waren die Stuttgarter Kickers als bislang prominentester Neuzugang mit an Bord. Überraschend ist dieser Erfolg nicht, denn die vier Jungunternehmer hatten aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen im Vereinsbetrieb den Bedarf erkannt und in der Folge die Idee entwickelt. Dann wurden innerhalb von zwei Jahren die Seiten programmiert und zur Marktreife gebracht.

"Wir wären gerne ein deutsches Start-Up"

Warum aber sitzt das Start-Up der vier Kicker, die schon beim SC Geislingen und anderen Vereinen im Kreis aufliefen, und zu deren Nutzern bislang hauptsächlich Vereine aus der Region zählen, mit seinem Büro im luxemburgischen Bettembourg? "Das hat bankenrechtliche Gründe", erklärt Kai Hörsting. Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) stelle strengere Regeln an Verifizierungsverfahren bei niedrigeren Transaktionsgrenzen. Er betont zugleich: "Wir wären gerne ein deutsches Start-Up" - das hätte dann allerdings Abstriche bei der Benutzerfreundlichkeit bedeutet. Und die ist ein zentrales Element.

Vereine können nach Anmeldung und dem Anlegen der Profile sicher, einfach und vor allem transparent mannschaftsinterne Zahlungen abwickeln. So zum Beispiel Strafen für Rote Karten oder Verstöße gegen den Vereinskodex eintreiben. Aber auch Gelder für Geschenke oder Beiträge für gemeinsame Ausflüge können so unkompliziert gesammelt werden. "Der Kassenwart muss dann nur noch initiieren, nicht mehr organisieren, dokumentieren, verwalten, und, im dümmsten Fall bis zum Saisonende dem Geld hinterherrennen. Neben der Vereinfachung des Abwicklungsprozesses erhöht die Transparenz auch die Zahlungsmoral. "Beträge können nach einer E-Mail-Aufforderung oder in der App per Push-Benachrichtigung direkt und ohne Umwege online gezahlt werden", erklärt Michael Schweizer.

Es gibt aber noch weitere Angebote, die Vereine nutzen können. Über den Teamwallet-Torclub können Fans ihre Mannschaft mit einer Spende pro Tor unterstützen. Kosten entstehen für die Einzahler nicht. Erst wenn der Kassenwart die Beträge abruft, wird eine Minimal-Provision in Höhe von vier Prozent abgezogen. Bis dahin sei das Geld sicher, betont Michael Schreiner: "Die Gelder werden von unserer EU-Zertifizierten Partnerbank treuhänderisch und unter höchsten Sicherheitsstandards verwaltet."

Wie soll es bei Teamwallet nun weitergehen? "Natürlich ist es unser Ziel, einmal davon leben zu können", verrät Nicolo Incorvaia. Bis dahin gehen die vier, die sich als Mannschaftskameraden beziehungsweise Kommilitonen aus dem Studium kennen, ihren erlernten Berufen nach: Schreiner promoviert derzeit als Bauingenieur, Hörsting ist als solcher bereits tätig, Schweizer ist angehender Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Incorvaia arbeitet als Vertriebsleiter. Welcher Fußballer träumt jedoch nicht davon, das Hobby zum Beruf machen zu können? Zum Erreichen dieses Ziels könnte auch beitragen, dass das System auf andere Sportarten übertragbar ist. Vorerst wolle man sich allerdings auf die Fußballmannschaften konzentrieren, erklärt Michael Schweizer - "auch wenn wir uns sehr darüber gefreut haben, dass Handballweltmeister Mimi Kraus unseren Beitrag bei Facebook geliked hat".

Mit dem Fußballsoftwareanbieter "easy2coach" besteht bereits eine fruchtbare Kooperation. Zudem soll in Zukunft eine eigene Kreditkarte den Vereinen auch die Möglichkeit eröffnen, mit dem in der Mannschaftskasse befindlichen Geld direkt bezahlen zu können.

Das Fußballfachmagazin "Kicker" wurde jedenfalls schon auf die vier Sportler, von denen zwei aus dem Oberen Filstal stammen, aufmerksam. Mit dem Amateurfußballportal fupa.net haben sie ebenfalls einen weiteren wichtigen Partner an ihrer Seite.

Info www.teamwallet.com