Vor ein paar Jahren hat Oliver Taschowsky Bad Ditzenbach zum ersten Mal gesehen. Am Albaufstieg der Autobahn hatte es wohl einen Unfall gegeben, und der heute 43-jährige Mitarbeiter der Diakonie Stetten fuhr bei Mühlhausen heraus, um dem Stau zu entgehen. Allerdings war das mitten in der Nacht, er fuhr nur durch, ohne besonders auf die Umgebung zu achten - wenn er nun sagt, der Grund für seine Kandidatur in der Kurgemeinde sei "Liebe auf den ersten Blick" gewesen, dann kann dieses Erlebnis schlecht den Anlass gegeben haben.

Zum Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung ist Taschowsky aus dem Remstal gekommen. Er arbeitet in der Verwaltung der Diakonie Stetten, berät und vertritt dort die Klienten in rechtlichen, sozialen und pflegerischen Dingen und vermittelt zwischen Ärzten, Behörden, Kranken und ihren Angehörigen. Der Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen ist nicht immer einfach. Taschowsky spricht schnell und ohne auffallenden Akzent. Nur ein-, zweimal rutscht ihm ein "ehm't" heraus.

"Ehm't" - so sagt man doch wohl in Berlin statt "eben". "Nachdem die Idee ehm't gereift war", hat Taschowsky gesagt. Und tatsächlich: Er stammt aus Sachsen-Anhalt. Geboren in Brehna im Landkreis Bitterfeld, in Bitterfeld bis zur zehnten Klasse in die Polytechnische Oberschule gegangen, dann eine dreijährige Berufsausbildung zum Betriebsschlosser mit Abitur in Magdeburg gemacht, ein Jahr Grundwehrdienst absolviert und kurz vor der Wende noch ein Jura-Studium in Halle an der Saale begonnen. Im Westen hat er es 1994 an der Uni Konstanz fortgesetzt und kurz vor dem Examen abgebrochen. Sein Vater hatte einen Herzinfarkt. Er machte Praktika in der öffentlichen Verwaltung und arbeitete in einem Rechtsanwaltsbüro mit. Im Jahr 2000 fing er als Teilzeit-Mitarbeiter bei der Diakonie Stetten im Remstal an.

Aber wie war das nun mit der "Liebe auf den ersten Blick" zu Bad Ditzenbach wirklich? Die "wunderschöne Lage" des Oberen Filstals sei ihm bei seinem ersten Besuch "natürlich nicht entgangen", meint Taschowsky. Außerdem kenne er Menschen aus Bad Ditzenbach und Umgebung. Bekannte und Arbeitskollegen hätten ihn in der Absicht bestärkt, zu einem zweiten Besuch zu kommen. Und seiner Frau und den Töchtern habe der Ort auch auf Anhieb gefallen. Es sei nicht weit nach Ulm und Stuttgart, aber Bad Ditzenbach habe sich "trotzdem einen ländlichen Charme bewahrt".

Wichtig wegen der Gewerbeansiedlung

Mit seiner Familie kam Taschowsky noch ein paar Mal ins Täle, er sprach mit Bürgermeister Gerhard Ueding, der sich nach 24 Jahren nicht mehr zur Wahl stellt, und er versuchte, das Wesen der drei Ortsteile zu erfassen. Auendorf verortet er unter "Landwirtschaft", als deren bekanntestes Produkt nennt er Hägenmark. Weiter kennt er den Teilort allerdings noch nicht.

Gosbach ist für ihn wegen der Gewerbeansiedlung wichtig; außerdem gibt es hier "zwei große Lebensmittelversorger". So gut ausgestattet sind Bad Ditzenbach und Auendorf nicht. Ein Problem scheine für Gosbach die Turnhalle zu sein. Allerdings habe er sich in die Materie noch nicht tief genug eingearbeitet.

Für den Ortsteil Bad Ditzenbach sieht er ein Entwicklungspotential im Tourismus; das hat er sogar als Punkt in sein politisches Programm aufgenommen. Vielleicht wäre hierbei auch eine Partnergemeinde hilfreich, meint er, ein anderes Heilbad, das mit denselben Problemen kämpft wie Bad Ditzenbach. Weiter sind seine Überlegungen noch nicht gediehen.

Für die Gesamtgemeinde sind ihm neben dieser Städtepartnerschaft die Finanzen wichtig. Da sollte Bad Ditzenbach mal ein Jahr lang ruhiger agieren. Die Versorgung mit Kindergärten und Schulen findet er gut; man müsse nun darauf achten, sie zu erhalten. Dazu müsse man die Abwanderung stoppen, indem man ein neues Baugebiet ausweist und so Familien in den Ort zieht. Und ein Gewerbegebiet, damit es mehr Arbeitsplätze vor Ort gibt. Wegen der vielen Pendler müsste die Verkehrsanbindung Bad Ditzenbachs verbessert werden. Das Rathaus solle noch bürgernäher werden. Klassische Mittel dazu seien Bürgermeister-Sprechstunden, eine neue Form wäre zum Beispiel ein Bürgerforum, in dem jeder Vorschläge machen kann.

Taschowsky gibt zu, dass er Bad Ditzenbach noch nicht besonders gut kennt. Aber das kann sich ja ändern. Im Falle seiner Wahl würde er mit seiner Familie auf jeden Fall hierher ziehen. Die große Tochter kommt im Herbst in die Schule.

Wahlfahrplan

Serie Unsere Zeitung stellt diese Woche die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Bad Ditzenbach vor: Montag: Rainer Gauger - Dienstag: Frank Ansorge - Mittwoch: Manuela Raichle - Donnerstag: Herbert Juhn - Freitag: Oliver Taschowsky - Samstag: Christian Stähle

Termine

GZ-Wahlforum: Montag, 26. Januar, 19 Uhr, Turn- und Festhalle Gosbach

Wahlsonntag: 1. Februar (Stichwahl, falls erforderlich: 22. Februar).

Zur Person

Oliver Taschowsky geboren am 25. November 1971 in Brehna (Landkreis Bitterfeld), parteiunabhängig, evangelisch, verheiratet mit der Krankenschwester Berenice-Celine Taschowsky, Kinder: Lea-Sophie (5 Jahre) und Emilia (2 Jahre). Wohnt in Kernen im Remstal. Ausbildung: Polytechnische Oberschule in Bitterfeld, dreijährige Berufsausbildung (Betriebsschlosser) mit Abitur in Magdeburg. Studium der Rechtswissenschaft an der Uni Halle/Saale und der Uni Konstanz. Berufsbegleitendes Fernstudium mit Abschluss Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen (IHK). Arbeitet seit 15 Jahren bei der Diakonie Stetten.