Kreis Göppingen Für Lastwagen wird’s teurer

Blaue Kontrollsäule zum Überprüfen der Lkw: Im Landkreis Göppingen sind solche Stelen derzeit nicht geplant.
Blaue Kontrollsäule zum Überprüfen der Lkw: Im Landkreis Göppingen sind solche Stelen derzeit nicht geplant. © Foto: Patrick Pleul
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 04.07.2018
Jetzt muss auf allen Bundesstraßen Lkw-Maut bezahlt werden. Die Bürgermeister hoffen auf Entlastung der Ortsdurchfahrten, sind aber skeptisch.

Seit Sonntag müssen Lastwagen ab 7,5 Tonnen auf allen Bundesstraßen Maut bezahlen. Bisher galt dies nur auf vierspurigen Strecken. Im Landkreis ist es nun also auf der B 10 zwischen Süßen und der Kreisgrenze bei Amstetten, auf der B  297 zwischen Schlierbach und Wäschenbeuren sowie auf der B 466 zwischen Mühlhausen und Böhmenkirch vorbei mit freier Fahrt für Lkw.

Seit Einführung der Lkw-Maut  am 1. Januar 2005 gab es Proteste von Anrainern untergeordneter Straßen, die Mautpreller befürchteten – also Lastwagen, deren Fahrer sich das Geld sparen wollen und deshalb Landstraßen statt Autobahnen wählen. Ob diese Sorge berechtigt war, wird sich jetzt zeigen, bezahlt werden muss nun auch auf den Ausweichrouten. Bürgermeister an den betroffenen Straßen wollen nun erst einmal abwarten, begrüßen die Maut-Ausweitung aber.

Auch Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke wagt noch keine Prognose, geht aber von einer eher begrenzten Wirkung aus. „Es gab ja seinerzeit die Befürchtungen, dass Schleichwege gesucht werden, das war vor allem bei der B 297 ein Thema“, meint er. Deshalb sei dort ja auch gehandelt worden, er verweist auf das Nachtfahrverbot für Lkw. „Vermutlich wird nun der Verkehr etwas weniger“, sagt er über die Folgen der Maut – schränkt aber zugleich ein: „Es kann sein, dass der Rückgang so marginal ist, dass man es gar nicht wahrnimmt.“ Statistisch sei vielleicht eine Reduzierung des Lkw-Aufkommens nachweisbar, „aber das wird nicht die große Wirkung für uns haben“. Zumal es dem Transportgewerbe ja nicht nur ums Geld, sondern auch um die Zeit gehe: Via B 297 und B 29 sei es nun mal erheblich kürzer auf die A 7 als via A 8.

Die Bürgermeisterin von Rechberghausen, Claudia Dörner, ist auch eher skeptisch: „Ich hatte schon immer meine Zweifel, man muss jetzt abwarten, ob unter den Lkw viele Mautpreller waren, ich kann es im Moment noch nicht einschätzen“, sagt sie. Eine Transportunternehmerin aus dem Ort habe zu ihr gesagt, es werde sich nichts ändern: „Sie denkt, dass kein einziger Lkw-Fahrer sagen wird, ich fahre jetzt woanders.“

„Außerordentlich“ begrüßt der Bürgermeister von Wäschenbeuren, Karl Vesenmaier, dass Lkw nun auch für die Fahrt durch den Schurwald bezahlen müssen. „Wir haben uns schon lange Gedanken gemacht, wie wir die wegkriegen, die keine Maut bezahlen wollen“, sagt er. „Das hat jetzt zwar gedauert, ist aber eine gute Sache.“ Dabei schließt er ausdrücklich lokale Handwerksbetriebe aus: „Die nehme ich alle in Schutz, die brauchen wir.“ Allerdings fahren die in der Regel ohnehin nicht mit schweren Lkw – aber selbst ein 7,5-Tonner mit Anhänger ist bereits mautpflichtig.

Unterm Strich, glaubt Vesenmaier, seien die zusätzlichen anvisierten rund zwei Milliarden Euro Maut-Einnahmen für das Transportgewerbe „ein Nasenwasser“ – schließlich dreht es sich um zusätzlich 40 000 Kilometer Bundesstraßen in ganz Deutschland. Bislang waren 13 000 Kilometer Autobahnen und Bundesstraßen mautpflichtig. Wäschenbeuren zählt immer wieder die Verkehrsströme und will nun schauen, ob die Maut eine Entlastung bringt. Für Vesenmaier ist aber auch klar: Langfristig helfe nur, das Problem an der Wurzel anzupacken. Dazu sollten die betroffenen Kommunen gemeinsam einen Planer beauftragen, der das Verkehrsproblem im Schurwald analysiert, ähnlich wie es bei der 380-Kilovolt-Stromtrasse der Fall war.

Auch im Lautertal fahren viele Lkw, hier auf der B 466. Wenn der Lautersteiner Bürgermeister Michael Lenz aus dem Fenster seines Amtszimmers in Nenningen schaut, sieht er direkt auf die Bundesstraße. „Da sind viele Baufahrzeuge“, berichtet er. „Die werden auch weiterhin fahren.“ Ob durch die Maut eine Lenkungswirkung eintritt, werde er sehr gespannt beobachten. „Wir wünschen und hoffen uns für die Bevölkerung, dass der eine oder andere Lkw auf der Autobahn bleibt.“

Lauterstein besitzt ein Zählgerät, „damit können wir alles genau auswerten, auch nach Tageszeiten“, sagt Lenz. „Ich gehe davon aus, dass die Belastung abnimmt – kann aber noch keine Prozent-Prognose abgeben.“

Keine Kontrollsäulen im Landkreis Göppingen

Stelen Sie sehen ähnlich aus wie Radarfallen – doch die blauen Säulen von Toll Collect werden lediglich zur Kontrolle der Lkw-Maut aufgestellt. Die blau-grünen, vier Meter hohen Stelen werden an 600 Stellen in Deutschland aufgebaut. Hier aber nicht: „Nach der aktuellen Planung ist im Landkreis Göppingen keine Kontrollsäule vorgesehen“, teilt Antje Schätzel von der Toll-Collect-Pressestelle. Dies könne sich aber in Zukunft noch ändern. 

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