Kreis Göppingen / Annerose Fischer-Bucher  Uhr
Verschiedene Berufsgruppen diskutierten Verbesserungen der Wundversorgung bei chronischen Problemen.

Eine Expertenrunde traf sich in Göppingen, um über die Versorgung von chronischen Wunden zu sprechen. Schirmherrin der Veranstaltung im Märklinsaal der Göppinger Stadthalle über chronische Wunden und ihre Behandlung war Heike Baehrens, SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Kreisbehindertenrings. Sie sei an vorderster Stelle im Gesundheitsausschuss des Bundestages verantwortlich für Strukturen im Gesundheitswesen, so Professor Stefan Riedl, Chefarzt der Allgemeinchirurgischen Klinik der Alb-Fils-Kliniken Göppingen. Er ist zudem der Initiator der zum fünften Mal stattfindenden Expertenrunde.

Eingeladen waren sämtliche Berufsgruppen und deren Vertreter, die mit der Versorgung chronischer Wunden direkt oder indirekt zu tun haben: Dr. Christoph Giebeler (Krankenhausarzt), Dr. Oliver Schnek (Chirurg), Dr. Bernhard Vollmer (Allgemeinmediziner, Kassenärztliche Vereinigung), Martina Zeller-Mühleis (Pflegedienst), Klaus Rollmann (Sanitätshaus) und Heike Kallfass (AOK-Geschäfstführung).

Die Qualität der Wundversorgung hänge immer noch vom Wohnort ab, so Baehrens in ihrem Grußwort. Wundzentren könnten nach dem neuen Pflegepersonalstärkungsgesetz flächendeckend etabliert werden und es sollen Kassenleistungen möglich sein. Riedl wies darauf hin, dass man in der Klinik die Dokumentation von Patienten auf Wunden umgestellt habe, um die Zahlen besser erfassen zu können.

Man habe zwei Drittel der Wunden innerhalb von 100 Tagen zur Heilung bringen können. Deswegen sei es so wichtig, die Wundversorgung ab dem ersten Tag voranzubringen, denn wenn dies nicht nicht geschehe, entstünden, abgesehen vom Leid der Patienten, das bis zur Amputation gehen könne, insgesamt auch wesentlich höhere Folgekosten.

Dem pflichtete der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Dr. Vollmer, in der Diskussion bei. Der Hausarzt habe im Budget pro Quartal und pro Patient gerade mal 290 Euro zur Verfügung, während ein Wechsel eines Wundverbandes schon mit 100 Euro zu Buche schlagen könne. Er begrüßte die Positivliste des gemeinsamen Bundesausschusses, die eine Erleichterung gebracht hätte, die jedoch das Bundesgesundheitsministerium leider wieder kassiert habe. Beim Thema diabetischer Fuß beklagte unter anderem eine Podologin die mangelnde Anerkennung durch Ärzte, was auch Folgen für die Patienten habe.

In einem Impulsreferat hatte Chefärztin Dr. Michaela Knestele vom Wundzentrum der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren in einzelnen Sektoren (Klinik, Kostenträger, Kassenärztliche Vereinigung, Patient, Pflege, Ärzte, Industrie, Politik) dargestellt, wo bislang noch die Problempunkte liegen und was besser gemacht werden müsse. Sie forderte für den Bereich Pflege und Ärzte auch eine gesonderte Ausbildung bezüglich der Wundbehandlung und kritisierte die unzureichende Bezahlung (11 Euro pro Sitzung). Man brauche das Wissen, denn jede Wunde habe eine eigene Ursache. Der Politik gab sie mit auf den Weg, für eine flächendeckende Versorgung einzustehen und dafür, dass die aufwendigen Leistungen auch bezahlt würden.

Der Internist Profesor Ralf Lobmann vom Klinikum Stuttgart zeigte auf, wie und warum eine chronische Wunde eine Störung von Heilung ist und wie man sie in jedem Einzelfall behandeln könne. Die Wundauflage sei nicht das Entscheidende, sondern das ständige sachkundige Kümmern um die Wunde. Nur damit könne man Amputationen vermeiden, die zu zwei Dritteln Diabetiker beträfen. Wenn nur zehn Prozent davon vermieden werden könnten, seien das 300 Schicksale von Amputation weniger pro Jahr, die vor allem ältere Menschen betreffen.

Klinik bietet Sprechstunde

Hilfe Das Wundnetz Alb-Fils ist eine Kooperation über alle Professionen hinweg, die mit chronischen Wunden zu tun haben. In der Klinik am Eichert gibt es eine Wundambulanz mit einer Sprechstunde. Termine: montags und mittwochs am Vormittag nach telefonischer Anmeldung unter Tel. (07161) 64-3117 (beim Praxisteam der Allgemeinchirurgischen Klinik).