Ortsdurchfahrt Frust über Lärmaktionsplan

Auch viel Lkw-Verkehr rollt durch die Gammelshäuser Ortsdurchfahrt. Der Gemeinderat hat sich vom Lärmaktionsplan Verbesserungen versprochen.
Auch viel Lkw-Verkehr rollt durch die Gammelshäuser Ortsdurchfahrt. Der Gemeinderat hat sich vom Lärmaktionsplan Verbesserungen versprochen. © Foto: Staufenpress
Inge Czemmel 03.11.2016

Die Quintessenz ist also, dass sich die Hoffnung auf eine spürbare Veränderung der Lärmsituation nicht erfüllen wird“, fasste Dr. Christoph Grünwald nach den Ausführungen des Fachbüros zum Thema Lärmaktionsplan zusammen. „Die Berechnung wird den Problemen nicht gerecht und de facto gibt es für uns außer Arbeit und Kosten nichts Neues. Dass es direkt an der Straße lauter ist als weiter weg, wussten wir schon.“

Der Gemeinderat erntete zustimmendes Kopfnicken seitens der Kollegen, die ebenfalls enttäuscht zu Kenntnis nehmen mussten, dass der Lärm in Gammelshausen nicht ausreicht, um Maßnahmen in die Wege leiten zu können. Nicht etwa weil es ihn nicht gibt, sondern weil Lärm nicht gleich Lärm ist. Es gibt den subjektiven Lärm – jener der zu hören ist – und den objektiven Lärm ­– jener der errechnet wird. Diese Schallausbreitungsberechnungen hatte eine Mitarbeiterin des Büros Kurz und Fischer den Räten vorgestellt. Die Mittelwerte die anhand von Parametern wie Topografie, Fahrzeugmenge, Geschwindigkeit, Gebäudekonstellation errechnet wurden, ergaben, dass an lediglich einem Gebäude an der Ortsdurchfahrt der Lärmpegel höher ist, als die Richtlinie vorgibt. Allerdings auch nur nachts.

24-Stunden-Mittelwert, Nacht- Mittelwert, Jahres-Mittelwert – Räte und Zuhörer hatten das Gefühl: Je öfter man Lärm aufzuteilen scheint, umso geringer scheint er zu werden. So werden beispielsweise Motorräder, die mit ihren aufheulenden Motoren im Sommer den an der Ortsdurchfahrt wohnenden Gammelshäusern auf die Nerven gehen, nicht nur wie ganz normale Fahrzeuge gezählt, die Lärmspitzen werden zudem aufs ganze Jahr verteilt.

Hans Hohlbauch meinte kopfschüttelnd: „Das ist eine sehr theoretische Betrachtung, das kann man ja keinem erklären.“ Bürgermeister Daniel Kohl stellte fest: „Da der Lärm nicht gemessen, sondern errechnet wird, gehen der gefühlte und der errechnete Wert oft weit auseinander. Unsere Bürgerschaft ist belastet, das ist Fakt. Durch Lärmmessungen würde dies sicher auch bestätigt, doch leider sieht das Verfahren diese nicht vor.“ Das Ergebnis der Berechnungen zeige, dass ein Antrag auf ein generelles Tempolimit geringe Chancen hätte, eines zwischen 22 und 6 Uhr beim Straßenverkehrsamt eventuell eher auf Bereitschaft stoßen könne. Kohl bejahte Walter Krummreins Frage, ob auch eigene Schilder mit Vernunftsaufrufen genehmigungspflichtig seien und verschaffte seinem Unmut darüber Luft, dass die Gemeinde alle fünf Jahre zwischen 2000 und 4000 Euro in die Hand nehmen müsse, um den Lärmpegel zu überprüfen, auch wenn sich an den örtlichen Gegebenheiten nichts ändere.

Verwunderung und Unverständnis rief im Gemeinderat übrigens auch die Tatsache hervor, dass sich nationale und EU-Lärmpegelrichtwerte unterscheiden und einander nicht angeglichen wurden.

Einheitliches Konzept, nationale Umsetzung

Europaweit Die EU-Umgebungslärmrichtlinie legt ein europaweit einheitliches Konzept fest, um schädliche Auswirkungen durch Umgebungslärm zu verhindern, zu vermeiden oder zu mindern. Die Richtlinie wurde im Bundes-Immissionsschutzgesetz und der Verordnung über die Lärmkartierung national umgesetzt.

Zeiträume Für die Lärmkartierung Stufe 1 wurden in Baden-Württemberg über 950 Lärmkarten erstellt. Darin werden zwei unterschiedliche Zeiträume betrachtet. Der Lärmindex „LDEN“  (Day – Evening – Night) beschreibt volle 24 Stunden, der Lärmindex „LNight“ den Nachtzeitraum zwischen 22 und 6 Uhr.

Mittelwert Die Berechnung des „Mittelwertes“ erfolgt anhand einer Reihe von Parametern. In den kartierten Bereichen sind die Gemeinden verpflichtet, Lärmaktionspläne mit Maßnahmen zur Regelung von Lärmproblemen aufzustellen und alle fünf Jahre fortzuschreiben.