Donzdorf Frühling ist immer

Harald Herrmann will mit seinen Acrylbildern "eine Hommage an Raum und Bewegung" schaffen. Der Freiburger Künstler stellt noch bis zum 11. April in der Städtischen Galerie Donzdorf aus. Foto: Hans Steinherr
Harald Herrmann will mit seinen Acrylbildern "eine Hommage an Raum und Bewegung" schaffen. Der Freiburger Künstler stellt noch bis zum 11. April in der Städtischen Galerie Donzdorf aus. Foto: Hans Steinherr
HANS STEINHERR 20.03.2014
Er betreibt eine Schule der Wahrnehmung, fotografiert, zeichnet, schreibt Lyrik und malt. Der Freiburger Künstler Harald Herrmann zeigt in der Städtischen Galerie Donzdorf 20 Acrylbilder.

Der blaue Himmel verblasst in der Ferne. Langsam und soweit das Auge reicht verliert er seine Intensität, wird bleicher, allmählich zu farblosem Licht. Bevor er breit und langgestreckt auf das linde Grün einer aufwachenden Frühjahrslandschaft herabfällt, besinnt er sich, nimmt nochmals Farbe an.

Um Stimmung zu erzeugen, bringt der Freiburger Harald Herrmann Farbe und gedankliche Freiräume auf die Leinwand. Motive sind nur spärlich vorhanden. Landschaft eben. Sie aber weckt und evoziert Begehrlichkeiten. Hermanns Bildertitel sind auch nicht gerade üppig. Die rund 20 in der Städtischen Galerie Donzdorf ausgestellten Acrylbilder benennt er schlicht und einfach mit "Landschaft" und mit "Frühling ist immer". So bekommt der Betrachter keine Chance, sich in seiner Einstimmung durch Vorgaben ablenken zu lassen. "Frühling ist immer" - das sind Blumenbilder, die wie im Zeitraffer den Zyklus vom Werden bis zum Vergehen bannen. Wieder verblasst eine farbige Pracht. Die von Blüten. Sie lösen sich einfach auf, und es scheint so, als vergössen sie darüber Tränen. Auf einem anderen Bild ist Landschaft ausschließlich braun, rostig und ohne Horizont - Herrmanns künstlerische Verneigung vor der Landschaft Marokkos. Wie verstaubt und undurchdringbar, monoton und doch faszinierend. Wer glaubt, dies sei ein unvereinbarer Widerspruch, wird von Harald Herrmann eines Besseren belehrt. Dabei liegt ihm das Belehrende fern. Man solle Bilder wahrnehmen, wie sie sind, sagt er. Seine wollen vor allem Sehnsüchte wecken und tiefes Begehren. Alles eine Hommage an Raum und Bewegung.

Harald Herrmann schreibt Gedichte, fotografiert und zeichnet. Im Jahre 2000 gründete Herrmann in Freiburg im Breisgau seine "Schule der Wahrnehmung" für Malerei und Zeichnung. Mit behinderten Menschen arbeitet er in Kunstprojekten zusammen und doziert an der katholischen Hochschule Freiburg zum Thema Kunst und Psychiatrie. 2010 war er künstlerischer Leiter des Standes der Stadt Freiburg auf der Weltausstellung in Shanghai. Bilder ohne Kopfeinsatz zu malen ginge nicht, sagt er - und dass Bilder mit den Sinnen zu empfangen anders sei als Bilder zu produzieren. Seine Landschaften sind wahrgenommen nicht wiedergegeben. "Ein Bild muss offen sein", sagt Herrmann. "So offen, dass ein Pferd hindurchlaufen könnte".

Info Städtische Galerie Donzdorf im Alten Schloss und Rathaus. Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 8-18 Uhr (bis 11.4.)