Sanierung Freibad-Hilfe aus Gingen?

Wiesensteig / Ilja Siegemund 14.03.2018

Der Austausch der Wasserfilter im Wiesensteiger Freibad bereitet den Stadträten und Bürgermeister Gebhard Tritschler nach wie vor Kopfzerbrechen: Die alte Filteranlage ist defekt und eine neue zu kaufen, würde den finanziellen Rahmen sprengen. Über dieses Problem hat Ulrich Pfeffer aus Gingen vor Kurzem in der GEISLINGER ZEITUNG gelesen und sich dabei an das Jahr 2012 erinnert, als seine Firma „Pfeffer Filtertechnik“ aus Gingen im Freibad „Waschmühle“ in Kaiserslautern eine Filteranlage installiert hatte – und zwar im mit 200 mal 80 Meter größten Einzelbecken Europas. Damals hatten die Verantwortlichen in Kaiserslautern dieselbe Situation erlebt wie jetzt die Wiesensteiger.

Wie berichtet, sind die beiden Filter in Wiesensteigs Freibad vom Rost zerfressen, und auch die Umwälzpumpe dürfte ihren Dienst nicht mehr allzu lange verrichten. Zu dieser Erkenntnis war Ulrich Schwertle vom Bad Uracher Fachbüro „Fritz ­Planung“ gekommen, der für 28 500 Euro ein Gutachten zu den Sanierungsmöglichkeiten und deren Kosten erstellen soll. Um die Filter zu ersetzen, müsste das Dach des Technikraums geöffnet werden, damit die alten Filterkessel mit einem Kran herausgehoben werden könnten. Außerdem müsste die Stadt Wiesensteig einen Anbau am Technikraum errichten, damit die neuen und größeren  Filter, die der DIN entsprechen, Platz hätten. Die dafür notwendigen Kosten würden jedoch das Budget der Stadtverwaltung sprengen.

Durch ein Entgegenkommen des Gesundheitsamts des Landkreises Göppingen, das die Wasserqualität im Freibad kontrolliert, bot sich der Stadtverwaltung eine preisgünstigere Lösung, die voraussichtlich „nur“ 675 000 Euro kostet: Die Stadt darf kleinere Filter einbauen als vorgeschrieben. Dazu muss sie aber nachweisen, dass täglich weniger als 1500 Menschen im Freibad ihre Bahnen ziehen.

Diese Summe jedoch ist immer noch ein Batzen Geld, dachten sich Wiesensteigs Stadträte und Ulrich Pfeffer unisono. Also meldete sich der Unternehmer bei Wiesensteigs Bürgermeister Gebhard Tritschler. Seine Filter, ein Import einer Firma aus Spanien, „sind auf jeden Fall günstiger“, betonte Ulrich Pfeffer jüngst im Gemeinderat.

Sonderlösung ohne DIN

Allerdings hat die Sache einige Haken: Die Geräte entsprechen nicht der DIN-Norm, „es handelt sich um eine Sonderlösung“, ergänzte der Unternehmer. Die Anlagen allein reichen außerdem nicht aus, um für sauberes Wasser zu sorgen: Die Stadt Wiesensteig würde darüber hinaus einen Sandfilter oder eine Ultrafiltration benötigen, um kleinste Teile aus dem Wasser fischen zu können.

Trotzdem sei diese Lösung unter dem Strich günstiger, weil die Stadt Wiesensteig dann einen wesentlich kleineren Sandfilter benötige als bei einer DIN-konformen Lösung. Außerdem erfülle „das gefilterte Wasser die Anforderungen des Gesundheitsamts“, betonte Ulrich Pfeffer. Die DIN-Norm sei „eine Empfehlung, nach der man bauen kann – aber nicht muss“. Dass die spanischen Filter durchaus leistungsfähig sind, versuchte Ulrich Pfeffer anhand eines weiteren Beispiels zu belegen: Seit Jahren reinigen Filter, die er aus Spanien importiert, das Wasser im Hippodrom des Kölner Zoos, in dem sich Nilpferde aufhalten. „Pro Tag landen 150 Kilogramm Nilpferd-Mist im Wasser – die Anlagen schaffen das seit Jahren.“

Bei den Stadträten aus Wiesensteig schien der Filter-Verkäufer Interesse geweckt zu haben. Das mag auch damit zusammen hängen, dass sie mit der Leistung des Fachbüros aus Bad Urach weniger zufrieden sind. Das Büro habe die Stadträte schon zwei Mal versetzt und Fristen verstreichen lassen, gab etwa Wolfgang Hauser zu bedenken. Auch Stadtrat Manfred Schmidt warb dafür, den künftigen Weg ohne das Fachbüro zu beschreiten. Die planerische Expertise könnte ein Partnerunternehmen von „Pfeffer Filtertechnik“ beisteuern. „Das wäre ein schöner Weg“, fand Manfred Schmidt.

Um die Bad Uracher Fachplaner nicht gänzlich auszubooten, empfahl Bürgermeister Gebhard Tritschler einen Kompromiss: „Fritz Planung“ soll auch die Filter-Variante von Ulrich Pfeffer prüfen. „Ich bin überzeugt, dass das Büro diese Lösung unterstützen wird, wenn es die technischen Details kennt“, betonte der Unternehmer. Allerdings warnte er gleichzeitig die Stadträte: Er habe bereits Kontakt mit den Planern aufgenommen und selbstbewusst für sein Produkt geworben. „Es kann sein, dass ich zu forsch aufgetreten bin und die Planer reserviert sein werden“, räumte ­Ulrich ­Pfeffer ein.

Das Gremium stimmte schließlich mehrheitlich für den Vorschlag von Gebhard Tritschler. Nur Manfred Schmidt war dagegen: Er möchte lieber früher als später mit Ulrich Pfeffer zusammenarbeiten. Stadtrat Gerhard Kober erwiderte: „Das können wir immer noch machen, wenn es mit dem Planungsbüro nicht klappt.“

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