Vortrag Frauenrechte bleiben ein wichtiges Thema

Eislingen / SWP 15.11.2018

Seit 100 Jahren sind Frauen in Deutschland wahlberechtigt. Dieses Jubiläum nahmen die Volkshochschule Eislingen, die Efa – Eislinger-Frauen aktion – und der Kreisfrauenrat Göppingen zum Anlass und luden zu Vortrag und Gespräch. „Was hat sich seit damals geändert und wie soll es weitergehen“, nannte VHS-Leiterin Ute Schwendemann die Thematik des Abends.

Claudia Weinschenk, Historikerin aus Stuttgart, beleuchtete die politischen Entwicklungen, die mit den Rechten der Frauen eng verknüpft sind. So bildete die erste Frauenzeitschrift im Jahr 1849, die von Louise Otto herausgegeben wurde, einen provokativen Beginn. Das geschah zu einer Zeit, als sich die Staatsangehörigkeit der Frauen über den Mann definierte, unter dessen Gewalt sie standen, berichtete die Referentin. Frauenrechtlerin Hedwig Dohm (1853 bis 1919) verdeutlichte die noch zu ihrer Zeit geltende Gesetzeslage, die die Rechte der Frauen denen der Idioten gleichsetzte, „denn Straftäter dürfen nach Absitzen der Haft wieder ihre Bürgerrechte wahrnehmen“.

Als das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt wurde, warben plötzlich alle Parteien um diese neue Wählerschaft, gegen die sie sich, bis auf die SPD und deren Vorgängerparteien, so vehement ausgesprochen hatten. Die Wahlbeteiligung der ersten Wahl vom 19. Januar 1919 lag bei 82 Prozent Männern und Frauen, die 41 Frauen in die Nationalversammlung brachten. In der laufenden Wahlperiode sitzen so wenige Frauen wie seit 1998 nicht mehr im Parlament. Was die Frauen vor über 100 Jahren antrieb, war die Forderung nach Bildung, erklärte Weinschenk.

Moderatorin Ingrid Held von Efa, leitete den zweiten Teil des Abends ein – Gesprächsrunden über die heutige Situation der Frauen in Politik und Öffentlichkeit. Vor allem die Frage, warum so wenige Frauen in öffentlichen Ämtern etabliert sind, bewegte die Gemüter. Dass die Strukturen in der Politik die Vereinbarkeit eines Amtes mit Arbeit und Familie erschweren, kristallisierte sich als ein Grund heraus.

Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens wünscht sich mehr Frauen in gehobenen Positionen. Doch auch, dass viele Frauen sich einen Posten nicht zutrauen, da sie ihn zu 200 Prozent erfüllen wollen und alle dazu notwendigen Fähigkeiten bereits im Vorfeld meinen haben zu müssen, sei wohl ein Hindernis zu kandidieren. Es braucht von weiblicher Seite offenbar noch mehr Authentizität und Mut. Dieser Abend zeigte nach Meinung der Veranstalter Anklänge davon, wie Frauen ein anderes Gesprächsklima schaffen können, wenn sie die Möglichkeit dafür haben.

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