Göppingen / Simon Scherrenbacher  Uhr
Ein 40-Jähriger hat einer Frau Liquid Ecstasy in den Drink getröpfelt. Das Amtsgericht Göppingen verurteilte ihn nicht nur deswegen, sondern auch wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung zu 21 Monaten Haft auf Bewährung.

Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie verbotener Drogen- und Waffenbesitz: So lautete die Anklage gegen einen 40-Jährigen  vor dem Göppinger Amtsgericht. Die beiden letzten Vorwürfe räumte er noch im Verhandlungssaal ein. Dass er jedoch einer Frau gegen deren Willen Liquid Ecstasy in ein Getränk gemischt und mit ihr ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt habe, wie ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf, stritt er ab.

40-Jähriger unter anderem wegen sexueller Nötigung verurteilt

Das Amtsgericht verurteilte ihn schließlich wegen sexueller Nötigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, vorsätzlichen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln sowie einer Schusswaffe und Munition zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung.

Kennengelernt hatte der Mann sein mutmaßliches Opfer im Internet. Nachdem es beim zweiten Treffen zu einvernehmlichem geschützten Geschlechtsverkehr gekommen sei, habe der Angeklagte der Frau bei der dritten Begegnung im November 2017 in seiner Wohnung das Rauschgift in einen Likör geträufelt, so die Staatsanwältin – obwohl die Frau erklärt habe, zur Einnahme von Drogen nicht bereit zu sein. Auch der anschließende Sex ohne Kondom habe gegen ihren Willen stattgefunden; in ihrem Rauschzustand, der auch Schwindel und Übelkeit hervorgerufen habe, sei sie nicht in der Lage gewesen, dies zu erkennen und zu verhindern.

Wohnungsdurchsuchung: Kokain, Marihuana, Liquid Ecstasy und 93 Ecstasy-Pillen

Einen Monat später entdeckten die Ermittler bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Angeklagten neben dem Liquid Ecstasy auch kleinere Mengen Kokain und Marihuana sowie 93 Ecstasy-Pillen. Darüber hinaus förderten sie aus einer Tasche eine Pistole und sieben Patronen zu Tage, für die keine Erlaubnis vorlag.

„Ich habe keine Problem mit Drogen“, betonte der 40-Jährige vor Gericht. Bei einem mehrmonatigen arbeitsbedingten Aufenthalt in Ostdeutschland vor mehreren Jahren – „Ich hatte eine tolle Zeit“– will er jemanden kennengelernt haben, der ihm ein Schächtelchen mit den Drogen überreicht habe: „Das hat man halt mal ein bisschen ausprobiert, ich war neugierig.“ Das nahm ihm die Staatsanwältin nicht ab: „Mit 93 Ecstasy-Tabletten können Sie eine Riesen-Party schmeißen.“

Angeklagter: Waffe von verstorbenen Schwiegervater

„Das war seit Jahren in meinem Besitz und alles in dem Päckchen“, widersprach der Angeklagte. Von seinem verstorbenen Schwiegervater stamme die Waffe, die seine Ex-Frau beim Auszug nicht mitgenommen habe: „Ich habe gewusst, dass sie da ist, aber gar nicht mehr daran gedacht. Als sie gefunden wurde, war ich völlig perplex.“

Mit seiner Internet-Bekanntschaft hatte er vor den Treffen Regeln ausgemacht, zu denen auch der geschützte Geschlechtsverkehr gehörte: „Ich habe ohne Kondom nur mit meiner Freundin Sex.“ An jenem Abend im November sei sie ein bisschen nervös gewesen, weshalb man einen Gin Tonic getrunken habe. Drogen seien immer wieder ein Thema gewesen: „Sie fragte mich, was ich schon alles erlebt habe.“ Aus dieser Neugierde schloss er, dass sie es gerne auch selbst einmal ausprobieren wollte, und gab ihr das Liquid Ecstasy in ihr Getränk. Beim darauf folgenden Sex habe sie die aktive Rolle übernommen und sich auf ihn gesetzt. Das bereit gelegte Kondom benutzte er nicht: „Ich wollte die Situation nicht verderben.“

40-Jähriger versteht Anschuldigungen nicht

„Wie sind ihr die Tropfen bekommen?“, wollte die Richterin wissen. „Sie war wie betrunken, aber schon noch voll da“, antwortete der Angeklagte. „Ich hab‘ mich um Dich gekümmert, als es Dir schlecht ging“, hatte er dagegen der Frau geschrieben, wie aus dem Chat-Verlauf seines beschlagnahmten Handys hervorgeht. „Sie war ein bisschen außer Atem“, relativierte der 40-Jährige, als ihm dies vorgehalten wurde. „Aber danach ging es auch wieder.“ Sie sei daraufhin mit dem Auto weggefahren, weil sie direkt heim wollte.

„Als auf einmal diese ganzen Anschuldigungen kamen, war ich wie vor den Kopf gestoßen“, erinnerte sich der Angeklagte. Ihrem Freund, den er ein Jahr später zusammen mit ihr zufälligerweise auf einer Veranstaltung traf, habe sie die Geschichte anders erzählt: „Das war eine ganz blöde Situation.“ Sie habe ihn dann jedoch umarmt und gesagt, dass ihr alles sehr leid tue. Er habe nicht gewusst, wie er reagieren sollte. „Für mich war offensichtlich, dass sie das machen wollte, sonst hätte ich das nicht getan. Es tut mir auch leid, dass alles so passiert ist, aber es war nie meine Absicht, irgendetwas gegen ihren Willen zu tun“, sagte der Angeklagte.

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