Schlat Forstamt plant im Schlater Wald Umschlagplatz für Wild

Kühlhaus für erlegte und ausgenommene Tiere: Förster Erich Staib nimmt in der kleinen Wildkammer im Schlater Wald ein Reh vom Haken. Das Forstamt plant dort ein neues Gebäude, in dem Wild auch zerlegt werden kann.
Kühlhaus für erlegte und ausgenommene Tiere: Förster Erich Staib nimmt in der kleinen Wildkammer im Schlater Wald ein Reh vom Haken. Das Forstamt plant dort ein neues Gebäude, in dem Wild auch zerlegt werden kann. © Foto: Giacinto Carlucci
JÜRGEN SCHÄFER 17.07.2015
Die Forstverwaltung will die Vermarktung von Wild aus eigener Jagd auf neue Beine stellen. Für jährlich etwa 500 Rehe und 100 Wildschweine gibt es künftig eine zentrale "Wildkammer" im Schlater Wald.

Was passiert mit Wild, das zur Strecke gebracht wird? Im Staatswald hat die Forstverwaltung bisher schon vier kleine Wildkammern, wo Rehe und "Schwarzkittel" ausgenommen und gekühlt aufbewahrt werden, bis sie zum Metzger oder Verbraucher wandern. Diese Mini-Kühlhäuser sind aber nur für das eigene, etwa 5000 Hektar große Territorium bestimmt, das die Forstverwaltung in eigener Zuständigkeit bejagt. Das tut sie mit örtlichen Förstern, Forstwirten, Mitarbeitern anderer Forstbehörden und vor allem "mithelfenden Jägern", insgesamt etwa 100 Personen. Die vier Wildkammern dienen nicht den Jagdpächtern, die es auch im Staatswald gibt, wenngleich in kleinerem Umfang. Auch nicht den Jagdpächter in kommunalen oder privaten Jagdrevieren. Die müssen ihr Wild auf eigenen Wegen an den Metzger, Gastronomen oder den privaten Verbraucher bringen, erläutert der stellvertretende Forstamtsleiter Tobias Volg.

Mit den jetzigen Wildkammern von wenigen Quadratmetern ist dies nur bedingt zu machen. Ausgenommene Tiere werden dort "in der Decke verkauft", wie die Jäger sagen. Also am Stück. Das Forstamt will jetzt mehr bieten. Tiere sollen zerlegt und in Folie verschweißt werden können. Um dem Markt entgegenzukommen, sagt Volg - der Gastronomie und der gewachsenen Zahl an privaten Kunden, die auf den Wild-Geschmack gekommen seien. Darauf macht die Forstverwaltung schon länger Appetit. Mit Aktionen wie "Wild auf den Grill" erst neulich wieder am Deutschen Haus.

Allerdings soll das Wild auch künftig als komplettes Tier verkauft werden, nicht in Portionen. Das sind bei einem Reh im Durchschnitt acht, neun Kilo Fleisch, sagt Volg. "Da können sich zwei Nachbarn zusammentun, und zwei-, dreimal im Sommer grillen." Für mehr Angebot braucht man ein neues Gebäude. Eine Wildkammer mit Kühlraum, Aufbruchraum und Zerwirkraum, groß genug, dass mehrere Jäger nebeneinander arbeiten könnten. In den kleinen Wildkammern kann das nur einer. Dafür biete sich der Standort im Schlater Wald an, wo bisher schon eine kleine Wildkammer steht und ein erheblicher Teil des erlegten Wilds abgewickelt wurde, sagt Volg. Was mit den anderen Wildkammern in Börtlingen, Geislingen und Nassach geschieht, sei noch offen.

Auch ein neuer Dienstleister tritt auf den Plan. Ein Metzger als Kooperationspartner des Forstamts soll das Wild nach Kundenwunsch verarbeiten und das Geschäft vor Ort abwickeln. Der Kunde holt sich die Ware bei ihm ab.

Diese Logistik entlastet die Forstverwaltung. Bisher habe man einen "erheblichen Stunden-Input", wenn der Förster jedes Mal zur Wildkammer fahren muss, um einem Kunden ein Tier auszuhändigen, verdeutlicht Volg. "Da kommt vielleicht noch ein Schwätzle von zehn Minuten dazu." Gut nur, dass sich der Verkauf auch koordinieren ließ, weil es zeitlichen Spielraum gibt. Ein Reh könne durchaus eine Woche in der Kühlkammer "abhängen", das tue dem Fleisch sogar gut. Sonst sei es eher zäh.

Für die Umstellung gibt es einen landesweiten Hintergrund. Das Ministerium hat die Forstämter im Rahmen einer Agenda "Verwaltungsjagd 2020" damit beauftragt, die gesamte Regiejagd zu analysieren und zu optimieren. Bei der Vermarktung gebe es verschiedene Wege, sagt Volg. Der Ostalbkreis gehöre zu denen, die das Wild komplett an den Großhandel verkauften. Für den Kreis Göppingen passe das nicht. "Wir leben im Verdichtungsraum. Da gibt es die Leute, die Wild wollen." So bleibe die Wertschöpfung auch im Kreis.

Im Schlater Gemeinderat ist das Baugesuch für die neue Wildkammer auf kritische Nachfragen gestoßen. Welchen Verkehr löse das auf dem beliebten Jogger-Weg zur Hermannshütte aus, wo das neue Gebäude entstehen soll? Der Schlater Förster Erich Staib konnte seine Ratskollegen beruhigen. "Wenn das am Abend mal zwei Autos sind", meint er, tagsüber eher weniger.

Was den Räte nicht behagt: Das Gelände an der Hermannshütte soll eingezäunt werden. "Kann man das vermeiden?" fragte Joachim Fritz. "Mich stört der Zaun auch", sagte Markus Großmann. Elke Karaus-Lein empfand ihn gar als "etwas ganz Komisches". Es gebe schon Gründe dafür, sagte Staib. Dort befänden sich auch Fahrzeuge und Material. Der Gemeinderat regte trotzdem an, das nochmal zu überdenken. Die Genehmigung liege bei der Naturschutzbehörde, erläuterte Bürgermeisterin Gudrun Flogaus.