Nachdem vor etwa einem halben Jahr die ersten Auf- und Ausräumarbeiten in der großen zum Wohnhaus gehörenden Scheune begonnen haben, wird seitdem fleißig am Um- und Ausbau eines barrierefreien Begegnungscafés hin gearbeitet. Entstehen soll es direkt am Kirchplatz, praktisch mitten im Herzen von Rechberghausen. 2008 haben dort Sabine und Matthias Renning ein 450 Jahre altes denkmalgeschütztes Bauernhaus erstanden, es in Eigenleistung umgebaut und sind nun mit Feuereifer dabei, aus der angrenzenden Scheune einen besonderen Treffpunkt für ganz besondere Menschen zu kreieren.

Wie bei so vielem, gab es auch für diese Idee einen Auslöser, einen Initiator. Als Claudius im Oktober 2005 mit Down-Syndrom zur Welt kam, hatte der kleine Junge bereits vom ersten Atemzug an das bisherige Leben des Ehepaars völlig auf den Kopf gestellt. "Durch die Geburt unseres Sohnes, der die ersten Wochen recht schwer zu kämpfen hatte, sahen wir rings um uns alles mit ganz anderen Augen und wir wussten schnell, wir müssen was tun", erinnert sich Sabine Renning an die ersten Wochen ihres Jüngsten.

Den Entschluss "müssen was tun" setzt das Ehepaar mit vielen Freunden und Mitstreitern kontinuierlich in die Tat um. Damit natürlich alles Hand und Fuß hat, wurde im Mai 2010 der Verein "Casa Nova e.V." - eine Begegnungs- und Förderstätte für benachteiligte Menschen gegründet. Sinn und Zweck dieses gemeinnützigen Vereins ist die Förderung von Kunst sowie das Anbieten von ganz unterschiedlichen Hilfen für benachteiligte Menschen. Dies bedeutet in erster Linie, Frauen und Männer mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung oder Personen aus sozial schwierigem Umfeld möglicherweise eine Bleibe, beziehungsweise eine Aufgabe in Form von Arbeit zu geben.

"Durch das vielseitige Förderangebot sollen diese Menschen voller Tatendrang ein möglichst eigenständiges Leben führen können und die Chance erhalten, versteckte Fähigkeiten und Gaben zu entfalten und insofern ihren Platz im Leben finden", lautet das Ziel von "Casa Nova". Aktuell gibt es 21 Vereinsmitglieder und "nach oben keine Grenzen" betont Matthias Renning lachend. Der 50-jährige arbeitet seit über 20 Jahren als Lehrer in einer heilpädagogischen Einrichtung in Eckwälden und bringt von daher einiges an Erfahrung mit.

In dem Begegnungscafé, das aller Voraussicht nach Mitte Juni die ersten Besucher empfängt, soll ein buntes Sammelsurium an kulturellen Veranstaltungen stattfinden. Angedacht sind Ausstellungen, Kleinkunst, Kreativkurse, Lesungen, Musikabende, Vernissagen oder spannende Vorträge. Um als Ansprechpartner für die Betroffenen und deren Sorgen und Nöte präsent zu sein, ist ferner der Aufbau eines Netzwerks geplant.

"Leider erhalten wir keine Fördergelder. Wir finanzieren uns ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, kleineren Spenden, dem Verkauf gebrauchter Bücher sowie durch die Erlöse aus verschiedenen Veranstaltungen wie Grill- und Kürbisfest, Pilgerfrühstück, Weihnachts-, Floh-, Kunst- und Wochenmarkt oder Faschingsumzug und Narrensprung", berichtet Sabine Renning.

In den öffentlichen Räumen ist mittlerweile fast alles vorhanden, was benötigt wird. Auch deswegen, weil das engagierte Ehepaar Baukosten und manch andere "Kleinigkeiten" aus eigener Tasche stemmt. "Was jetzt noch fehlt ist die Küche im Begegnungscafé", sagt die 45-Jährige. Mit 5000 Euro will die NWZ-Aktion "Gute Taten" einen Teil dazu beitragen.