Projekt Förderkreis engagiert sich für neue Orgel

Werner Singer und seine Tochter Caroline Schwab sind beide ausgebildete Organisten. Sie setzen sich für einen Ersatz für die marode Orgel ein.
Werner Singer und seine Tochter Caroline Schwab sind beide ausgebildete Organisten. Sie setzen sich für einen Ersatz für die marode Orgel ein. © Foto: Sabine Ackermann
Wäschenbeuren / Sabine Ackermann 15.03.2018

Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden“, lautet ein Zitat von Wilhelm Busch, das der seit Jahren andauernden disharmonischen Klang-Odyssee in der katholischen Kirche St. Johannes Evangelist Wäschenbeuren sehr nahe kommt.

Die dortige Orgel sei ein typisches Epochenkind der Orgelbaureform der 50er und 60er Jahre, weiß Werner Singer zu berichten. Der Organist kennt sich, wie seine Tochter Caroline Schwab, gleichfalls ausgebildete Organistin, bestens in der Materie aus. Anstelle einer soliden mechanischen Traktur wurde seinerzeit eine, vermeintlich moderne Elektropneumatik, mit einigen tausenden Kontakten eingebaut, die – wie man heute weiß – viel ungenauer und reparaturanfälliger ist.

Gleichfalls ein großes Manko, dass der Klang so verhalten und eigenartig konstruiert wurde, dass es nicht möglich ist, die verschiedenen Epochen der Orgelliteratur auch nur annähernd ihrer Bedeutung wiederzugeben. „Ganz zu schweigen von mehreren Registern, die man gar nicht einsetzen kann“, betont Caroline Schwab. Zink anstatt Zinn, furnierte Spanplatte anstatt Massivholz – aus Kostengründen wurde bei der Herstellung der Pfeifen sowie des Gehäuses größtenteils minderwertiges Material verwendet. Von weitem wirkt das orangefarbene Band um die Orgelpfeifen wie ein frecher Farbtupfer. Doch dahinter steckt ein ernster Grund. Nicht zur Zierde, sondern zum Schutz der Menschen dient der Spanngurt, mit dem einige der sechs Meter hohen und 150 Kilogramm schweren sowie einsturzgefährdeten Orgelpfeifen gesichert sind. Aufgrund der schlechten Materialqualität sinken die großen Pfeifen in sich zusammen, verbiegen sich, werden instabil. Nur ein Baustein von vielen, inzwischen ist die Mängelliste der Orgel so lang wie ihre höchsten Pfeifen. Unter anderem mussten die brüchig gewordenen Leder der Bälge provisorisch repariert werden und die Tastaturen sind inzwischen so in Mitleidenschaft gezogen, dass die unterschiedlichen Druckpunkte kein präzises Orgelspiel mehr zulassen.

„Stille nach der Predigt, alles war ruhig. Auf einmal erschütterte ein tiefes lautes Brummen die Kirche“, berichtet das „Orgelpfeifle“, das Maskottchen des Orgelförderkreises auf dessen Webseite. Das „Orgelpfeifle“ fragt sich: „Welcher Freund konnte wohl diesmal ein Problem haben?“ Und da war sie wieder, die „Bauchwehpfeife F“, die gut hörbar ihr Leid klagte: „Ich kann einfach nicht aufhören zu jammern, die Luft drückt ohne einen Stopp in meinem Bauch, ich kann gar nichts dafür“, antwortete die Pfeife F. Alle Leute drehten sich nach dem Organisten um, doch dieser eilte flugs zur Bauchwehpfeife F und legte sie mit einem Taschentuch still.

Eine hübsche Idee, wie das verzweifelte „Orgelpfeifle“ auf der Homepage seine metallischen „Freunde“ zu retten versucht. Weil die Balgzugapparate teilweise nicht mehr funktionierten, wurden bereits 2010 etwa 300 von 2500 Pfeifen stillgelegt, damit beim Einschalten und Spielen keine störenden Dauertöne zu hören sind. „Verbogene oder zerbeulte Pfeifen, die man nicht mehr stimmen kann, zählen noch zu den kleineren Übeln“, verrät Werner Singer schmunzelnd. Der 65-Jährige gehört wie seine 30-jährige Tochter zur Vorstandschaft des im Januar 2014 auf Beschluss des Kirchengemeinderates gegründeten Orgelförderkreises. Neben den drei weiteren Organisten – Christoph Maaßen, Dr. Lars Telgen sowie der Birenbacherin Karoline Schaupp – hat sich der gemeinnützige Verein mit seinen 35 Mitgliedern und dem äußerst aktiven Kern aus 10 bis 15 Schaffern im Alter von 20 bis 70 Jahren zum Ziel gesetzt, die Förderung von kirchenmusikalischen Projekten in Wäschenbeuren voranzutreiben.

„Das ist das Wichtigste, das man im Bewusstsein der Leute ist“, findet die erste Vorstandsvorsitzende Caroline Schwab und ergänzt: „Unsere Pfarrkirche, das spirituelle Zentrum unserer Kirchengemeinde braucht eine gute Orgel“. Von der technisch möglichen Generalsanierung haben die hinzugezogenen Sachverständigen wegen der zu hohen Kosten und des im Vergleich dazu dürftigen Ergebnisses dringend davon abgeraten.

Die neue „Königin der Instrumente“ wird in einem aus Massiv­holz gebauten Gehäuse mit ihren 32 Registern, verteilt auf 3 Manuale und Pedal auf die Größe der Kirche entsprechend konzipiert. „Der klangliche Aufbau wird sich an der französisch-sinfonischen Orgelbau-Tradition orientieren“, erklärt Werner Singer, der in seinem Ruhestand alles spielt, was Tasten hat. „Einschlägig vorbelastet“ ist auch seine Tochter. Die Steuerfachangestellte spielt zusammen mit ihrem Vater im Akkordeon-Orchester Wäschen­beuren.

Eine neue Orgel kostet rund eine halbe Million Euro

Kulturerbe Wurden Orgel, Orgelbau und -musik vor mehr als 2000 Jahren im hellenistischen Ägypten ­erfunden, ist diese Kunst in Deutschland heute so ­präsent wie sonst kaum ­irgendwo. Im Dezember 2017 hat die UNESCO die „Königin der Instrumente“ zum immateriellen Kultur­erbe der Menschheit erklärt.

Popularität Mit 7000 bis 8000 Instrumenten herrscht im Südwesten die größte Orgeldichte. Bundesweit sind es etwa 50 000 Orgeln, die vor allem in Kirchen und Konzertsälen von haupt- und nebenamtlichen Organisten gespielt werden.

Kosten 75 000 DM habe damals die Orgel aus mittelmäßigem Material gekostet, bei der neuen sind zwischen 400 000 bis 450 000 Euro veranschlagt. Abzüglich aller Spenden, darunter die Gemeinde, BM Karl Vesenmaier mit 50 000 Euro und 2017 der GHW mit 18 000 Euro, fehlen noch zirka 200 000 Euro. Von der Diözese Rottenburg gibt es keinen Zuschuss.

Unterstützung Wenn 1000 Gemeindemitglieder, Freunde und Förderer der Kirchenmusik innerhalb von zwei Jahren mittels Dauerauftrag jeweils 300 Euro (monatlich 12,50 Euro) ansparen, ist die nötige Summe erreicht. Näheres wie Orgelkässle, Orgelkiosk oder Veranstaltungshinweise auf der Homepage: www.orgelfoerderkreis.de

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