Bad Ditzenbach Fliesen als Zeichen des guten Geschmacks

Glasierte Tonfliesen mit Eichenblattmustern zierten die Böden herrschaftlicher Räume auf der spätmittelalterlichen Hiltenburg.
Glasierte Tonfliesen mit Eichenblattmustern zierten die Böden herrschaftlicher Räume auf der spätmittelalterlichen Hiltenburg. © Foto: Katja Bode
Bad Ditzenbach / MARLIES BARTEIT-KLOPP 20.08.2016
Schöner wohnen anno dazumal: Grabungsfunde von der Hiltenburg zeugen vom gehobenen Wohnkomfort im Palas der Grafen Helfenstein.

Seit dem 11. Jahrhundert gab es  in Klöstern und Kirchen Tonfliesenböden. Bald fand auch der Adel Gefallen an dieser neuen Art des Bodenbelags. Vor allem im Spätmittelalter stattete man die Repräsentationsräume von Burgen und begüterten Bürgerhäusern mit reich verzierten Bodenfliesen aus. Jeder, der etwas auf sich hielt, musste diese neue Modeerscheinung einfach haben.

Bei den archäologischen Untersuchungen auf der Hiltenburg bei Bad Ditzenbach kamen einige Bruchstücke ornamentierter Bodenfliesen mit Glasur zutage. Diese Funde  zeugen vom gehobenen Wohnkomfort im Palas der Grafen von Helfenstein. Sie könnten aber auch zum Boden einer der beiden Burgkapellen gehört haben. In den Räumen der Burgbäckerei bildeten hingegen einfache Fliesen ohne Verzierung und Glasur den Bodenbelag.

Die Relieffliesen der Hiltenburg sind durch das langjährige Begehen der Böden stark abgenutzt. Das Motiv zeigt ein Spitzoval mit Eichenblatt und Mittelrippe, in den gegenüberliegenden Ecken befinden sich Viertelkreise. So entstand aus vier Fliesen jeweils ein mit Eichblättern verzierter Kreis. Die schmückende Raumwirkung wurde mit grünen und braunen Glasurtönen in den herrschaftlichen Räumen noch verstärkt. Glasierte Bodenfliesen mit einer vergleichbaren Prägung liegen aus der Jakobuskirche in Kuchen vor.

Die Herstellung der Bodenfliesen umfasste mehrere Arbeitsgänge. Nach der Aufbereitung des Tons wurde dieser durchgewalkt, um ihn von Lufteinschlüssen zu befreien. Danach wurde er in genormte quadratische Holzrahmen verteilt. Die Reliefzier entstand mit Hilfe eines Holzmodels. Man kann sie mit überdimensionalen Springerlesmodeln vergleichen. Man presste sie vor dem Brand in die noch weiche Tonplatte. Die Fliesen der Hiltenburg müssen aus einer sehr versierten Werkstatt stammen. Ein abgeschrägter Zuschnitt der Seiten ermöglichte nämlich eine fugenlose Verlegung.

Im Landkreis Göppingen kennen wir 40 Fundorte mit spätmittelalterlichen Tonfliesen. Sie zeigen 30 unterschiedliche Ziermotive. Die Ziermuster lassen große Qualitätsunterschiede erkennen. Häufig wurden Model kopiert oder von Modelkopien weitere Duplikate angefertigt. Beim Einsatz solcher Modelkopien ließ die Qualität der Ziermuster auf den Fliesen zu wünschen übrig.

Die Relieffliesen von der Hiltenburg stammen aus der Zeit unmittelbar vor der Zerstörung der helfensteinischen Residenz durch Herzog Ulrich von Württemberg im Jahr 1516.

Appetithäppchen

In loser Folge veröffentlichen wir an dieser Stelle „Appetithäppchen“ aus der Ausstellung „Wutherey – Die Zerstörung der Hiltenburg 1516“, die zurzeit im Haus des Gastes in Bad Ditzenbach zu sehen ist. Jeden Sonntag werden um 15 Uhr öffentliche Führungen angeboten.

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