Sommerfestival Filseck: Abbruch wegen Regens trübt Freude

Allerlei Weltmusik rund um Mozart und den Orient bot das Trio Fisfüz bei seinem Konzert im Schlosshof von Filseck.
Allerlei Weltmusik rund um Mozart und den Orient bot das Trio Fisfüz bei seinem Konzert im Schlosshof von Filseck. © Foto: Giacinto Carlucci
Uhingen / Annerose Fischer-Bucher 24.07.2018

Das Wetter hielt bis kurz nach der Pause, die Erinnerung an ein außergewöhnliches Trio hält bei den Zuhörern sicher wesentlich länger. Was eine Klarinette und eine Bassklarinette (Annette Maye), eine Ud (Schalenhalslaute) und eine Gitarre (Gürkan Balkan) sowie verschiedene (Rahmen-) Trommeln (Murat Coskun) zaubern können, verbunden mit dem genial-knitzen Einfall, in Zeitsprüngen zwischen Mozart und heute hin und her zu hüpfen – das erlebten die Besucher beim Konzert des Ensembles Fisfüz am Sonntagabend auf Schloss Filseck.

Drehpunkt war die Musik Mozarts in seiner Oper „Die Entführung aus dem Serail“. Das Sujet des Harems eines osmanischen Herrschers, der sich in die gefangene Europäerin Constanze verliebt – die Paarung auf der Zofen-Ebene mit Blonde inklusive – inspirierte nicht nur Mozart, sondern auch die drei Musiker. Murat Coskun erläuterte dem staunend-amüsierten Publikum, dass die musikalischen Rohlinge für Mozart von ihnen stammen würden. Schließlich habe der Komponist nicht nur die Musik, sondern auch die virtuose Klarinettistin aus Mannheim in einem Harem in Istanbul kennengelernt.

Und so war es nur folgerichtig, dass die Musiker eine glänzende Symbiose aus Klängen des Morgenlandes und des Abendlandes boten. Der Lautenist und der Perkussionist, beide mit türkischen Wurzeln, waren für die Klänge ebenso prädestiniert wie die Klarinettistin aus Flensburg. Denn das Ensemble spielt schon seit 20 Jahren zusammen, es ist auf der ganzen Welt unterwegs und hat viele Preise erhalten, unter anderem den SWR-Weltmusikpreis.

Wie das Trio Motive aus der Ouvertüre der Mozart-Oper mit einer orientalen Harmonik mischte, die kleingliedrigere Tonschritte als den Halbton des Okzidents kennt und andere Klangvorstellungen hat, war phänomenal. War es ein sehnsüchtiges Lied aus Istanbul, gesungen von Gürkan Balkan, ein strammer Janitscharenchor aus der Militärmusik, war es eine traurige Arie der Figur Constanze, eine Kabbelei zwischen dem patschigen Serail-Wächter Osmin und der zickigen Zofe Blonde („Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln“) – die Verknüpfung der klassischen Harmonik eines Mozart mit orientalischer Musik, mit Jazz, mit Klezmer und mit eigenen modernen Improvisationen ließ den Abend zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.

Die Klarinetten von Maye zum Beispiel drückten sämtliche Gefühlsstimmungen von ganz hoch bis ganz tief aus, konnten jedoch auch örtlichen Kolorit in einer großen technischen Perfektion beschreiben oder ließen einfach frei schwingen.

Im Dialog mit Maye stand auch die meisterlich gespielte Balkan-Laute. Ein ganzes Kaleidoskop von Mehrstimmigkeit entlockte jedoch Perkussionist Coskun seinen verschiedenen Rahmen-Trommeln, was das Publikum begeistert applaudieren ließ. Sehr schade, dass kurz nach der Pause das Konzert wegen einsetzenden Regens abgebrochen werden musste. Annerose Fischer-Bucher

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