Neujahrskonzert Faurndau: Viel Beifall für Weihnachtsoratorium

Souverän leitete Kirchenmusikdirektor Gerald Buß (rechts) am Neujahrsabend die Ensembles und Sänger bei der Aufführung von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Links im Bild: der Trompeter Lutz Mandler.
Souverän leitete Kirchenmusikdirektor Gerald Buß (rechts) am Neujahrsabend die Ensembles und Sänger bei der Aufführung von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Links im Bild: der Trompeter Lutz Mandler. © Foto: Giacinto Carlucci
Faurndau / Ulrich Schlecht 03.01.2019

In seinem bewährten Neujahrskonzert bot Kirchenmusikdirektor Gerald Buß diesmal eine nicht oft zu erlebende Programmzusammenstellung. Natürlich gehört Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ zu den bekanntesten Kompositionen für den weihnachtlichen Festkreis; die erste der sechs Kantaten mit den drei letzten zu kombinieren, stellt indes ungewohnte inhaltliche Bezüge her, wird hier doch die Christnacht mit später zu datierenden Szenen, „da acht Tage um waren“ bis Epiphanias, verknüpft.

Nun denn, die archaisch wirkende Stiftskirche nimmt Derartiges natürlich nicht übel, ganz besonders dann nicht, wenn die bestens vorbereiteten Ensembles mit so viel Engagement musizieren, wie es der Kammerchor Capella Nova und das Kammerorchester Nota Cambiata unter dem befeuernden Dirigat ihres Leiters Gerald Buß taten. Und die die Kirche füllenden Besucher zeigten sich von den Darbietungen begeistert.

Den festlichen Eingangschor ging Buß sehr zügig an und setzte damit den Maßstab für seine interpretatorische Intention. Behende folgten ihm die Instrumentalisten, und der nicht allzu große Chor, durch das rasche Tempo zwar gelegentlich nahe an die Grenze des Leistbaren geführt, hielt wacker mit. Gundula Peyerl (Sopran), Sophia de Otero (Alt), Hubert Mayer (Tenor) und Christian Hilz (Bass) erledigten gekonnt ihre jeweiligen Soloparts. Die stark unterschiedlichen Stimmfärbungen konnten sich in den Ensembleszenen indes nicht zu einem befriedigenden Klangbild mischen, und Hubert Mayers Evangelistenbericht fehlte – vielleicht bedingt durch die ungünstige Aufstellung hinter der zuverlässig begleitenden Continuo­gruppe – die wünschenswerte Deutlichkeit.

Bachs unerschöpflich scheinender Erfindungsreichtum brachte nicht nur die Festesfreude zum Klingen, sondern zeigte sich auch in kammermusikalisch-intimen Partien, wo sich Sänger und Instrument im Duett trafen. Diese Teile gelangen ganz vorzüglich, wie zum Beispiel die Ankündigung des „großen Herrn und starken Königs“ durch Bass und Solotrompete oder die wunderbare Arie im vierten Teil mit Sopran und delikat geblasener Oboe samt ihren im Hintergrund agierenden Echos. Dass diese Kantate für den Neujahrstag geschrieben ist, wurde von Bach übrigens auch äußerlich durch neu hinzutretende Instrumente unterstrichen, weshalb zwei Trompeter zu den nur in diesem Satz eingesetzten Hörnern griffen.

Der überdimensional ausgeführte Schlusschoral und der erste Choral des Werkes wurden auf die gleiche Melodie gesungen, wodurch sich eine thematische Verklammerung des Werkes ergab. Das düstere Moll der bangen Eingangsfrage „Wie soll ich dich empfangen?“ wurde jedoch, am Ende der Erzählungen von den Wundern dieses Geschehens, im Dur-Glanz der göttlichen Rettungstat zerbrochen, wobei die Trompeter das Triumphale stets in schicklichen Grenzen zu halten wussten. Ausdauernder Beifall belohnte Gerald Buß und seine Mitwirkenden.

Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach

Werk Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli, gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt. Wie keine zweite Komposition steht Bachs Weihnachtsoratorium für die Zeit rund um die Heilige Nacht. Insbesondere die seltener aufgeführten Kantaten IV–VI wenden sich inneren Themen zu, laden ein zur Reflexion. So führt Bach uns durch Jubel und Dankbarkeit, durch Leben und Tod, zu Freund und Feind. Mit Pauken und Trompeten, Gesängen und Klängen.

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