Bad Boll Familientreff auf gutem Weg

Austausch und Beratung für Mütter mit kleinen Kindern: Über ein volles Haus bei der Einweihung freute sich gestern Bad Bolls Bürgermeister Hans-Rudi Bührle (im Hintergrund links).
Austausch und Beratung für Mütter mit kleinen Kindern: Über ein volles Haus bei der Einweihung freute sich gestern Bad Bolls Bürgermeister Hans-Rudi Bührle (im Hintergrund links). © Foto: Staufenpress
Bad Boll / Jürgen Schäfer 26.07.2018
Eine fröhliche Einweihung erlebte die Einrichtung für die Verbandsgemeinden im Raum Bad Boll. Sie darf noch wachsen.

Marilena macht sich nichts aus den Reden. Sie stromert so ein bisschen durch den Saal voller Leute, kuckt sich den Trubel an, findet einen Luftballon, den sie unter die Decke steigen lassen kann und orientiert sich dann zu Mama und Schwesterchen Julia. Später wird sie mit anderen Kindern in einer Ecke des grünen Innenhofs Seifenblasen pusten.

Die Dreijährige fühlt sich hier wohl. Wie andere Kinder, die krabbeln, von Mamas Schoß aus die Welt betrachten oder spielen, während sich die Mütter unterhalten. Acht bis zwölf Mütter mit Kindern kommen regelmäßig zum noch neuen Familientreff am Albtrauf, sagt die Leiterin Krystyna Bednarski. „Er wird gut angenommen“, freut sich Bad Bolls Bürgermeister Hans-Rudi Bührle.

Es war keine schwere, aber eine lange Geburt. Auf den Tag genau vor zwei Jahren hat der Verwaltungsrat des Gemeindeverbands Raum Bad Boll beschlossen, beim Landkreis einen Familientreff zu beantragen, berichtete Bührle. Der ist im Kreis schon gang und gäbe, Bad Boll bekam den elften. Allerdings war es für einen Raum von sechs Gemeinden noch ein stückweit Neuland, so Bührle. Es reichte dann in 2016 nicht mehr, die Einrichtung im Haushalt des kommenden Jahres unterzubringen. Den zentralen Platz konnte Bad Boll bieten: Die Gemeinde hat ja den Mehrzweckraum in der Seniorenwohnanlage. Die Ausstattung ließ sich dann mit 2500 Euro machen.

Der Familientreff sei ein wichtiger Beitrag zur Eltern- und Erziehungsarbeit, betonte Bührle, ein niederschwelliges Angebot zur Stärkung der Familien. Als Bürgermeister und Kreisrat bescheinigt er dem Landkreis, dass der sich das Etikett „familienfreundlich“ ans Revers heften könne.

Schmankerl zur Einweihung: Michael Alföldy ist mit seiner Gitarre gekommen. Er singt fröhliche Lieder, bei denen man herrlich mitmachen kann. Von der Oma, die morgens von ihrem alten Klappbett aufsteht und sich reckt und streckt und aufstapft, was die Gäste jetzt auch tun. Tanzen dürfen die Mütter, Kinder, Bürgermeister und Pfarrer dann bei einem afrikanischen Guten-Morgen-Lied. Alföldy ist Singpate in Göppinger Einrichtungen. In Bad Boll ist er das erste Mal.

Zum afrikanischen Lied passt ein abgewandeltes afrikanisches Sprichwort. „Zur Kindererziehung gehört mehr als ein ganzes Dorf“, verkündet Kreis-Sozialdezernent Rudolf Dangelmayr. Er berichtet von Skepsis, die der Antrag aus dem Raum Bad Boll auslöste. Kann man die guten Erfahrungen aus dem städtischen Raum auf den ländlichen übertragen? Dort seien die Wege länger. Das Zauberwort hieß dann: aufsuchende Familienarbeit.

Krystyna Bednarski leistet sie. Schon 3000 Kilometer hat sie in den Verbandsgemeinden abgespult. Sie besucht Zugezogene, die noch nicht so den Anschluss haben, und Familien mit Neugeborenen. Sie will auch einen separaten Babytreff aufziehen.

Noch ist der Familientreff im Aufbau. Acht bis zwölf Mütter – damit ist Bednarski nicht ganz zufrieden. Sie wünscht sich einen Stamm von 25. Im Herbst, da ist sie sich sicher, kommen weitere.

Sozialdezernent Dangelmayr sieht auch Potenzial für Begegnungen von Jung und Alt. Der Familientreff liegt ja in der Seniorenwohnanlage Bad Boll – da könne er nur ermuntern, aufeinander zuzugehen, Kontakte zu knüpfen und Veranstaltungen zu machen.

Info Familientreff am Albtrauf in der Seniorenwohnanlage Bad Boll immer mittwochs von 9 bis 12 Uhr.

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