„Dass ich im August mal Griebenschmalz verkaufe, hätte ich im Leben nicht gedacht.“ Vor ein paar Wochen hat Rolf Hofelich seine Kunden informiert, dass der Salacher Familienbetrieb seine Türen schließt. Seitdem kommt der Metzgermeister nicht mehr zur Ruhe. „Die Leute kaufen ein, als ob eine Hungersnot bevorstünde“, sagt der Salacher und weiß nicht so recht, welcher Film hier gerade abläuft. Jedenfalls steht Hofelich bis spät in die Nacht in der Küche, kocht Unmengen von Rindsrouladen, Gulasch und vor allem saure Kutteln. Und die Dosen gehen schneller weg als der Metzger und leidenschaftliche Koch produzieren kann. „Die Leute kommen mittlerweile mit Kartons“, sagt der 64-Jährige und weiß nicht, ob er darüber lachen oder weinen soll.

„Vor dem Tag habe ich schon Angst.“

Zum Heulen fänden es viele seiner Kunden, dass der seit 1887 bestehende Familienbetrieb am 17. August zum letzten Mal seine Türen öffnet. Und es vergehe kein Tag, ohne dass im Laden Tränen fließen, erzählt Michaela Hofelich. Auch Rolf Hofelich bewegen gemischte Gefühle: „Vor dem Tag habe ich schon Angst.“ Wie sollte es auch anders sein nach 48 Berufsjahren, davon 33 als Selbstständiger. In den elterlichen Betrieb, zu dem früher auch eine Gaststätte gehörte, ist Rolf Hofelich von Kindesbeinen auf hineingewachsen.

Aber so viele Jahre immer an vorderster Front bei extremer Arbeitsbelastung hätten ihren Tribut gefordert. Rolf Hofelich liebt seinen Beruf, vor allem „die Kocherei“, worauf er stolz ist. Metzger zu sein, sei ein lebendiger kreativer Beruf, „aber das ganze Drumherum“ – Bestellungen, Einkauf, Organisation und Buchhaltung – sei dem Ehepaar zunehmend zur Belastung geworden.

Ein lebendiger kreativer Beruf

Als kleine Handwerksmetzgerei stehe man im Wettbewerb mit den Supermärkten und deren langen Öffnungszeiten. „An fünf Tagen durchgehende Öffnungszeiten von 8 bis 18 Uhr und dann auch noch die Samstage, „das ist sehr personalintensiv“, Zudem sei es immer schwieriger, gutes Verkaufspersonal zu finden. Neben der klassischen Metzgerei müsse noch der Partyservice gestemmt werden. Und die Salacher Vereine rechneten in der Festlessaison fest mit Grillwürsten, Steaks und Kartoffelsalat aus Hofelichscher Produktion. Das alles sei nicht mehr zu schaffen, „wir haben lange nach Lösungen gesucht, weitermachen zu können“, betont der 64-Jährige, aber nun sei die Zeit gekommen, etwas zu verändern – nicht zuletzt der Gesundheit zuliebe.

„Ich habe für das Metzgerhandwerk gelebt“, sagt der quirlige Salacher, der auch stellvertretender Obermeister der Fleischerinnung Stuttgart-Neckar-Fils ist, und die Veränderungen des Handwerks hautnah miterlebt hat. „In den Fünfzigerjahren gab es in Salach noch acht Metzgereien, wenn wir aufhören, ist es noch eine“, meint Hofelich nachdenklich. Nicht nur der Preisverfall der Lebensmittel mache ihm und seinen Kollegen zu schaffen, vor allem fehle es am Nachwuchs. „Ich als 64-Jähriger kriege ja sogar Angebote.“ Er selbst suche seit langem nach einem Pächter für die Salacher Metzgerei: Noch hat Rolf Hofelich die Hoffnung nicht aufgegeben, schließlich werde in den kommenden Jahren das neue ganz in der Nähe liegende Quartier Mühlkanal Salach einen kräftigen Einwohnerzuwachs bescheren. Er werde den Betrieb deshalb nicht schließen, sondern ruhen lassen.

Partyservice wird weitergeführt

Das ermöglicht dem umtriebigen Schaffer, in reduzierter Form seinen Partyservice weiterzuführen. Ein Hintertürchen, räumt er ein, denn: „Nichtstun, davor hätte ich Angst, das habe ich nicht gelernt.“ Aber „Ich mache jetzt, so wie ich will“ sagt Rolf Hofelich und ist schon wieder auf dem Sprung. Denn schließlich sind da ja noch 150 Becher Griebenschmalz bestellt.