Rechberghausen Falsche Freunde

Ecki Müller als Hasse und Irina Dolch als Pferdehändlerin in Henning Mankells Stück "Der Gewissenlose", das derzeit im Theater im Bahnhof Rechberghausen aufgeführt wird.
Ecki Müller als Hasse und Irina Dolch als Pferdehändlerin in Henning Mankells Stück "Der Gewissenlose", das derzeit im Theater im Bahnhof Rechberghausen aufgeführt wird. © Foto: Theater im Bahnhof
Rechberghausen / EDDIE GROMER 14.11.2014
Henning Mankells Stück "Der Gewissenlose" feierte vor ausverkauftem Haus Premiere im Theater im Bahnhof Rechberghausen. Für das spielfreudige Ensemble gab es kräftigen Applaus.

Man kennt Henning Mankell zur Genüge durch seine unzähligen "Wallander"-Romane und -Verfilmungen. Dass seine Wurzeln aber eigentlich im Theater liegen und er auch eine ansehnliche Zahl von Stücken verfasst hat, ist eher nur zu einigen wenigen Eingeweihten durchgedrungen. Einem Stück mit dem etwas sperrigen Titel "Der Gewissenlose Mörder Hasse Karlsson enthüllt die entsetzliche Wahrheit, wie die alte Frau über der Eisenbahnbrücke zu Tode gekommen ist", hat sich das Theater im Bahnhof Rechberghausen in der Inszenierung von Jürgen Serfass angenommen.

Eine durchaus mutige Wahl, hat "Der Gewissenlose" doch so gar nichts mit den landläufig bekannten, gewalt- und bluttriefenden Plots zu tun, die wir aus dem Fernsehen kennen. Es fällt kein Schuss, es fließt kein Blut. Das Stück - schwierig gebaut durch viele, kurze Szenenwechsel - ist ein eher stilles, beunruhigend ruhiges Psychogramm über die Beeinflussbarkeit eines Jugendlichen in der Pubertät. Über den falschen Freund, der manipuliert, der einen Stellvertreter seine Fantasien ausleben lässt, der gleichsam als Voyeur die Szene beobachtet und sich, wenn es denn ernst wird, feige zurückzieht.

Hasse, überzeugend in seiner Erdenschwere dargestellt von Ecki Müller, erinnert sich in seinem 49. Lebensjahr an seine schlimmsten Taten als Jugendlicher, die zu einer familiären Katastrophe - dem Bruch mit der Mutter - führten. Der aus einfachsten Verhältnissen stammende Hasse lässt sich von Schwalbe, dem Sohn des Oberförsters, faszinieren, beherrschen und missbrauchen. Martin Schmidt - sein Debüt auf der Bühne im TiB feiernd - füllt diese äußerst ambivalente Rolle mit dem zweifelhaften Charme einer Schlange. Man weiß nicht, ob man fasziniert oder abgestoßen sein soll. Ständig umgibt ihn eine ungewisse Bedrohlichkeit. Perfide lässt er den eher harmlosen Hasse seine Streiche spielen, schiebt ihm die Verantwortung dafür zu. Ob er sich die alte, geldgierige Pferdehändlerin, Irina Dolch, die nasenlose Janine oder die unbedarfte und bigotte Aurelia - beide glänzend dargestellt durch Andrea Glietsch - als Opfer aussucht: Immer ist Hasse der Täter.

Jürgen Serfass gelang es, trotz der Schwächen im Bau des Stückes, durch Beschränkung und Reduzierung auf das Wesentliche und feinfühliges Führen eines spielfreudigen Ensembles sowie dem klugen Einsatz von Lichteffekten sein Publikum zu fesseln und 90 Minuten beeindruckendes Theater zu bieten. Was auch vom ausverkauften Haus mit lang anhaltendem, kräftigem und mit Bravo-Rufen durchsetztem Applaus gedankt wurde.

Info Weitere Aufführungen beim Theater im Bahnhof sind heute, morgen sowie am 21., 22., 28. und 29. November. Karten gibt es im Vorverkauf bei Optik Hasler in Göppingen, bei Mode In in Rechberghausen und unter www.TheaterimBahnhof.de.