Er hatte sich heftiger Kritik ausgesetzt gesehen, nun spricht der Höhlenguide selbst: Der 37-jährige Stefan aus dem Kreis Göppingen war am 28. Juli vom rasant steigenden Wasserpegel in der Falkensteiner Höhle überrascht und gemeinsam mit einem rund zehn Jahre jüngeren Kunden eingeschlossen worden. Noch bevor die Rettungsaktion am Tag darauf beendet war, hagelte es Kritik: Einige der Retter, konkurrierende Outdoorguides und der Bürgermeister der Gemeinde Grabenstetten warfen dem Führer Fahrlässigkeit vor. Doch der wehrt sich nun.

Bürgermeister rudert zurück

„Nicht besonders schlau“ und eine „Dummheit“ sei es gewesen, sich an jenem Sonntag Ende Juli auf den Weg in die Höhle zu machen, hatte Bürgermeister Roland Deh in die unzähligen Fernsehkameras vor Ort gesagt. Bundesweit sorgte die Rettungsaktion für großes Aufsehen. Vor wenigen Tagen dann ruderte der Rathauschef zurück: Er räumte ein, der Guide habe nicht damit rechnen können, dass es binnen kürzester Zeit 100 Liter Niederschlag geben wird.

Stefan selbst hatte die Berichterstattung erst im Laufe des Montags wahrgenommen. „Das war schon krass“, sagt er. „Vor allem, weil viele Aussagen einfach  nicht gestimmt haben.“ Um die Mittagszeit sei am Sonntag ein reger Betrieb in der Höhle gewesen, er und sein Kunde seien auf diverse Gruppen, auch professionell geführte anderer Anbieter, gestoßen. Dies bestätigt auch der Kunde in einer dreiseitigen schriftlichen Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt.

Sicht unter Wasser ist gleich null

Um 11.15 kriechen Stefan und sein Kunde durch den engen Eingang, den sogenannten Demutsschluf, in die rund viereinhalb Kilometer lange Wasserhöhle, nach 500 Metern stoßen sie auf den ersten Siphon. Der ist eine wichtige Schlüsselstelle bei einer Tour durch die „Falki“, wie die Höhle bei ihren Fans heißt. Bei normalem Pegel lässt sich der Siphon gerade so passieren, auf etwa fünf Meter Länge senkt sich der Fels bis auf wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche ab. Steigt der Wasserstand, kann die Stelle nur noch tauchend überwunden werden, die Sicht unter Wasser ist gleich null. „Klar, es hat geregnet“, sagt Stefan. „Aber das war ein normaler Regen, das war nicht irgendwie ein Problem.“

Die Alarmglocken klingelten

Als die beiden den Siphon erreichen, beträgt der Abstand zur Wasseroberfläche neun Zentimeter – „ein Wert, der unter dem normalen Wasserstand liegt“, betont Stefan. Zügig kommen die Männer voran, stoßen 1400 Meter tief in den Berg vor. Bis zur „Königshalle“ – eine an sich immer trockene Stelle war hier schon nass. „Das war der Moment, wo die Alarmglocken klingelten“, erinnert sich der Guide. Sofort drehen die beiden Männer um, in 40 anstatt normalerweise 90 Minuten erreichen sie den ersten Siphon. „Man konnte nun praktisch zusehen, wie sich der Wasserstand drastisch veränderte.“

Doch sie waren zu spät, „vielleicht um 15 Minuten“, schätzt Stefan. Einen Tauchversuch brechen die Männer ab, es ist zu gefährlich, sie retten sich in die höherliegende Reutlinger Halle. Währenddessen machen sich zwei Kollegen des Führers auf den Weg, um nach Stefan und seinem Kunden zu schauen. Geistesgegenwärtig legen sie ein Seil in den Demutsschluf – anders wäre der Eingang bei Hochwasser nicht mehr zu passieren. Am Siphon sehen sie, dass es für die Männer auf der anderen Seite ohne Tauchausrüstung kein Zurück gibt.

Gegen Mitternacht tritt Stefan, der einen Tauchschein hat, mit zwei Höhlenrettern den Rückweg an. Sein Kunde übernachtet mit Rettern in der Höhle und verlässt die Höhle am Morgen.

300 Mal in der Falkensteiner Höhle

62 Mal war Stefan alleine im Jahr 2018 in der Falkensteiner Höhle, insgesamt schätzt er, dass er rund 300 Mal Kunden in diese Wasserhöhle geführt hat. „Wenn der Wasserstand steigt, geht man raus“, sagt der erfahrene Guide. „Es war aber, als wie wenn jemand den Knopf umgelegt hätte. Das Wasser kam von überall.“ Für seinen Kunden ist klar: „Ich würde mich Stefan erneut zu einer Höhlentour anschließen.“

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Der Kunde nimmt seinen Guide in Schutz


Kunde: Aus Hannover ist der zahlende Gast am letzten Juliwochenende angereist. Mit Guide Stefan war er früher schon in der Falkensteiner  Höhle. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt der Mittzwanziger, dass die Tour eigentlich am Samstag auf dem Programm stand, von dem Guide aus Sicherheitsgründen aber auf den Folgetag verlegt wurde.

Bericht: Er schreibt: „Der Verurteilung des Höhlenführers, die Tour sei schlecht geplant, waghalsig und unter Missachtung der Sicherheit durchgeführt worden, kann ich mich nicht anschließen.“ Es habe eine Verkettung ungünstiger Umstände gegeben und er habe nie das Gefühl gehabt, „dass das Risiko nicht beherrschbar wäre“.