Natur Fälltrupp vom Amt gestoppt?

Eine 60 Jahre alte Kastanie liegt zersägt im Gras. Ob beim Fällen der Bäume in der Richard-Wagner-Straße alles mit rechten Dingen zugegangen ist, muss noch geklärt werden.
Eine 60 Jahre alte Kastanie liegt zersägt im Gras. Ob beim Fällen der Bäume in der Richard-Wagner-Straße alles mit rechten Dingen zugegangen ist, muss noch geklärt werden. © Foto: Giacinto Carlucci
Ebersbach / Ingrid Zeeb 06.10.2017
Gebaut werden darf auf einem Grundstück in Ebersbach noch nicht. Über ein halbes Dutzend Bäume wurden schon abgesägt – möglicherweise illegal.

Ein Investor will auf einem Grundstück in der Ebersbacher Richard-Wagner-Straße vier Mehrfamilienhäuser bauen. Der Gemeinderat lehnte das ab und will erst einen Bebauungsplan aufstellen lassen, in dem zum Beispiel auch untersucht werden soll, ob der alte Baumbestand schützenswert ist. Doch nun hat der Grundstückseigentümer Fakten geschaffen: Eine etwa 60 Jahre alte Kastanie und sechs oder sieben Apfelbäume wurden am Donnerstag gefällt.

„Die waren allesamt gesund“, sagt Nachbar Achim Grünenwald. Gestern Morgen nun wollte der Fälltrupp die drei letzten verbliebenen Bäume absägen, eine weitere große Kastanie und zwei alte Nussbäume. Doch ein Mann sei  in einem Fahrzeug mit der Aufschrift „Forstamt“ vorgefahren und habe dies verhindert, berichtet der Nachbar. Seine Frau hat es beobachtet.

Der Behördenvertreter kam aller Wahrscheinlichkeit nach vom Umweltschutzamt des Landkreises. Bestätigen ließ sich das gestern Nachmittag allerdings nicht, da die Pressestelle des Landrats­amtes nicht mehr besetzt war.

Bei der Ebersbacher Stadtverwaltung ist man völlig überrascht von der plötzlichen Baumfällaktion. „Wir sind ‚not amused’“, drückte Bauamtsleiter Markus Ludwig sein Missfallen aus. „Generell darf ein Grundstücksbesitzer vom 1. Oktober bis Ende Februar Bäume fällen, ohne dass er das uns als Stadt mitteilen muss,“ erklärt er die Rechtslage. Doch wenn es sich um so genannte Habitatbäume oder Obstbäume handele, müsse das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde schauen, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht werden muss. Er hatte gestern keine Kenntnis davon, dass das Amt eingeschritten sei.

Nachdem die Bauanfrage des Investors – seinen Namen darf die Stadt aus Datenschutzgründen nicht nennen – im Juli vom Gemeinderat abgelehnt worden war, will die Stadt erst einmal für das ganze Wohngebiet einen Bebauungsplan aufstellen. „Wir wollen dort ein anständiges Baurecht schaffen, auch in punkto Nachhaltigkeit“, sagt Ludwig. Bislang gilt dort nur ein alter Baulinienplan. Man sei dran, aber vor Dezember oder Januar schaffe man das nicht, so der Bauamtsleiter. Dann erst darf gebaut werden. Ob die Bäume rechtmäßig gefällt wurden, wird sich noch herausstellen.