Wenn in Heiningen Männer, die sich bis dato wildfremd waren, innerhalb von Sekunden ins Gespräch kommen und mit glänzenden Augen von Zeiten erzählen, in denen man mit einem 17er-Gabelschlüssel, einem Schraubenzieher und einer Kombizange noch ganze Autos auseinander nehmen konnte, ist garantiert Pfingstsonntag und Oldtimertreffen. „Heute braucht man die Motorhaube gar nicht mehr aufzumachen, da sieht man ja nichts mehr“, sind sich die Herren einig.

Gegen Mittag platzt der Voralbhallen-Parkplatz schier aus allen Nähten. Die Ordner haben alle Hände voll zu tun, den unzähligen „Fahrzeug-Schätzchen“ ein Plätzchen zuzuweisen. Die „Gucker“ und „Guckerinnen“ müssen aufpassen, dass sie sich nicht auf die Füße treten und die Wurst- und Bremsbackenbräter an der Grillstation kommen ins Schwitzen.

„Guck mal, so einen Unimog habe ich bei der Bundeswehr gefahren“, erzählt ein älterer Herr seiner Frau und zeigt den Ring an der Felge, über den das Fahrzeug bestiegen werden muss. „Da musste man immer aufpassen dass man sich nicht den Fuß bricht.“

Ulrich Kinkel freut sich über den Anblick eines Opel-Blitz. „So einen hatte mein Großvater bis in die 60er Jahre als Lieferwagen.“ Eigentlich ist er aber auf der Suche nach einem NSU-Prinz. „Es wäre toll, wenn einer hier wäre. Das war nämlich mein erstes Auto.“

Raritäten gibt es vom 96-jährigen Lanz-Traktor mit Slicks bis zum Isar12-BMW mit handgeschmiedeten Griffen zuhauf zu bewundern. Traktoren, LKW, Zweiräder und Automobile mit und ohne Dach – Fahrzeugbesitzer und Publikum sind ratzfatz im Gespräch, beim Fachsimpeln und Schwelgen in Erinnerungen an alte Zeiten. An erste Küsse, erste Urlaubsfahrten und erste Pannen.

Unterhaltung bietet zudem die „Boxengasse“, in der Mitorganisator Bernd Bräunle immer wieder Fahrzeuge vorstellt. Dabei sind interessante Geschichten zu erfahren. Zum Beispiel die des modifizierten, knallroten Fords, Baujahr 1939, der ein bisschen nach „D-Max lässt grüßen“ aussieht und auf 400 PS gepimpt wurde. „Er wurde in den 80ern in Schweden restauriert und umgebaut und ist ein weltweit bekanntes Auto“, erzählt der erst 27-jährige Besitzer.

Motorradrennfahrer erzählen

Viel zu erzählen haben auch die heimischen Motorradrennfahrer Erich Brandl und Jürgen Wolz, die 1969 Deutscher Meister und Deutscher Vizemeister beim 125-Kubikzentimeter Motorradstraßenrennen waren. Ständig von interessiertem Publikum umringt, kommen sie nicht mal dazu, sich ein Stück Kuchen zu holen.

Ein unkaputtbarer, unlackierter Ursus-Traktor der Rauchwolkenringe ausstößt wie eine Zigarre, ein Trabi auf dessen Anhänger sich eine „Schwalbe“ befindet, ein „Ach-isch-des-süß-Goggomobil – das sechste Heininger Old- und Youngtimer-Treffen ist Garant für Ausgefallenes. Kein Wunder also, dass der Zulauf jedes Jahr größer wird.