Industriegeschichte Ungewöhnliche Sammlung über Ventzki

Eislingen / Margit Haas 02.11.2018
Im Eislinger Stadtarchiv findet sich eine ungewöhnliche Sammlung über den früheren Landmaschinenhersteller Ventzki.

Vor fast einem Jahr eröffnete das „Zweigwerk 11“ in Eislingen und lädt seither zu besonderen Veranstaltungen ein. Das Gebäude war Teil der Landmaschinenfabrik Ventzki, die vor über 100 Jahren von Göppingen nach Eislingen gezogen war. Im Stadtarchiv Eislingen findet sich eine ungewöhnliche Sammlung von Dokumenten zu dem längst geschlossenen Unternehmen.

Ein ehemaliger Mitarbeiter hatte wohl bei seinem Ausscheiden eine Reihe von Dokumenten mit nach Hause genommen und sie dem Stadtarchiv übergeben. „Leider ist nicht vermerkt, wer dieser Mitarbeiter war“, bedauert Martin Mundorff. Seit weit mehr als zehn Jahren ist er für das Eislinger Stadtarchiv zuständig und freut sich über diesen Einblick in das Firmenleben im frühen 20. Jahrhundert. Einen guten Überblick gibt die reich bebilderte Firmenchronik, die anlässlich des 50. Betriebsjubiläums 1932 entstanden war. Auch eine Zeichnung des Eislinger Firmengeländes mit dem heutigen „Zweigwerk 11“ findet sich hier. Zu sehen ist ein „Karrenpflug P mit Gleitkopf“ von 1931 und ein „Wechsel-Brabanter-Pflug“ von 1932.

Auffällig ist beim Durchblättern die unglaubliche Modellvielfalt der Produkte der Landmaschinenfabrik. Produziert wurde für Traktoren, aber auch Maschinen für die Arbeit mit Pferd oder Ochse. Beim Durchblättern der Unterlagen findet Martin Mundorff auch das stramme Programm eines Betriebsausfluges, zu dem die Mitarbeiter im Juni 1937 nach München eingeladen worden waren. Bereits um sechs Uhr am Morgen waren sie in München eingetroffen und fuhren erst um halb zwei in der Nacht wieder ins Filstal zurück. „Das war ein 24-stündiger Ausflug“, ist sich der Diplom-Archivar sicher. Er hat auch die Kopie einer Zeitungsannonce von 1894 gefunden, in der das Unternehmen mit den Preisen wirbt, die seine Produkte gewonnen hatten. Erhalten hat sich auch eine Übersicht über die Lehrwerkstatt, die belegt, dass im Eislinger Werk „durchschnittlich 20 Lehrlinge pro Jahr ausgebildet worden waren“. Ventzki gehörte damit zu den größten Ausbildungsbetrieben im Landkreis.

Der Ingenieur August Ventzki hatte 1882 in Graudenz, damals westpreußisch, eine Fabrik für Pflüge gegründet und 15 Jahre später mit dem Bau von Dampfpflug-Lokomotiven begonnen. Weil es zahlreiche Kunden auch in Süddeutschland gab, übernahm er die Göppinger Eggenfabrik Straub & Cie. und baute sich ein weiteres Standbein in Württemberg auf. 1907 wurde er ins Göppinger Handelsregister eingetragen. Bald reichte freilich der Platz nicht mehr und das Unternehmen zog nach Groß-Eislingen um. August Ventzki starb 1922 in Danzig, sein Sohn Rudolf hatte zwischenzeitlich die Leitung des Eislinger Werkes übernommen. Nach 1945 ging das Werk in Westpreußen und auch eines in Pommern verloren. 1970 fusionierte Ventzki mit der amerikanischen Firma MTD. Jetzt wurden verstärkt Gartengeräte gebaut. Anfang der 80er-Jahre kam das Aus für die Landmaschinenfabrikation.

Einblicke in das Firmenleben

Aufsatz Martin Mundorff hat die industrielle Entwicklung Eislingens aufgearbeitet. Ein Aufsatz zur Entwicklung der Landmaschinenfabrik Ventzki findet sich in seiner Veröffentlichung „Eislingen und seine Fabriken“, die im Konrad-Verlag erschienen ist.

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