Donzdorf / KRISTINA BETZ  Uhr
Katastrophe mit Ansage: Einen Tag vor der Bluttat in einer Donzdorfer Metzgerei, bei dem eine junge Mutter vor den Augen ihrer Kinder von ihrem Ex-Freund erstochen wurde, saß dieser bereits in Gewahrsam.

Am Tag nach den tödlichen Messerstichen in Donzdorf liegen Blumen und Kerzen vor dem Tatort. Der Betrieb in der Metzgerei, in die sich eine 25-jährige Frau auf der Flucht vor ihrem gewaltbereiten Ex-Freund am Montagmorgen in Sicherheit bringen wollte, ging am Dienstag weiter. Auch wenn die Mitarbeiter der Metzgerei Holl nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können und wollen. Zwei Angestellte standen hinter der Theke, als sich im Kundenbereich die grausame Tat ereignete. „Eine Mitarbeiterin hat sich frei genommen, die andere arbeitet wieder und macht eigentlich einen gefassten Eindruck “, berichtet Jörg Holl, der Inhaber des Geschäfts. Mit den Kunden wird am Tag danach viel über das Geschehene gesprochen. „Es gab einen kleinen Tumult und Geschrei vor dem Geschäft. Kaum war die Frau hier drinnen, hat er auf sie eingestochen“, berichtet Holl von der Tat. Seine Mitarbeiterinnen seien völlig hilflos gewesen, „das alles ist so schnell gegangen, sie konnten nichts tun“, sagt Holl.

Über den mutmaßlichen Täter wird indes immer mehr bekannt. So ist der 37-Jährige, der im Raum Donzdorf wohnt, schon länger polizeibekannt gewesen. Erst am Sonntagnachmittag, am Tag vor dem Verbrechen, habe man ihn in Gewahrsam nehmen müssen, bestätigt Uwe Krause, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulm: „Es bestand seit längerem ein Annäherungsverbot. Dagegen hat der Tatverdächtige immer wieder verstoßen“. Wiederholt habe er seiner Ex-Lebensgefährtin SMS geschickt und sie angerufen. So auch am Sonntag. Das Opfer habe die Polizei darüber informiert, diese habe den Mann daraufhin in Donzdorf angetroffen. Dort durfte er sich zwar aufhalten, er war aber erheblich alkoholisiert. Zudem habe der Verdacht bestanden, dass der Mann erneut gegen die Auflage, seine Ex-Freundin in Ruhe zu lassen, verstoßen könnte. „Um 23 Uhr mussten wir ihn wieder freilassen, weil es keinen Grund mehr gab, ihn festzuhalten. Wir konnten ihn nicht dauerhaft einsperren“, sagt Krause.

Angreifer war alkoholisiert

Am Montagmorgen kam es dann zur Katastrophe: Der Mann erstach seine Ex-Freundin mit mehreren Messerstichen in der Metzgerei. Auch zu diesem Zeitpunkt sei er alkoholisiert gewesen, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm. Nach der Tat hatte sich der Mann in eine Garage in einem naheliegenden Wohngebiet geflüchtet, wo er von der Polizei entdeckt und festgenommen wurde. Da der 37-Jährige aufgrund seines Zustands nicht haftfähig war, brachte die Polizei ihn zunächst ins Göppinger Christophsbad. Am Dienstagmorgen wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Inzwischen sitzt der Mann wegen des Vorwurfs des Totschlags in Untersuchungshaft.

Die drei gemeinsamen Kinder des Opfers und des Ex-Freunds mussten den gewaltsamen Tod ihrer Mutter mitansehen. Jetzt sind sie bei einer Freundin der Getöteten untergebracht. Das sei derzeit die beste Lösung, erklärt Hans-Peter Gramlich, Sozialdezernent des Landkreises: „Die Kinder sind stark traumatisiert und wissen noch gar nicht recht, was passiert ist. Dass sie bei einer Bezugsperson unterkommen, ist jetzt wichtig“. Die drei Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren werden von einer Psychologin betreut. Diese Situation sei aber keine dauerhafte Lösung. Gramlich: „Das Familiengericht wird einen Vormund bestellen. Es gibt die Option, dass die Kinder zu Verwandten kommen.“