Cabaret Evi & das Tier spielen mit Anzüglichkeiten

Auf unterhaltsame Art präsentierte sich das Duo Miss Evi und das Tier in Eislingen.
Auf unterhaltsame Art präsentierte sich das Duo Miss Evi und das Tier in Eislingen. © Foto: Axel Raisch
Eislingen / AXEL RAISCH 14.03.2018

„Sex & Quatsch & Rock’ n Roll“ sind versprochen und der Abend beginnt mit Regelkunde. Passt das? Vermutlich schon, denn Evi (Niessner) möchte, dass sich das Publikum „gehen lässt“, und das ist manchmal richtig Arbeit und kein Spaß: „Seid ihr heiß?“ Anfangs ist die Betriebstemperatur noch nicht in der vom Burlesk-Duo gewünschten Höhe und verlangt der Animateuse alles ab. „Ihr habt die Frage nicht verstanden, ich will nicht wissen, ob es euch heiß ist!“ Das ändert sich mit der Zeit. Und das liegt auch daran, weil die beiden, Evi und ihr Partner in allen Lebenslagen: Mr. Leu „das Tier“, Vollgas geben auf und vor der Bühne, unabhängig von der Interaktion mit dem Publikum. Und weil die Musik stimmt.

Spiel mit der Zweideutigkeit

Dabei bleiben sie immer im Spiel mit der Zweideutigkeit, tänzelnd auf dem dünnen Seil zwischen Erotik und Obszönität. In entsprechendes Licht getaucht, und eine ganze Varieté-Garderobe auftragend. Meistens gelingt es, aber nicht immer. „Richtig romantisch wird es, wenn es französisch wird“, sagt Evi Niessner. Und dann kann sie doch nicht schweigen. Lebt ihr Programm nicht von Andeutungen? Kommt es nicht auf die Dosierung an? Statt einen oder mehrere Punkt zu setzen, packt sie noch einen Satz drauf und den Holzhammer aus: „Nicht, was ihr gedacht habt“. Was soll das Publikum schon gedacht haben? Dass jetzt wahrscheinlich ein Chanson kommt natürlich. Und so ist es dann auch. Schließlich ist „Evi“ eine begnadete Piaf-Doublette. Und so kommt sie mehrmals an dem Abend auf die Bühne.

Auch das Publikum beherrscht das Spiel aber. Als die äußerst wandlungsfähige Evi von ihren Haustieren erzählt, sagt sie, Hunde ähnelten ja im Allgemeinen ihren Besitzern und bittet um Vorschläge, was sie wohl hätten. Neben Pitbull und Yorkshire werden auch Möpse vorgeschlagen. Es ist ein Tigerdackel, der mit im Haushalt lebt, verrät die Frau im roten Kleid, das die Haustiere bändigt.

Weil das Publikum aber manchmal doch etwas verschlossen reagiert, muss es sich einiges anhören: „Erotik, ist euch bekannt?“, und dann eben auch ihre Geschichten. Evi erzählt von ihren Träumen, die sie morgens regelrecht schockten. Schließlich gehe es darin nicht nur um Kaninchen und Schmetterlinge: „Obwohl, Kaninchen....“. Vieles traue man sich nur im Traum. Beim Abendbrot aufstehen, gehen und einfach loslaufen, den geraden Weg und beim ersten, der lächle einzusteigen beispielsweise, „selbst, wenn es ein Audi ist“.

Vor dem inneren Ohr klingt schon die Sehnsucht von Udo Jürgens nach New York und Hawaii an. Doch es kommt Waltzing Matilda. Passt stilistisch auch besser ins Programm. Und Mr. Leu macht das auch tierisch gut. Überhaupt: die Auftritte des Pianisten, der groß und schlank das Gegenstück seiner Frau darstellt, sind umjubelt an diesem Abend. Zurecht: Er bietet nicht nur bestes Musikprogramm, sondern vollbringt während des Spiels wahrlich akrobatische Kunststücke und unterhält mit gelungenen Slapstickeinlagen.

Und ganz zum Abschluss der Zugaben gibt es nach viel Piaf noch ganz brav das Sandmännchenlied von der gelernten Opernsängerin mit schwäbischen Wurzeln. Ihre Mutter komme aus Nürtingen verriet die aus Hessen stammende Berlinerin.

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