Filstalbahn Filstal-Strecke: Erleichterung über Einlenken der Bahn

Verspätungen, Zugausfälle und technische Probleme im Regionalverkehr sollen von September an spürbar abnehmen  – auch auf der Filstalbahn.
Verspätungen, Zugausfälle und technische Probleme im Regionalverkehr sollen von September an spürbar abnehmen  – auch auf der Filstalbahn. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / JOA SCHMID 15.07.2017

Darauf hatten die vielen verärgerten Bahnfahrer im Landkreis schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt: Verspätungen, Zugausfälle und technische Probleme im Regionalverkehr sollen von September an spürbar abnehmen,  – auch auf der Filstalbahn. Außerdem sollen Jahreskarteninhaber entschädigt werden. Sie bekommen einen Monatsbeitrag erstattet. Eine zwischen dem Landesverkehrsministerium und der Bahn vereinbarte Qualitätsoffensive, die am Freitag in Stuttgart vorgestellt wurde, macht es möglich: mehr Personal, mehr Züge, mehr Waggons.

Damit reagieren das Land und der Staatskonzern auf die monatelangen Proteste der Bahnfahrer, die es leid sind, jeden Tag aufs Neue mit Zugausfällen, Verspätungen und spontanen Fahrplanänderungen zu kämpfen. Entsprechend groß ist die Erleichterung im Filstal, dass die Bahn doch noch eingelenkt hat.

Kritiker, wie der Göppinger SPD-Landtagsabgeordnete Peter Hofelich,  sind jedoch nicht gänzlich verstummt. „Es ist in den letzten Monaten immer deutlicher geworden, dass die Ausfälle, Verspätungen und Servicemängel auf der Filstalbahn und anderen Bahnstrecken ein gemeinsames Problem der Deutschen Bahn und des Verkehrsministeriums sind“, erklärt der SPD- Mann. „Deshalb war es allerhöchste Zeit, dass Minister Hermann ein Paket verabschiedet, statt wirkungslose Appelle in die Welt zu setzen“, ärgert sich Hofelich. Hermann habe die für eine Berufspendler-Region völlig inakzeptable Situation viel zu lange treiben lassen. Jetzt seien beide Seiten, Grün-Schwarz wie auch die Bahn, in der Pflicht, endlich einen ordentlichen Betrieb zu garantieren. Hofelich: „Eine weitere Chance gibt es aus Sicht der Betroffenen nicht mehr.“ Der Minister und seine Nahverkehrsgesellschaft müssten sich aber grundsätzlich fragen, „ob sie den Fahrplanwechsel nicht mit unrealistischen Vorgaben und einem für eine dichtbesiedelte Industrieachse unangemessenen Zentralisierungs-Konzept selbst mitvermasselt haben“. „Gute Kommunikation eines Fahrplanwechsels sieht jedenfalls anders aus“, erklärt Hofelich.

Ähnlich kritisch sieht es sein Fraktionskollege Sascha Binder. „Nach Monaten der Strapazen für die Fahrgäste auf der Filstalbahn setzt das Land und die Bahn das um, was wir schon vor Monaten gefordert haben.“ Den Druck auf Bahn und Land habe man seit Monaten immer weiter erhöhen müssen, um am Ende doch noch ein paar vernünftige Verbesserungen zu erreichen. „Bereits im Herbst forderten die Pendlerinnen und Pendler eine Entschädigung der Bahn. Bis jetzt wurden diese Forderungen ignoriert. Warum eigentlich nicht gleich so?“, fragt sich Binder.

Mit seiner Aktion „Abgefahren – aber wann?“ hatte der Geislinger Abgeordnete gemeinsam mit Pendlern mehrmals „die verheerende Lage auf der Filstalbahn“ beklagt. Binder: „Es ist vor allem der Unnachgiebigkeit der Fahrgäste auf der Filstalbahn zu verdanken, dass die Bahn und Land endlich handeln.“

 Zweifel hegt auch die Geislinger CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi: „Es ist natürlich gut, wenn so viele Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Probleme in den Griff zu bekommen, zum Schluss zählt aber das Ergebnis.“  Vor allem Pendler und Jahreskartenbesitzer brauchten schnelle Abhilfe, sagt die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. „Der Ärger dauert nun schon viel zu lange.“  Man könne nur hoffen, dass die angekündigten Schritte zu einer nicht nur kurzfristigen, sondern dauerhaften Verbesserung der Situation führe, betont Razavi. Die CDU-Frau: „Eine gute Nachricht ist, dass unser Protest Erfolg hatte und die Jahreskartenbesitzer  jetzt doch entschädigt werden.“

Das war eine der häufigsten Forderungen  bei einer Veranstaltung mit hochrangigen Vertretern von Bahn und Land am vergangenen Montag im Göppinger Landratsamt. Der Einladung von Razavi und ihrem Göppinger Landtagskollegen Alex Maier (Grüne) waren rund 100 Interessierte gefolgt, darunter Landrat Edgar Wolff, Oberbürgermeister, Bürgermeister, Gemeinde- und Kreisräte sowie jede Menge Pendler. Sie hatten der Bahn Chaos und  Versagen vorgeworfen.

 „Für die Entschädigung der Bahnkunden ist es höchste Zeit“, meint auch Alex Maier, der es als  positives Zeichen“ wertet, dass die Bahn jetzt reagiert. „Es wird Probleme wie Zugausfälle und überfüllte Züge etwas entspannen, aber Verspätungen, die durch den Fahrplan entstanden sind, bleiben ungelöst.“ Der Grüne  rechnet im September nur mit leichten Verbesserungen, große Neuerungen seien erst im Dezember mit dem Fahrplanwechsel zu erwarten.

Auch Sascha Binder bleibt skeptisch. Am Ende müsse  genau geprüft werden, ob es wirklich zu Verbesserungen kommt.  Binder kündigt für den Herbst eine Neuauflage seiner Meldeaktion an: „Abgefahren – aber wann?“ .

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