Hattenhofen Erkundung von Sauerwasser-Einzugsgebiet kann teuer werden

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JÜRGEN SCHÄFER 21.03.2014
Knifflige Frage für Hattenhofen: Soll man das Einzugsgebiet des Sauerbrunnens erkunden? Die Kosten können happig werden - ohne gesicherte Erkenntnisse, wo man nach Erdwärme bohren darf.

Zweierlei Nutzen verspricht sich Bürgermeister Jochen Reutter von Bohrungen, die das Einzugsgebiet des Sauerbrunnens erkunden sollen: Dass man das Einzugsgebiet vor Verunreinigungen schützen kann und außerhalb davon Erdwärmenutzung für Häuser möglich wird. Schon seit Jahren verfolgt die Gemeinde dieses Ziel - und sah sich auf bestem Weg. Aber dann haben sich die Dinge verknotet. Der Gutachter der Gemeinde konnte sich nicht mit den Behörden über Bohrpunkte einigen. Er hatte vier Grundwassermessstellen in einer Entfernung zwischen 50 und 170 Metern vom Sauerbrunnen vorgeschlagen.

Aber das Landesbergamt in Freiburg habe die Methode als unzureichend abgelehnt, berichtete Bürgermeister Reutter. Damit könne man nicht klären, ob östlich vom Dorf Sauerwasser zuströme. Man müsse in freier Landschaft und außerhalb möglicher Neubaugebiete messen. Was die Kosten im schlechtesten Fall auf 90.000 Euro hochtreiben könnte, wenn man tatsächlich vier Bohrpunkte mit einer maximalen Tiefe braucht. Im günstigsten Fall wären es 40.000 Euro, wenn drei Bohrpunkte ausreichen - doppelt soviel wie die ursprüngliche Schätzung.

Angesichts der Kosten zeigte sich der Schultes "gespalten". Andererseits: Die Gemeinde habe schon ordentlich in den Sauerbrunnen investiert, der sei eine tolle Sache. Er würde das gerne abschließen, so Reutter, und beim Einzugsgebiet wissen, "wo wir dran sind". Dann könne man auf die Grundstücksbesitzer zugehen und Schutzmaßnahmen treffen gegen Pflanzenschutzmittel. Ein solches ist vor Jahren im Wasser aufgetreten und wird mit Aktivkohle herausgefiltert. Man habe das im Griff, sagt Reutter. Er räumt ein, dass es zur Erdwärmenutzung in den letzten Jahren nur zwei Anfragen gab. Andererseits könnten auch Anfragen angesichts der aussichtslosen Situation ausgeblieben sein, merkt Hauptamtsleiter Norbert Baar an.

Auch der Gemeinderat ist gespalten - und mehrheitlich skeptisch. Für Jürgen Kehm sind weitere Erkundungen rausgeschmissenes Geld. "Das hat mit dem Sauerbrunnen direkt nichts zu tun." Man kenne ja das Einzugsgebiet vom Gutachter der Gemeinde, der mittlerweile im Ruhestand ist. "Der weiß, wos herkommt und ist als Geologe eine Koryphäe." Schützen könne man das Einzugsgebiet also jetzt schon. Und für die Erdwärmenutzung bringe die Erkundung nichts, weil sie für die Behörden nicht bindend sei. Kehm: "Ohne hundertprozentige Zielvorgabe kann rauskommen was will, wir dürfen trotzdem keine Geothermie machen." Das Landratsamt sei dagegen, die Behörden seien empfindlicher seit dem Fall Staufen, wo zig Millionen Häuserschaden mutmaßlich durch Geothermie-Bohrungen entstand.

Auch Ulrich Gößl wollte "die Reißleine ziehen". Man habe schon 75 000 Euro in den Sauerbrunnen investiert und habe sauberes Wasser - alles weitere sei ein Schrecken ohne Ende. Auch Steffen Berroth und Peter Oertmann-Brandt scheuten die ungewissen Erfolgsaussichten. Bianca Wolf-Hofmann empfahl, noch ein paar Jahre zuzuwarten, bis die Behörde vielleicht ihre Haltung ändere.

Wolfgang Liebrich will dagegen das Geld setzen. "Wir brauchen ein klares Statement gegenüber den Behörden." Dass das Landratsamt gegen Erdwärme sei, sei Spekulation. Jetzt will Reutter bei den Behörden und den Kostenschätzungen noch einmal nachhaken.