Viele Formalitäten sind zu erledigen, bevor der neue Dorfladen in der Boller Ortsmitte mit einem genossenschaftlichen Konzept seine Pforten wieder öffnen kann. Der Vorstand der Bad Boller Dorfladen- Genossenschaft möchte nach einer Infoveranstaltung, die für den 3. Oktober geplant ist, den neuen Laden bereits am 1. November neu eröffnen.

Den Weihnachtsverkauf mitnehmen

In den Reihen des Vorstandes blickt man zuversichtlich in die Zukunft. Die Genehmigungen seien eingeholt und an das Registergericht weitergereicht worden und man warte auf die endgültige Zusage Ende September. Auf jeden Fall möchte man den Weihnachtsverkauf mitnehmen, weil „die Leute in diesem Zeitraum ausgabefreudiger seien.“ Nachdem der Naturkostladen „Lindenblüte“ schließen wird und der Supermarkt Treff 3000 bereits geschlossen ist, sieht man die Nahversorgung in Bad Boll gefährdet. „Insgesamt besteht ein Interesse aller Einzelhändler am Ort, diesen Treffpunkt weiter zu führen“, weiß Karin Stolz, Vorsitzende des Gewerbe- und Handelsverein zu berichten, weil Schließungen immer zu Sogwirkungen führten und alle beeinträchtigten. Über ein neues Konzept und mit der genossenschaftlichen Idee möchte man einem Abwandern der Kundschaft entgegenwirken.

101 000 Euro Startkapital sind beisammen

Tatsächlich ist man offenbar auf dem richtigen Weg. Waren es zuletzt 186 Mitglieder, die an der genossenschaftlichen Idee Gefallen fanden, sind es inzwischen (Stand Freitag)  466 Mitglieder, die das Startkapital auf inzwischen 101 800 Euro erhöhten. Zur Gründung wären 100 000 Euro Eigenkapital nötig gewesen.

„Wir wollen, dass sich die Boller mit ihrem Laden identifizieren“, sagt Bürgermeister Hans-Rudi Bührle. Damit sich der neue Laden etablieren kann, gewährleistet die Gemeinde für 36 Monate die Mietfinanzierung. Die bisherige Ladenfläche von 450 Quadratmetern am alten Standpunkt in der Ortsmitte wird übernommen. Das Sortiment werde sich zusammensetzten aus Bio- und Naturkost, so wie man es bisher aus der „Lindenblüte“ gewöhnt war, sowie regionalen, saisonalen und konventionellen Produkten. Wobei 50 Quadratmeter auf eine Bäckereifiliale mit Stehkaffee entfallen sollen, da auch die Bäckerei Glaser aus persönlichen Gründen demnächst ihren Laden schließt.

Sozialer Treffpunkt bleibt erhalten

„Wir wollen auch einen sozialen Treffpunkt aufrecht erhalten“, betont der Bürgermeister, „das ist ganz wichtig für einen kleineren Ort wie Bad Boll“. Deshalb überlege man schon den zweiten Schritt. Vielleicht ließe sich parallel zum wirtschaftlichen Aspekt die Gründung eines gemeinnützigen Vereins daran angliedern? Dadurch wäre man in der Lage, Spenden anzunehmen und könne ergänzend Events in den Räumlichkeiten anbieten. „Man muss über den Tellerrand hinaus schauen.“ Man könne die Leute über Vorträge und Ausstellungen zusätzlich erreichen. Auch könne man aufklären, zum Beispiel über Lebensmittelverschwendung oder über Ernährung im Allgemeinen, kann Bührle sich vorstellen. Man denke an ein Gesamtsortiment von rund 8000 Artikeln, was sicherlich in Anbetracht der Fläche nicht zu viel sei und den Verbraucher nicht überfordere. Denn was mache es für einen Sinn die Auswahl zwischen zehn verschiedenen Klopapiersorten zu haben? Schließlich lasse sich mit einem gestrafftem Sortiment auch eine Zeitersparnis beim Einkaufen erzielen.

Auch Firmen sollen den Laden nutzen

„Wir hören genau hin, was die Bedürfnisse unserer Kunden sind. Nicht Gutachten oder Statistiken entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, sondern ausschlaggebend ist das genaue Gespür, das jeder Einzelhändler entwickelt hat, um am Markt zu bestehen“, meint Karin Stolz. Wünschenswert sei, dass auch größere Firmen ihren Einkauf wenigstens teilweise über den Laden abdeckten. Letztendlich stehe der soziale Gedanke im Vordergrund, und eine Genossenschaft transportiere den sozialen Gedanken per se. Schließlich arbeite der gesamte Vorstand ehrenamtlich, ganz zu Schweigen von den vielen ehrenamtlichen Helfern, die sich inzwischen angeboten haben bei dem Projekt mitzuhelfen. „Wir haben es hier mit einem Ehrenamt von besonderer Qualität zu tun“, darüber ist man sich seitens der Gemeinde und des Vorstandes einig und freut sich über den hohen Zuspruch.