Vor ein paar Tagen, da witzelte noch so mancher, was denn die Einbrecher nun machen, wenn die Menschen in Zeiten von Corona ständig zu Hause sind. Nun, offenbar kann Covid-19 den Kriminellen nichts anhaben, die haben inzwischen die Coronavirus-Krise als neue Einnahme-Quelle entdeckt, gleich eine ganze Reihe an Betrugsmaschen hat die Polizei in jüngster Zeit festgestellt.

Stellt sich dabei die Frage:

Was ruft diese Betrüger auf den Plan? Ist es die Angst der Menschen, die in Krisenzeiten jegliche Vorsicht über Bord werfen? „Tatsächlich kann Angst dazu beitragen, dass Menschen eher falsch, vielleicht nachlässiger oder unreflektiert handeln. Das wissen die Betrüger und nutzen das aus“, erklärt Wolfgang Jürgens, Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm. Allerdings haben die Betrüger – Vorsicht hin, Vorsicht her – die Gabe, andere einzulullen. Die Betrüger „sind meist geschult in Gesprächsführung“, erläutert Jürgens, „deshalb rät die Polizei stets davon ab, sich in ein Gespräch verwickeln zu lassen. Wir sagen: Legen Sie sofort auf.

Die Tricks werden modifiziert

Vielen bekannt vorkommen dürfte die Corona-Version des Enkeltricks: Da gibt sich der Anrufer als Verwandter aus, der an Covid-19 erkrankt ist und dringend Geld braucht, das jemand für ihn abholt. Manche Betrüger münzen den Enkeltrick dahingehend um, dass der Angerufene das Geld für einen vermeintlich in Not geratenen Verwandten einfach vor die Haus- oder Wohnungstüre legen soll, um sich keiner Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus bei der Übergabe auszusetzen.

Eine andere Masche: Da klingeln an der Haustüre angebliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die „in die Wohnung wollen, um Tests durchzuführen oder zu desinfizieren“. Tatsächlich nutzen die Kriminellen aber die Gelegenheit, um die Wohnung nach Bargeld, Schmuck oder anderen Wertsachen zu durchsuchen und zu stehlen. Eine andere Variante davon: Die Betrüger kündigen sich als Ärzte oder Mitarbeiter des Gesundheitsamtes zu einem Termin an, der kostenpflichtig ist, beispielsweise ein Abstrich für einen Corona-Test – und kassieren an Ort und Stelle ab.

Rat der Polizei: Immer skeptisch sein

Wie sich schützen? „Wichtig ist ein gesundes Misstrauen und sich zu informieren“, betont Jürgens. Man bekomme keine Hausbesuche von Medizinern oder Behördenmitarbeitern, die Corona-Tests vornehmen oder die Wohnung desinfizieren. Wer telefonisch zu kostenpflichtigen Tests aufgefordert werde, der solle sofort wieder auflegen und sich direkt an den Hausarzt oder das Gesundheitsamt wenden und fragen, ob für ihn oder sie ein Test angeordnet wurde.

Zudem sollte man grundsätzlich vorsichtig sein, wenn die Klingel an der Haus- und Wohnungstüre schrillt. Das bedeutet, sich vor dem Öffnen die Besucher durch Türspion oder Fenster anzuschauen und die Tür nur bei vorgelegtem Sperrriegel zu öffnen.  Bei Unbekannten darf man sich nicht scheuen, diese auf einen anderen Termin zu bestellen und sich eine Vertrauensperson dazuzuholen.  Bei alldem gilt, sich keinesfalls durch Drohungen verunsichern zu lassen oder Geld herauszugeben, sich statt dessen energisch zur Wehr setzen, dabei auch um Hilfe schreien oder aber gleich die Polizei unter 110 anrufen – überhaupt sollte man solche Fälle grundsätzlich melden, betont Jürgens.

Corona beflügelt auch die Cyber-Kriminellen

Ein weites Feld für Betrüger ist das Internet. Dabei warnt die Polizei aktuell vor Fake-Shops, also gefälschten Online-Shops. Die Betrüger machen sich gezielt die Angst der Menschen vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zunutze und „bieten darauf Atemschutzmasken und andere Medizinprodukte im Namen eines deutschen Unternehmens an“, erklärt Jürgens, der deshalb rät: „Nicht täuschen lassen und mögliche bezahlte Bestellungen rückgängig machen.“ Wer überhaupt etwas erhält, bekommt meist minderwertige oder gefälschte Ware.

Der Polizeisprecher nennt dabei den Fall, den unlängst das niedersächsische Landeskriminalamt publik gemacht hat. Da missbrauchen die Betrüger in einer Spam-Mail den Namen eines tatsächlichen existierenden Unternehmens und bieten Atemschutzmasken an. In der Mail ist ein Link, der zum Fake-Shop führt.

„Jeden Tag gibt es Betrüger mit neuen Maschen“, warnt Jürgens abschließend, „die Polizei rät darum zu gesunder Skepsis.“ Ständig aktualisierte Informationen zur Betrugsprävention gibt es online: www.polizei-beratung.de