Salach Energiekick für die Falken in Dubai

Salach / SUSANN SCHÖNFELDER 12.06.2013
Bei Hochspannungsnetzgeräten ist die Salacher Firma Guth schon lange gut im Geschäft. Nun hoffen die Tüftler auf den Durchbruch im Medizinsektor - mit hochenergetischer Impulstherapie für Mensch und Tier.

Die Scheichs in Dubai waren verblüfft: Ein deutscher Falkenzüchter und -händler behandelte auf der größten arabischen Medizinmesse die Greifvögel mit kurzen Energiestößen und verhalf ihnen nicht nur zu frühzeitiger Geschlechtsreife, sondern heilte auch Schimmelpilzerkrankungen und Ballenentzündungen oder sorgte schlichtweg dafür, dass die gefiederten Lieblinge der Scheichs gesund bleiben. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist der Falke nicht nur ein Vogel: Er ist Statussymbol und Wappentier, darf im Wohnzimmer der Familie hocken und bekommt Leckereien zum Fressen. Die Falknerei ist Beduinentradition und arabische Kultur. Geld spielt keine Rolle, wenn es um diesen Vogel geht - "20.000 bis 200.000 Euro kann er schon kosten", sagt Dr. Hartmut Simon, Geschäftsführer der Salacher Firma Guth.

Simon ist der Chef der Ideenschmiede an der Fils, wo Geräte für die hochenergetische Impulstherapie entwickelt und hergestellt werden, die nicht nur Falken in Dubai zu mehr Vitalität und Gesundheit verhelfen sollen. Nachdem die Medizintechnik bisher eher "ein Steckenpferd" des 60-jährigen Maschinenbauingenieurs war, will Simon nun in der Human- und Veterinärmedizin richtig durchstarten und ist überzeugt: "Wir schaffen den Durchbruch." In den Räumen des Unternehmens stehen Apparate, die in der Schmerztherapie beim Menschen eingesetzt werden - egal ob es sich um Knochenbrüche, Arthrose oder einen Muskelfaserriss handelt. "Es geht um die Regeneration und Rehabilitation der Körperzellen", erklärt Marc Frederic Simon, Sohn des Chefs und Assistent der Geschäftsführung. Durch den hochenergetischen Impuls werde der Stoffwechsel in den betroffenen Zellen angeregt und die Heilung beschleunigt. Ex-Frisch-Auf-Spieler Pavel Horak habe diese Methode zu schätzen gewusst, plaudert Hartmut Simon aus dem Nähkästchen.

Doch auch Krebspatienten würden mit Geräten aus Salach behandelt: Bei dem elektromedizinischen Verfahren werden Tumorzellen mittels Gleichstrom abgetötet. Hartmut Simon kennt eine Frau, die ihren Brustkrebs auf diese Weise besiegt hat - ohne Operation und Strahlentherapie. Auf medizinisches Know-how kann das Unternehmen bei der Entwicklung solcher Apparate natürlich nicht verzichten: "Wir arbeiten eng mit Referenzärzten zusammen und sind auf ein konkretes Feedback angewiesen", sagt Marc Simon beim Rundgang durch die Hallen. Und auch mit Universitäten stehe Guth in engem Austausch: "Die machen Versuche mit Kleinstlebewesen, um die Wirkung auf Zellen zu testen."

Bevor ein Gerät serienreif und für den Markt zugelassen ist, können Jahre vergehen. Ist die hochenergetische Behandlung sicher? Gibt es Risiken? "Es gibt nicht eine Negativ-Indikation. Da kann nichts passieren", unterstreicht Marc Simon. "Außer vielleicht, dass die Kreditkarte decodiert wird." Sein Vater nickt: "Die Erfolgsquoten sind unglaublich hoch. Wir versuchen nun, dass Verfahren hoffähig zu machen." In der Therapie von Pferden habe Guth sich bereits einen Namen gemacht: Unter anderem schwöre ein Tierarzt auf das Gerät "Theracell" und habe damit schon Pferde von Olympiareitern behandelt, um sie auf Trab zu bringen. "Und der Badhof in Bad Boll testet gerade unsere Geräte", sagt Hartmut Simon.

Die Tüftlerwerkstatt an der Fils beliefert Kunden weltweit. Medizintechnik made in Salach steht in Australien und Singapur, regelmäßig flattern Aufträge aus den USA und China ins Haus. Das Hauptgeschäft bildet nach wie vor die Herstellung von Hochspannungsnetzgeräten für die Industrie. "Da sind wir in allen Bereichen zu Hause", sagt der 26-jährige Marc Simon, der irgendwann die Firma übernehmen will. Hochspannungspulsgeneratoren kämen in der Lebensmitteltechnik zum Einsatz, aber auch in der Bauwirtschaft, im Bergbau und in der Geologie. Auch in der Automobilindustrie hat das Unternehmen Kunden, hinzu kämen zahlreiche Forschungsinstitute.

Die Firma Guth, die mit Hochspannungstechnik und Medizinprodukten im vergangenen Jahr rund vier Millionen Euro Umsatz erzielt hat, wächst und wächst. Doch eine Erweiterung gestaltet sich am jetzigen Standort schwierig, da das Gebäude auf der Baulinie sitze. "Ich schaue mich bereits anderweitig um", sagt der Geschäftsführer. Den Sprung ins Ausland planen die Simons aber nicht - selbst nicht nach Dubai, wo sie die Scheichs mit gesunden Falken glücklich machen.

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