Dem Lob für das neue Nahverkehrskonzept, das am 1. Januar an den Start geht, und die zusätzlichen Verbindungen, die es mit sich bringt, können sich viele Eltern von Schülern der Uhinger Haldenberg-Realschule nicht anschließen. „Unserer Schule entsteht durch diesen neuen Busfahrplan ein erheblicher Nachteil“, kritisiert die Elternbeiratsvorsitzende Jeannette Auwärter das neue Konzept „Bus 19+“. Viele Eltern überlegen sich nach ihrer Aussage sogar ernsthaft, künftig Fahrgemeinschaften für ihre Kinder zu bilden und auf den Schulbus ganz zu verzichten.

Von den 553 Schülerinnen und Schülern, die die Haldenberg-Realschule besuchen, nutzen 269 den Schulbus aus dem Umland, hat die in Hattenhofen wohnende Elternbeiratsvorsitzende herausgefunden. Sie müssen ihr zufolge nach den Weihnachtsferien mit folgenden Nachteilen rechnen: „Busverbindungen zu Stoßzeiten (circa 12 Uhr) wurden gestrichen, obwohl die Busse bereits jetzt überfüllt sind. Bei Schulschluss um 12 Uhr sind Verbindungen um 12.07 Uhr am Bahnhof Uhingen nicht erreichbar. Der nächste Bus fährt dann eine Stunde später.“ Besonders sei dabei zu berücksichtigen, dass die Kinder vom Haldenberg bis zum Bahnhof Uhingen mehrere Nebenstraßen überwinden müssen. Jeannette Auwärter sieht hier ein erhöhtes Unfallrisiko aufgrund von Hektik und Unaufmerksamkeit. Ihr Fazit: „Das ist unverantwortlich.“

Immerhin ein Punkt konnte entschärft werden: „Nach Ende der Mittagschule um 15.15 Uhr hätten Wartezeiten für eine Heimfahrt mit dem Bus von bis zu 52 Minuten in Kauf genommen werden müssen.“ Hier zeigte der Landkreis offenbar Entgegenkommen: Der Bus am Nachmittag fährt jetzt gut 20 Minuten früher, sodass Schüler, die um 15.15 Uhr Schulschluss haben, um 15.45 Uhr nach Hause fahren können. Doch anschließend müssen die Schüler, zum Beispiel mit Ziel Hattenhofen, in Hattenhofen-Graubachtal umsteigen, das seien dann weitere zehn Minuten Wartezeit, um dann den „oberen“ Ortsteil mit dem Bus in etwa zwei bis drei Minuten zu erreichen.

Die Stadt Uhingen hatte im Feb­ruar deutliche Kritik am damaligen Entwurf des Fahrplankonzeptes geübt. Neben den auswärtigen Schülern habe auch der Stadtteil Sparwiesen unter „erheblichen Verschlechterungen zu leiden“, hieß es in einer Stellungnahme, hinter die sich damals alle vier Fraktionen des Gemeinderats stellten. Nicht nur, dass die Busse für die Uhinger Schulschlusszeiten zu früh fahren, auch die Anbindung zwischen Bus und Schiene funktioniere in Uhingen nicht, kritisierten die Stadträte damals.

Auch die Elternschaft und der Rektor der Haldenberg-Realschule, Walter Albrecht, hatten sich an den Landkreis gewandt mit der Bitte um Nachbesserungen. Nachdem der neue Fahrplan jetzt feststeht, zieht Jeannette Auwärter ein bitteres Fazit: „Uns Eltern erscheint es so, als ob alle Bemühungen und Recherchen umsonst waren, da man keinerlei Einwände berücksichtigt oder eine Abmilderung geschaffen hat.“  Mit Ausnahme des Nachmittagsbusses, der nach den Elternprotesten vorverlegt wurde.

Eltern aus den Umlandgemeinden würden es sich wohl künftig überlegen, ob sie ihre Kinder nach Uhingen in die Schule schicken würden, vermutet sie. Das sei sehr schade, denn die Schule habe einen guten Ruf, vor allem der bilinguale Zug sei für Eltern aus dem Voralb-Gebiet ein Argument. Sie hat gehört, dass es auch aus Albershausen  Kritik gebe. Fünftklässler aus Zell müssten zweimal umsteigen, um zur Gemeinschaftsschule in Albershausen zu kommen, wurde ihr gesagt.

Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke wehrt sich indessen gegen den Vorwurf, seine Behörde habe nicht reagiert. Vielmehr sei die Kritik aus dem Uhinger Gemeinderat sehr wohl in den aktuellen Fahrplan eingeflossen: „Wir haben bei der Anbindung von Sparwiesen korrigiert. Sparwiesen ist jetzt über einen Stundentakt mit der Stadt Uhingen verbunden.“ Auch dass Uhingen künftig nicht mehr so gut an das Voralbgebiet angebunden sei, weist er vehement zurück: „Wir haben einen Stundentakt zwischen Uhingen und dem Voralbgebiet, der ist verknüpft über Schlierbach. Uhingen ist künftig viel besser angebunden als bisher.“

Was die Situation an der Haldenberg-Realschule angeht, da passten Fahrplan und Schulstunden in der Tat nicht immer zusammen, gesteht der Verkehrsplaner zu. Es werde ein Gespräch mit der Schulleitung geben, ein Termin stehe noch nicht fest. Man könne noch etwas an den Stellschrauben drehen, aber: „Die Schule müsste sich etwas bewegen, was die Schulzeiten betrifft. Da geht es nur um wenige Minuten.“ Es ist also offenbar noch nicht das letzte Wort gesprochen beim neuen Fahrplan. Eine Hoffnung kann Wienecke den Eltern aber nicht machen: „Wir reden hier nicht über zusätzliche Busverbindungen.“ Jeannette Auwärter findet: „Das neue Fahrplankonzept mag ein Gewinn für den Kreis Göppingen insgesamt sein. Wir hier sind aber die Verlierer.“