Salach Eltern und Kindern Zeit lassen

Der Vortrag des Erlanger Professors Ralph Dawirs war ein Plädoyer für die uneingeschränkte Liebe der Eltern zu ihrem Kind. Foto: Miriam Hüttl
Der Vortrag des Erlanger Professors Ralph Dawirs war ein Plädoyer für die uneingeschränkte Liebe der Eltern zu ihrem Kind. Foto: Miriam Hüttl
Salach / MIRIAM HÜTTL 29.05.2012
Im Salacher Pater-Anselm-Schott-Saal haben zwei Referenten ihre Sicht zum Thema Kinderkrippen für Kleinkinder dargestellt. Fazit: Der Staat solle nicht nur Kindertagesstätten subventionieren.

Von 2013 an garantiert der Staat einen Krippenplatz für Einjährige. Für Eltern, die daheim erziehen, wird politisch um ein Betreuungsgeld gestritten. Die Katholische Kirche hat dazu eine ganz klare Ansicht: "Rettet wenigstens die ersten drei Jahre" wo immer es möglich ist, wenn Mütter für das Kind da sein können. Im Salacher Pater-Anselm-Schott-Saal wurden jetzt mit dem Entwicklungs- und Gehirnexperten Ralph Dawirs und der Vorsitzenden des Familiennetzwerks e. V., Maria Steuer, zwei Referenten aufgeboten, die aus ihrer Sicht versuchten, diese Forderung wissenschaftlich und politisch zu untermauern.

Der fast zweistündige Vortrag des Erlanger Professors war ein Plädoyer für die uneingeschränkte Liebe der Eltern zu ihrem Kind: Er beschreibt die Entwicklung des Kindes von der Schwangerschaft bis zur Jugendzeit und belegt auch anhand der biologischen Entwicklung des Gehirns, dass Elternliebe belohnt wird durch wachsendes Urvertrauen gegenüber der Mutter und dem Vater. Und er zeigt auf, wodurch diese glückliche Kindheit konkret bedroht wird: "Durch Tigermütter im Förderwahn, Disziplinapostel, Pillenfabrikanten, nukleare Verseuchung, Zeiträuber und Kinderarmut." Die Bindung an die Eltern werde jedoch "brutal gestört", wenn bereits Einjährige in der Krippe mit neuen - "oder gar schlimmer" - öfter wechselnden Bezugspersonen konfrontiert werden.

Er entkräftete auch das Argument, dass relativ früh mit dem gemeinsamen Spielen in Gruppen die Sozialkompetenz gefördert werde: "Kinder unter zwei Jahren bilden keine sozialen Gruppen, dazu sind sie noch nicht in der Lage. Babys brauchen keine anderen Babys, sondern ihre Eltern."

Noch deutlicher wurde die Hamburger Kinderärztin Maria Steuer, eine "Lobbyistin für Kleinkinder und für Erwachsene, die Familie als die Keimzelle unserer Gesellschaft verstehen". Sie ruft zur Bekämpfung der Familienarmut auf. Der Zwang zur Doppelerwerbstätigkeit der Eltern sei massiv zu verringern. Sie appellierte an Gesellschaft und Politik, Eltern im entscheidenden primären Bindungsprozess der ersten drei Jahre zu unterstützen. Dabei sei "der Staat aufgefordert, Eltern und Kindern genügend Zeit zu belassen oder zum Beispiel ein Betreuungsgeld zur Verfügung zu stellen". Wenn der Staat nur die Kita subventioniere, sei die Wahlfreiheit der Familien eingeschränkt. Eine angeregte und auch kritische Diskussion beschloss den Themenabend.

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