Kunst Eislinger Kunstverein: Austausch über Bilder

„Mein Garten“ heißt dieses Bild von Harry Meyer, der mit dem Südkoreaner Jong-Taek Woo in Eislingen ausstellt.
„Mein Garten“ heißt dieses Bild von Harry Meyer, der mit dem Südkoreaner Jong-Taek Woo in Eislingen ausstellt. © Foto: Hans Steinherr
Eislingen / Hans Steinherr 09.05.2018

„Ost West – ein Dialog“ heißt die aktuelle Ausstellung des Kunstvereins Eislingen. Wo wie hier Bilder ein lautloses Zwiegespräch führen, ist Zuhören und Sehen gefragt. Schwarzweiß-Malerei trifft auf turbulent Kunterbuntes, Ost auf West.

Die Ausstellung unter dem Titel „Ost West – ein Dialog“ ist nicht auf eine politische, sondern eine geografische Gegenüberstellung ausgerichtet, auf die Begegnung zweier Maler: Jong-Taek Woo aus Seoul und Harry Meyer aus Augsburg und seiner Kunst in Öl. Was politisch unmöglich ist, gelingt in der Kunst: im Ausdruck wort- und sprachlos zu bleiben und doch Konsens statt Konfrontation zu erzielen. Nach einem ersten und äußerlich widersprüchlichen Anschein wird beim zweiten Anblick dann doch innerlicher Gleichklang erkennbar. Dann, wenn wie verwurzelt auftauchende, gedankliche Stränge sich als geistiger Bilduntergrund deuten lassen und gegen die Dominanz der Farbe behaupten können, bilden Oberfläche und Inhalt, Farbe und Form eine Einheit. Bei Ost wie bei West, bei Jong-Taek Woo wie bei Harry Meyer. Dann wird ihre parallel verlaufende Wesensgleichheit ersichtlich. Der eine - Jong-Taek Woo – reduziert, malt kontrastreich in Schwarz und Weiß und setzt sich dabei mit der Frage nach dem globalen Woher und Wohin auseinander. Meditativ sind seine Bilder, auf Hanji, dem handgeschöpften koreanischen Papier aus der Rinde von Maulbeerbäumen gemalt. Mehr noch gewischt, gebürstet mit selbstgefertigten Pinseln, Bürsten, Besen und Farben, in einem einzigartigen Kraftakt.

Wie in Trance bearbeitet Jong-Taek Woo auf dem Boden liegende übergroße Papierflächen, sucht, findet und bändigt Energie auf harmonische Weise, und bindet sie optisch in kalligrafisch anmutende Formen und wurzelartigen Gebilden ein. Vereint Schriftbild mit Bildschrift.

Der andere – Harry Meyer – treibt’s bunt, trägt dick auf (mit Farbe) und bleibt dennoch zurückhaltend und keineswegs plump aufdrängend. Der Augsburger klotzt mit zentimeterdicker Farbe. Malt, mehr noch modelliert seine Bilder mit Ölfarbe. Seine Ideen entnimmt er – wie auch Woo – der Natur. Sein tragendes Thema ist die Landschaft. Mit seinem geistigen Auge durchleuchtet, durchforscht er die Struktur der Landschaft und malt dann im Atelier. Den Vorgang des Malens mag man bei Harry Meyer mit einem Röntgenbild vergleichen. Durchdringend zwar, aber emotional statt nüchtern rational. Kraftvoll pulsierend und dreidimensional statt lediglich um eine Diagnose bemüht.

Meyer und Woo gelingt es, Schönheit und Realität voneinander abzugrenzen, neu zu interpretieren und wieder miteinander in Einklang zu bringen. In Worten verständigen können sich die beiden Künstler nicht. Der eine spricht kein Koreanisch, der andere ausschließlich. Verständigung und ein gedanklicher Austausch erfolgt über ihre Bilder. Lautlos und deutlich sichtbar.

Hans Steinherr

Info Ausstellung in der Alten Post, Bahnhofstr. 12, in Eislingen. Öffnungszeiten: Di. bis Sa. 16-18 Uhr, So. und Feiertag 14-18 Uhr (bis 13. Mai)