Friedhof Eislingen schließt Friedhöfe nachts ab

Die Tore der Eislinger Friedhöfe bleiben nachts geschlossen.
Die Tore der Eislinger Friedhöfe bleiben nachts geschlossen.
Eislingen/Kreis Göppingen / KARIN TUTAS 04.08.2016
Pokémonjagd, Vandalismus und Diebstahl: Die Stadt Eislingen greift durch und schließt ihre Friedhöfe ab sofort nachts ab. <i>Mit Kommentar.</i>

„Das Thema schwelt schon seit Jahren“, sagt Heike Rapp von der Pressestelle der Stadt Eislingen. Seit langem gibt es Klagen über Vandalismus und Diebstahl auf den beiden Friedhöfen der Stadt. Die ungebetenen Besucher kommen vor allem nachts und lassen rohe Kräfte walten. Sie beschädigen Grabsteine, jüngst sei eine ganze Grabstele umgetreten worden, teilt die Stadtverwaltung mit.

Langfinger begnügten sich inzwischen nicht mehr damit, sich am Blumenschmuck der Gräber zu bedienen. Auch Bronzekreuze lassen sich offenbar zu Geld machen, zählten sie doch immer häufiger zur Beute der Diebe. Sogar ein Madonnenkreuz sei schon gestohlen worden, berichtet die Stadtverwaltung.

Weil das Problem überhand genommen habe, greift die Stadt  durch. Ab sofort sind die Friedhöfe nachts geschlossen. Besucher können im Sommer zwischen 7.30 und 21 Uhr und während der Wintermonate bis 20 Uhr die Gräber ihrer Angehörigen besuchen. Die Stadtverwaltung folgte mit der nächtlichen Schließung einem Antrag der CDU-Fraktion im Gemeinderat, der auch von den anderen Fraktionen positiv gesehen worden sei, erklärt Baubürgermeister Jürgen Gröger. „Wir hoffen, damit das Problem in den Griff zu bekommen“, so Gröger weiter. Zumindest wolle man Dieben und Vandalen „das Handwerk erschweren“.

Pokémons auf dem Friedhof fangen

Nicht nur Vandalen und Diebe bereiten Probleme. Zunehmend macht sich auch die Pokémania auf den Friedhöfen breit. Anhänger des Smartphone-Spieles „Pokémon go“, die auf Jagd nach den an realen Plätzen platzierten virtuellen Monstern sind, sorgen ebenfalls für Unmut. Bei der St.-Anna-Kapelle sei wohl ein sogenannter Pokestop, wo die Spieler unter anderem Bälle finden, mit denen sie Pokémons fangen können. Auch dieser Trend habe auf den Friedhöfen nichts verloren. Man wolle „die Würde des Ortes, wie sie in der Friedhofssatzung der Stadt Eislingen festgeschrieben wurde, bewahren“, teilt die Stadtverwaltung weiter mit.

Die Pokémon-Hype wird auch in Göppingen beobachtet. „Seit einigen Wochen halten sich viel mehr Jugendliche auf dem Friedhof auf als früher“, berichtet Friedhofsverwalter Aaron Swoboda auf Nachfrage. Jedoch habe es bislang keine Klagen über Störungen gegeben, weshalb man die Spieler gewähren lasse. Offiziell dürfe der Friedhof ohnehin nur tagsüber betreten werden, sagt Swoboda. Vandalismus sei zurzeit kein Problem, weshalb die Ruhestätten auch nachts nicht abgeschlossen würden. Nicht abgeschlossen werden nachts auch die Friedhöfe in Ebersbach und Süßen. In Uhingen sind dagegen die Tore seit langem in den Nachtstunden geschlossen.

Hinweise an Stadt

Öffnungszeiten Die Eislinger Friedhöfe sind von April bis Oktober täglich von 7.30 bis 21 Uhr geöffnet. Während der Wintermonate schließen die Friedhöfe um 20 Uhr.
Vandalismus Grund für die nächtliche Schließung der Ruhestätten sind zunehmend Sachbeschädigungen und Diebstähle. Die Stadtverwaltung nimmt Hinweise entgegen unter der Telefonnummer (07161) 804-325.

Ein Kommentar von Karin Tutas: Kein Respekt vor Trauer

Es ist ein Albtraum für alle Hinterbliebenen: Die Grabbepflanzung ist herausgerissen, das liebevoll ausgesuchte Gesteck gestohlen oder der mit Bedacht ausgesuchte Grabstein zerstört. Die Zeitgenossen, die mit brachialer Gewalt auf Friedhöfen wüten oder sich auf Kosten der Angehörigen der Verstorbenen bereichern, richten weit mehr als materiellen Schaden an. Viel schwerer noch wiegt die Verletzung der Gefühle der Hinterbliebenden, die am Grab um ihre Verstorbenen trauern wollen. Vandalismus und Diebstähle haben auf den Eislinger Friedhöfen überhand genommen. Das Thema schwelt seit langem, sagt die Stadtverwaltung und hat jetzt die Reißleine gezogen. Die Friedhofstore sind nachts ab sofort geschlossen und damit ist hoffentlich Ruhe. Die Maßnahme ist sicher im Sinne aller Bürger, die den Friedhof als einen Ort der Trauer und des Gedenkens an die Verstorbenen achten. Zeitgenossen, die auf Friedhöfen randalieren oder stehlen und offenbar keinen Respekt vor den Gefühlen Trauernder oder vor den Toten kennen, haben dort nichts zu suchen und schon gar nicht in der Nacht. Eigentlich ist es nur traurig, dass die Stadt offenbar keinen anderen Weg sieht, um dem Problem beizukommen. Bleibt zu hoffen, dass die verschlossenen Tore auch wirklich ein Hindernis für Diebe und Vandalen darstellen. Zumindest sollte die Maßnahme dazu beitragen, Diebstähle und Zerstörung deutlich zu reduzieren.