320 Hektar groß ist das Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Täle und angrenzende Gebiete" in Eislingen. Das ist fast ein Fünftel der Gemarkungsfläche der Stadt. Bald könnten noch rund 24 Hektar hinzukommen. Denn Eislingen möchte das LSG erweitern. Beabsichtigt ist, den Wasserlauf des Steinenbachs an der westlichen Grenze nach Göppingen (15,5 Hektar) sowie die Streuobstwiesen im Bereich "Hammenweiler" (8 Hektar) unter Schutz zu stellen.

Nachdem der Eislinger Ausschuss für Umwelt und Technik die Ausweitung des Schutzgebiets bereits gebilligt hat, liegt jetzt das Verfahren im Umweltschutzamt des Landratsamts. Der Antrag werde auf seine Berechtigung überprüft, berichtet Jochen Heinz. Es gehe um die räumliche Abgrenzung und die fachliche Begründung des Antrags, erläutert der Erste Landesbeamte, in dessen Dezernat der Umweltschutz angesiedelt ist. In einem ersten Schritt werden die Voraussetzungen für ein LSG überprüft. Ein solches Schutzgebiet soll zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder der Regenerationsfähigkeit der Naturgüter dienen. Es kann wegen der Vielfalt, Schönheit oder der besonderen kulturhistorischen Bedeutung der Landschaft oder wegen ihrer Bedeutung für die Erholung ausgewiesen werden.

Die Experten des Landratsamts und Wolfgang Lissak, der Eislinger Naturschutzbeauftragte, der im Planungsamt arbeitet, werden nun an der Erweiterung des LSG arbeiten und Pläne aufstellen. Danach werden die Träger der öffentlichen Belange, die Bürger, vor allem die Grundstückeigentümer sowie die Nachbarkommunen gehört. Deren Ideen oder Einwände werden bewertet und fließen unter Umständen in die Planung ein. Jochen Heinz vermutet, dass während dieser Planungsphase leicht ein Jahr vergehen kann.

Für die Nutzer der vorgeschlagenen Flächen wird sich durch das LSG kaum etwas ändern. Das, was bisher möglich war, hat Bestandschutz. Gartenhäuser oder Schuppen dürfen bestehen bleiben. Erweiterungen oder Neubauten müssten allerdings genehmigt werden, erläutert Heinz. Die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung werde nicht eingeschränkt. Es wäre allerdings nicht ohne Genehmigung möglich, aus einer grünen Wiese oder gar einer Streuobstwiese einen Acker zu machen. Falls Göppingen die Gewerbeflächen oder den Golfplatz im Stauferpark auf ihrer Markung erweitern möchte, würde das LSG nach Heinz' Einschätzung kein Hindernis bedeuten.

"Alle Eigentümer sollen mit ins Boot", kündigt der Leiter des Eislinger Planungsamts die Unterrichtung und Befragung der Betroffenen an. Auch Dirk Ringleb weist auf den Bestandsschutz hin. Zumal es bei einem LSG nicht nur um den Naturschutz, sondern auch um die Erholung gehe. Schutzzweck sei, in diesem Bereich der Erhaltung der Landschaft, auch für die Erholung, Vorrang zu geben.

Die Stadt Eislingen hat ursprünglich drei Erweiterungsflächen untersucht. Neben dem Steinenbachtal und den Streuobstflächen "Hammenweiler" wurde auch die Ebene "Strut" westlich und nordwestlich von Habichtstraße und Bussardweg ins Visier genommen. Die Streuobstbestände und die landschaftliche Vielfalt hätten dafür gesprochen. Für diesen Bereich sieht die Stadt aber ein hohes Konfliktpotenzial, da es viele Grundstückseigentümer gibt. Zudem möchte sich die Stadt langfristige "städtebauliche Entwicklungsoptionen" nicht blockieren. Das heißt, dass im "Strut" auch ein Baugebiet entstehen könnte.

Ein Kommentar von Daniel Grupp: Nur geringe Auflagen

Von Landschaftsschutzgebieten sollen Menschen und Natur Vorteile haben. Die Vielfalt der Kulturlandschaft wird geschützt, das Gebiet kann aber ohne große Auflagen den Menschen zur Erholung dienen. Die Einschränkungen in Landschaftsschutzgebieten (LSG) sind gering. Die Bauern dürfen mit der bisher ausgeübten Form der landwirtschaftlichen Nutzung weiter machen, auch Gartenhäuschen und Schuppen dürfen stehen bleiben.

Der Landschaftsschutz bremst vor allem, wenn Veränderungen drohen. Grünflächen zu Ackerland zu machen, wird dort nicht mehr so einfach sein, wenn Eislingen sein Landschaftsschutzgebiet erweitert. Auch Streuobstwiesen am nordwestlichen Stadtrand werden besser geschützt sein. Gebremst werden möglicherweise auch Grundstückseigentümer, die ihr Gartenhäuschen zur Datscha ausbauen wollten.

Daher darf Eislingen bei der Planung des LSG auf eine relativ konfliktfreie Genehmigungsphase hoffen. Im Naturschutzbereich schaffen LSG nur einen schwachen Schutzcharakter, kein Vergleich zu einem Naturschutzgebiet oder gar einem Nationalpark.

Mit den LSG-Erweiterungsflächen macht die Stadt einen Schritt in die richtige Richtung. Es wird aber auch deutlich, dass ein großzügiger Landschaftsschutz nicht erwünscht ist. Neue Baugebiete, auf die sich die Stadt im Westen ausweiten könnte, sollen nicht blockiert werden. Deswegen wird das Gebiet "Strut" nicht unter Schutz gestellt.