Ausstellung Einzigartiger Blick auf Vietnams Kunst

Das gibt es selten in Deutschland zu sehen: 22 vietnamesische Künstler stellen in der Adelberger Klostervilla aktuelle Kunst aus. Vier von ihnen reisten zur Eröffnun extra an. Rechts Britta Ischka und Ulrich Klieber, der seine Kontakte spielen ließ.
Das gibt es selten in Deutschland zu sehen: 22 vietnamesische Künstler stellen in der Adelberger Klostervilla aktuelle Kunst aus. Vier von ihnen reisten zur Eröffnun extra an. Rechts Britta Ischka und Ulrich Klieber, der seine Kontakte spielen ließ. © Foto: Inge Czemmel
Adelberg / Inge Czemmel 06.10.2018

Die kleine Adelberger Klostervilla schien am Freitagabend aus allen Nähten zu platzen. Vor lauter Menschen waren zunächst kaum die Bilder zu sehen, denen das große Interesse galt. Zeitgenössische vietnamesische Kunst gibt es hierzulande nicht alle Tage und überall zu sehen. Kein Wunder also, dass viele Kunstinteressierte und Kunstschaffende den Weg nach Adelberg fanden. Ein lohnender Weg, wie sich herausstellen sollte, denn die über 60 Arbeiten zeigen eine Vielfalt an Themen, Techniken und Materialien.

Zeichnungen, Ölmalerei, Druckgrafiken, Holzschnitte, Collagen, Seidenmalerei und auch die weltberühmte Lackmalerei sind vertreten. „Aus einer zunächst vagen Idee ist ein großartiges Projekt geworden“, freut sich Professor Ulrich Klieber, der durch seine Kontakte die Ausstellung angestoßen hat, in seiner Einführungsrede. „Wir können eine hochkarätige Werkschau präsentieren, die es so vielleicht noch nicht gab in Deutschland“, macht er deutlich und erklärt das Konzept: „Nicht unser Blick auf die Dinge war wichtig. Nicht die westliche Sicht, die mit einem Filter auf ganz bestimmte Vorlieben achtet, sondern die der Kollegen und Kolleginnen aus Vietnam. Sie selbst wählten die Werke aus. Deshalb ist die Ausstellung so authentisch.“ Vorherrschend sind auf den Bildern mit Erzählcharakter die menschliche Figur, die Landschaft, die Natur, das lokale Umfeld, die Kultur.

„Vietnam hat eine vielfältige Kultur, die von lokalen Kulturen und Volksgruppen geprägt ist. In Vietnam sind 53 ethnische Gruppen zu Hause“, weiß Ulrich Klieber dem Publikum zu berichten. „Kunst knüpft Kontakte und eröffnet Zugänge zu fremden Sichtweisen“, sagt die Adelberger Bürgermeisterin Carmen Marquardt bei ihrer Begrüßung. Sie sei stolz darauf, dass in dem kleinen Ort nun eine so einzigartige Ausstellung zu sehen sei, was vor allem dem großen Engagement der zweiten Vorsitzenden des Kunst- und Kulturvereins, Britta Ischka, und Professor Klieber zu verdanken sei. Eine große Freude für alle ist, dass vier der ausstellenden Künstler den weiten Weg von Vietnam auf sich genommen haben, um bei der Vernissage dabei zu sein. Prof. Dr. Minh, Rektor der University of Fine Arts, zeigt traditionelle Lackmalerei, die sich vom Handwerk zu einer nationalen Kunstrichtung entwickelt hat. Die stellvertretende Direktorin Thanh Trang zeigt eine Lithographie mit dem Titel „Gemeinsam glücklich“ und das Landschaftsaquarell „Der Sturm währt nicht ewig.“ Dozentin Dài Trang hat sich für ein Landschaftsbild in Ölfarben und erstaunlich abstrakt gestaltete Werke aus Tusche auf Papier entschieden.

Thi Thu Trang, ebenfalls Dozentin, zeigt eine in sich versunkene Schachspielerin mit schwarzer Katze. „Es ist die Tochter von Freunden“, erzählt sie auf Nachfrage und ist ganz glücklich, dass die Ausstellung sie zum ersten Mal nach Europa gebracht hat. „Das Hotel in Schorndorf ist schön, die Stadt hat eine wunderbare Atmosphäre und ich liebe die Landschaft“, schwärmt sie. „Ich genieße jeden Moment.“ Die Künstler und Künstlerinnen, die nicht selbst anwesend sein können, werden in kleinen Videos vorgestellt. Zudem hat Peter Ischka einen wunderbaren Katalog gestaltet. Darin sind nicht nur alle Werke abgebildet, sondern auch alle Künstler mit einem kleinen Porträt. Auch über die Vietnamreise der Ischkas lässt sich einiges nachlesen. Als kleines Sahnehäubchen gibt es bei der Ausstellungseröffnung auch noch vietnamesische Musik auf fremd anmutendem Instrumentarium. Das „Lotus Duo“ war extra aus Berlin angereist, um die Ausstellung musikalisch zu umrahmen.

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