Es war ein Projekt, das landesweit für Aufsehen sorgte und Salach als fortschrittliche und umweltfreundliche Gemeinde auszeichnete. Als im Jahr 1999 mit dem Bau eines Nahwärmenetzes für das Sanierungsgebiet „Kaffeegasse“ begonnen wurde, ließ es sich der damalige Staatssekretär Stefan Mappus nicht nehmen, selbst nach Salach zu kommen, um sich über das Vorzeigeprojekt zu informieren. Mappus sagte damals: „Was Sie da vorhaben, hat nicht nur Seltenheitswert, sondern ist auch einmalig im Land“. Er versprach der Gemeinde und dem damaligen Bürgermeister Berhard Ilg einen „namhaften Zuschuss“.

Aus den stündlich mehr als 30 Tonnen 120 bis 140 Grad heißen Dampfes, den die Papierfabrik Salach für die Fertigung von Papier benötigte und bis dahin ungenutzt durch den Kamin entfleuchen ließ, wurde per Wärmetauscher 80 bis 85 Grad heißes Heizwasser für die Brauchwasser- und Wärmeversorgung der Kaffeegasse gewonnen. Die Idee dazu hatte der Salacher Ingenieur Thomas Herp: ein hochmodernes System, mit dem sich jährlich zwischen 150 und 170 Tonnen Kohlendioxid einsparen lassen sollten. Im Endausbau wurden gar 500 Tonnen pro Jahr anvisiert.

Das zukunftsweisende Projekt währte rund vier Jahre. Dann stellte die Papierfabrik den Betrieb ein und ein Blockheizkraftwerk ersetzte die Dampfheizung. Mit der Rationelle Energie Süd GmbH aus Geislingen (RES), ein Dienstleister für Fernwärmeversorgung, schloss die Gemeinde im Jahr 2007 einen Contracting-Vertrag, der sicher stellte, dass die Kaffeegasse weiterhin über das bestehende Nahwärmenetz versorgt werden konnte.

Am 30. Juni 2017 endete der Vertrag. Es war jedoch unklar wie die Energieversorgung weitergeführt werden sollte. Allen Kunden wurde jedoch eine Fortsetzung der Wärmeversorgung bis zum 31. März diesen Jahres zugesichert. Aktuell beklagt die Gemeinde einen jährlichen Verlust zwischen 50 000 und 60 000 Euro. Einer Erhöhung der Wärmepreise sind durch den Wettbewerb Grenzen gesetzt. Also beschlossen die Gemeinde und der Gemeinderat – weil man die Durchführung einer Wärmeversorgung nicht als Kerngeschäft in einer Kommunalverwaltung betrachtete – den Verkauf des Nahwärmenetzes. Doch von sieben angeschriebenen Energieversorgern reichte zum Ende vergangenen Jahres nur die RES ein Kaufangebot ein.

59 000 Euro will der Dienstleister für das Leitungsnetz einschließlich der Hausanschlüsse und der Anlagentechnik in der Heizzentrale zahlen. Die RES garantiert eine Versorgungssicherheit von mindestens zehn Jahren. Die Preise für die Nutzer bleiben fünf Jahre stabil, teilt Bürgermeister Julian Stipp auf Nachfrage mit. Ab dem 1. April soll der Vertrag in Kraft treten, der Gemeinderat stimmte jetzt einmütig dafür. Obwohl für die Gemeinde bei dem Geschäft ein Verlust von rund 84 000 Euro entsteht, wird dies als die bessere Lösung angesehen.

Info Am 19. Februar will die Gemeinde in einer Informationsveranstaltung die Gründe für den Verkauf und das weitere Verfahren erläutern.