Freizeit Einfallsreichtum trotz Sommerhitze

Sabine Ackermann 04.08.2018

Wege legen“ oder nach Bedarf „Wege leben“ – konzentriert arbeitet Steffen Reichelt in unbequemer Haltung am Feinschliff seiner neun Buchstaben aus Alabaster, die Vorlagen dazu hat er aus einem Stück Holz gesägt. Tag drei des Workshops „Dem Stein auf der Spur“ – bisher sei ihm nur das „g“ zerbrochen, verrät der 31-jährige aus Karlsruhe. Belegte er bei seiner ersten Kreativwoche einen Trommelkurs, hat sich Reichelt diesmal für die statische Botschaft aus Stein entschieden: Zwei Worte, die mit dem Tausch eines einzigen Buchstabens den Sinn verändern. „Da hat man am Ende was, nimmt es mit und es bereichert einen“ findet der Badener, der sich zudem für die Typografie interessiert.

Seine Freundin Ruth – die schon als Kind die „Ferienwoche kreativ“ lieben lernte und seitdem regelmäßig kommt – hatte die Idee, mal wieder mitzumischen und sich für den „Afrikanischen Tanz“ entschieden. Während die sechs jüngsten Teilnehmer  mit Integrationsmanagerin Monika Mürdter in ihrem Lägerle mit den vier Elementen spielen, basteln, Musik machen oder Geschichten hören, machen zwei 17-jährige „Schneiderinnen“ aus dem Nähatelier im satten Grün kurz Pause. Helen aus Metzingen hat sich für ein T-Shirt entschieden, ihre Freundin Katharina aus Ulm wagt sich an ein Kleid.

Gemeinsam mit ihrem Team aus 14 Mitarbeitern hat Sigrid Schöttle wieder ein tolles Programm für die etwa 130 „Feriengäste“ im Alter von zweieinhalb bis 92 Jahren auf die Beine gestellt – davon sind gut drei Viertel Wiederholungstäter. Ob mit oder ohne Beeinträchtigung, ob Arbeiter, Hausfrau oder Akademiker, Kleinkinder, Heranwachsende Menschen in der Mitte oder im Herbst ihres Lebens, die langjährige Studienleiterin freut sich mit ihnen darüber, dass Spaß sowie die Freude am Tun in der Gemeinschaft im Vordergrund stehen: „Vieles hat sich in dieses Haus hinein entwickelt. Qualität ist, wenn der Kunde wiederkommt und nicht das Produkt“, sagt Sigrid Schöttle.

Etwas versteckt hört man das surrende Geräusch von ein, zwei Flex-Winkelschleifern, mit diesen funkensprühenden „Männergeräten“ beseitigen vorrangig Frauen rostige Stellen oder Reste von Farbe. „Kreatives Schweißen und Schmieden“, Herbert Häbich kann sich trotz seiner Feststellung „so heiß war’s noch nie“ über mangelndes Interesse in seinem Workshop nicht beklagen. Sibylle Towhidi scheint in ihrem Element, doch noch lässt sich ihr Werk einer freien Skulptur nur erahnen. „Das Tolle daran ist, dass ich es für mich mache und endlich mal am Stück daran arbeiten kann“, freut sich die Techniklehrerin aus Leonberg und ergänzt lachend: „Es muss halt in meinen Rucksack passen, ich bin nämlich mit dem Motorrad da.“

Einige Stationen weiter stehen sich etwa 20 Menschen in „Habachtstellung“ gegenüber. Jeder hält einen 115 Zentimeter langen Holzstab in der Hand und wartet auf die Person, die mit einem ebensolchen Stab von links, rechts, oben oder unten angreift. Einmal im Fechterwald durch und im Zickzack schlagen dann die Bäume aus, beschreibt Jochen Feiler die Mischung aus Stockkampf und Säbelfechten. „Das Stabfechten basiert auf elf Grundhieben, einem Stich und Paraden mit dem Ziel, Bewegung, Wahrnehmung sowie Kommunikation zu fördern“, erklärt der Persönlichkeitstrainer.

Glück in Scherben

Nicht ganz so angriffslustig geht es freilich beim Kurs „Mosaik – Glück in Scherben“ zu. Zum ersten Mal dabei, nimmt’s die Hobby-Künstlerin gelassen, dass man ihre „Mosaik-Margerite“ für ein Edelweiß hält. „Ein tolles Angebot, man hat Zeit, in eine schöne Muse zu kommen“, lobt Tanja Urban aus Ammerbuch.

 Jeder malt was er kann und möchte, erklärt Sabine Bremer. Die Kunst- und Gestaltungstherapeutin vom Workshop: „Malen mit Acryl“ rät ihren 16 Teilnehmern: „Man kann ruhig mutig sein“. Und das ist jeder auf seine ganz persönliche Art. Während der Bad Boller Reinhard Becker ein Bild mit dem Text: „Es sind die Begegnungen“ für seine Tochter Andrea zur Hochzeit gestaltet, widmet sich Stefanie Güthle aus Ebersbach-Weiler mit viel Sorgfalt und Liebe ihrem Bild, das für ihre kranke Mutter ein positives Zeichen setzen soll.

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