Uhingen Eine unvergessliche Sommernacht auf Schloss Filseck

Jan Pascal und Alexander Kilian vom Gitarrenduo „Café del Mundo“ und die Flamenco-Tänzerin Azucena Rubio sorgten auf Schloss Filseck für einen unvergesslichen Sommernachtstraum.
Jan Pascal und Alexander Kilian vom Gitarrenduo „Café del Mundo“ und die Flamenco-Tänzerin Azucena Rubio sorgten auf Schloss Filseck für einen unvergesslichen Sommernachtstraum. © Foto: Giacinto Carlucci
KURT LANG 01.08.2016
Durch die überschäumende Spielfreude aller Mitwirkenden wurde der Abend auf Schloss Filseck zum unvergesslichen Sommernachtstraum.

„Liebe und Sehnsucht, Himmel und Hölle, Leben und Tod: Beim Flamenco geht es um alles, was Menschen im Innersten bewegt“, so die Programmankündigung für das Gitarrenduo „Café del Mundo“, das am Freitagabend mit seiner neuen Produktion „Baile y toque – Tanz und Gitarre“ beim Sommerfestivals auf Schloss Filseck zu Gast war.

Doch ganz so dramatisch ging’s dann doch nicht zur Sache, denn Jan Pascal und Alexander Kilian taten es auf meist vergnügliche Art dem Jazzer Magnus Mehl nach, der am Abend zuvor schon seine in fremden Ländern gewonnenen Eindrücke den Besuchern musikalisch zu Gehör brachte, wobei freilich den Flamenco-Musikern zudem die Spanierin Azucena Rubio zur Seite stand, die auf beglückende Weise das Erlebte auch noch tänzerisch zu untermalen vermochte.

Gerade mal 19 Jahre alt, nahm Alexander Kilian 2007 an einem von Jan Pascal geleiteten Flamenco-Gitarrenworkshop teil. Pascal: „Der kam rein in seinen roten Schuhen und spielte gleich das erste Stück viel besser als ich, sein Dozent“. Dies war die Geburtsstunde des Gitarrenduos „Café des Mundo“, das inzwischen längst zu den Besten seines Genres gehört. Und so war denn auch gleich zu Beginn, nach den ersten zwei, drei gespielten Stücken, unschwer zu erahnen, dass es ein vergnüglich-kurzweiliger Konzertabend werden sollte.

Da die genaue Herkunft des Flamencos ohnehin umstritten ist, durchbrachen die Beiden die vermeintlich spanische Tradition hin zu neuen Stilrichtungen: Salsa-, Rumba- und Samba-Rhythmen, aber auch Astor Piazzollas „Libertango“ oder ein arabischer Beduinen-Tanz erwiesen sich als köstliche Bereicherungen des Repertoires.

Doch auch die eher im traditionell-volkstümlichen Rhythmus gespielten Kompositionen gefallen insbesondere durch die herrlich fließenden Übergänge: Kommt ein Stück allzu verträumt, weich und schmiegsam daher, wird dieser romantische Geist aus dem Geviert des Schlosshofes schon mal vertrieben durch ein laut explodierendes Feuerwerk der ganz großen Klangkunst, wobei gerade bei diesen Arrangements – der Meister möge Nachsicht üben – Alexander Kilians brillante Gitarrentechnik besonders erhellend zum Ausdruck kommt.

Tänzerisch begleitet wird das Duo von der in Sevilla geborenen Azucena Rubio. Eine Ausnahmetänzerin! Ihr merkt man an, dass sie „ihren“ Flamenco durch die mit unglaublicher Präzision ausgeführte Schritttechnik längst zur Lebensform erhoben hat: Hochkonzentriert steht sie da, reckt den Kopf starr in die Höhe, stampft mit den Füßen im Takt, lässt die Arme betörend um den Körper züngeln, gibt sich – immer wieder mit Beifall überhäuft – mal melancholisch, mal explosiv, mal gravitätisch.

Doch auch fürs Gitarrenspiel gab’s vom Publikum immer wieder Jubelstürme der Begeisterung und am Schluss nicht enden wollender Applaus.

Im Einklang mit dem herrlich beleuchteten Innenhof des Uhinger Schlosses Filseck wurde der Abend wohl für die meisten der Besucher zu einem unvergesslichen Sommernachtstraum.