Roßwälden Eine Stunde Schweißarbeit am Pferd

Roßwälden / MARLEN KOSPER 27.07.2018
Der Hufschmied fährt mit einem Anhänger voller Arbeitsutensilien von Stall zu Stall und bietet Haltern seine Dienste an.

Schon immer hatte Martin Zaiser ein Faible für Pferde. Mit 14 Jahren begann der Hufschmied das Reiten. Durch dieses Hobby ist er auch zu seinem Beruf gekommen. Denn anfangs habe er gar nicht über die Tätigkeit nachgedacht, meint Zaiser. Als junger Mann war sich nur sicher, dass er selbstständig sein wolle, und das ging damals am besten durch das Ausüben eines Handwerks. Doch dann fragte ihn der Mann, dessen Pferde er zu dieser Zeit ritt, ob er den Beruf des Hufschmieds erlernen wolle und Zaiser willigte ein. Er spricht von einem lebensprägenden Ereignis, und dass seine Lehrstelle damals ein echter Glücksgriff war, denn diese waren rar gesät.

1979 begann der heutige Schmiedemeister seine Ausbildung am tierhygienischen Institut in Freiburg. „Früher stand das Handwerk im Vordergrund“, erklärt er. Zu dieser Zeit war das Gewerbe des Hufschmieds noch ein Lehrberuf. Das Modell wurde abgelöst durch die Ausbildung an einer staatlichen Schule mit Prüfung, der sogenannten Hufbeschlagschule. Die reine Ausbildungszeit beträgt nur drei bis vier Monate, anschließend steht ein zweijähriges Praktikum an. Sechs dieser Schulen gibt es in Deutschland, laut Zaiser ist das mehr als ausreichend. Pro Jahr absolvieren acht Auszubildende den Abschluss an einer dieser Schulen, da zwei Kurse pro Jahr für jeweils vier Personen angeboten werden.

Acht Abgänger pro Jahr mag sich nach wenig Nachwuchs anhören. Betrachtet man jedoch die Tatsache, dass ein Hufschmied etwa 200 bis 300 Pferde betreut, erscheint diese Zahl in einem anderen Licht. Alle sechs bis zehn Wochen brauchen die Vierbeiner neue Hufeisen.

Heute gibt es sogar zu viele Schmiede für den aktuellen Pferdebestand, so Zaiser. Dieser gehe nämlich leicht zurück oder stagniere zumindest. Das liege daran, dass das Interesse am Turniersport früher größer war als heute. „Ohne die pferdeverrückten Mädchen gäbe es noch zwei Drittel weniger dieser Tiere“, fügt er scherzend hinzu.

Auch die Art der Aufträge habe sich gewandelt. So lohnte es sich früher nicht, unter vier zu beschlagenden Pferden zu einem Stall zu fahren. Zu Spitzenzeiten beschlug Martin Zaiser bis zu 70 Pferde pro Woche. Etwa eine Stunde wird für jedes Pferd benötigt. Das liegt unter anderem auch daran, dass dieser Beruf körperlich sehr anstrengend ist.

Heute ist es so, dass ein Hufschmied von Stall zu Stall fährt, egal, wie viele der Tiere auf neue Eisen angewiesen sind. Das führt zu einem höheren logistischen Aufwand, und es muss mehr Planungszeit investiert werden. Dafür ist der langjährige Schmied bestens gewappnet. In seinem Anhänger transportiert er alle nötigen Utensilien für den Job – sogar ein kleiner Gasofen ist immer an Bord.

Da der Verdienst von der Auftragslage abhängt, hat sich auch in diesem Bereich etwas verändert. Zwar ist es nicht mehr so einfach wie früher, Geld zu verdienen, aber es sei immer noch genug, merkt der Mann aus Roßwälden an.

Trotz sinkender Nachfrage bereut Zaiser seine Entscheidung, diesen Beruf ergriffen zu haben, nicht. Noch immer sei er glücklich und habe Spaß an seiner Tätigkeit. Unter den damaligen Bedingungen würde er dieselbe Entscheidung wieder treffen.

Was der Schmied ebenfalls sehr an seinem Beruf schätzt, ist die Nähe zum Kunden. Es kommt auf Vertrauen an. Einige seiner Kunden schätzen ihn schon seit seiner Anfangszeit.

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