Serie Eine starke Frau aus Uhingen

Die umtriebige Gastronomin Susanne Weißkopf an der Rezeption ihres Hotels. Sie mag den Umgang mit unterschiedlichen Menschen, das treibt sie an.
Die umtriebige Gastronomin Susanne Weißkopf an der Rezeption ihres Hotels. Sie mag den Umgang mit unterschiedlichen Menschen, das treibt sie an. © Foto: Sabine Ackermann
Uhingen / Sabine Ackermann 10.02.2018
Das Wohl der Kinder und der Erhalt der Landgastronomie, liegen der Dehoga-Kreisvorsitzenden Susanne Weißkopf sehr am Herzen.

Tschüssle, kommt gut heim“, verabschiedet die Wirtin des Uhinger Hotel-Restaurants Ochsen ihre Gäste. Wer sie kennt, weiß: Susanne Weißkopf und schlecht gelaunt, das gibt es einfach nicht. „Ich bin immer gut drauf“, verrät die Uhingerin strahlend, um danach ernst hinzuzufügen, dass sie darunter leide, wie die Menschen heutzutage teilweise miteinander umgehen. Sie verabscheut ichbezogene Menschen und stellt fest: „Inzwischen wird man ja schon fast blöd angeguckt, wenn man einen Laden mit einem fröhlichen Hallo betritt und mit Freude Bitte und Danke sagt“.

Die langjährige Stadträtin, seit 2011 für die Freien Wähler im Gremium, ist keine, die sich verstellt. Ärgert sie etwas, dann hält sie damit nicht hinterm Berg: immer geradeaus und auf keinen Fall „geschleimt höflich“, wie die gefühlsbetonte Gastronomin versichert. „Ich bin ja ein Glücklichmacher. Gebe den Menschen die Möglichkeit, bei mir lecker zu essen, zu schlafen, gemütlich zusammen zu sitzen und wenn sie möchten, ein Gespräch zu führen“, zählt sie auf. Und wenn ihre Hausgäste einmal einen miesen Tag haben, dann ist sie für sie da, hört ihnen zu und bietet ihre Unterstützung an, ergänzt Susanne Weißkopf und ist da voll in ihrem Element.

„Die Welt kommt zu mir“, freut sie sich, denn in den 14 Zimmern ihres Hotels wohnen nicht nur prominente Bühnenakteure, die vom gegenüberliegenden Uditorium quasi nur zwei Mal umfallen müssen. Auch Monteure oder Vertreter zählen zu ihren Stammübernachtungsgästen. Sie genieße es, versichert sie, ihnen ab 5.45 Uhr das Frühstück zu machen, sie satt und seelisch frisch gestärkt in den Tag zu schicken.

Nicht zuletzt sieht sich Susanne Weißkopf auch als einfühlsame Zuhörerin, wenn die Hinterbliebenen nach einer Beerdigung zu ihr kommen und über ihre Trauer reden wollen. „Gastronomie ist nun mal vielseitig und bunt, wir sind die Kommunikationszentren“, findet sie und unterstreicht: „Und das mache ich nicht, weil mir das Geschäft wichtig ist, sondern der Mensch dahinter.“

So verwundert es nicht, dass die 54-Jährige schon lange dem Verband für das Gastgewerbe (Dehoga) angehört, seit April 2017 den Vorsitz im Kreis Göppingen inne hat, Mitglied im Landesverband in Stuttgart ist und obendrein als zweite Vorsitzende bei den Unternehmerinnen im Gastgewerbe und als Delegierte im Landesfrauenrat mitmischt. In all diesen ehrenamtlichen Funktionen wird die umtriebige Schwäbin nicht müde, mit Aktionen beispielsweise auf Bildungsmessen die Nachwuchs- und Fachkräftesicherung voranzutreiben. All dies war 2008 für den Dehoga Baden-Württemberg Grund genug, bei der ersten Wahl der „Dehoga-Unternehmerfrau des Jahres“ gleich Susanne Weißkopf zu küren.

Erstaunlich klingt es, wenn die Preisträgerin lachend zugibt, dass sie „eigentlich alles andere als Wirtin werden wollte.“ Mit zwei Jahren kam sie nach Uhingen, ihre Eltern, Josef und Ingeborg Schulik, betrieben dort das Hotel-Restaurant Ochsen, in dem sie als Heranwachsende immer wieder aushalf. Die Übergabe an die Tochter erfolgte 1992, nach der Renovierung fand ein Jahr später die Wiedereröffnung statt. Ehrgeizig und offen für alles, kann Susanne Weißkopf gleich mehrere Berufe vorweisen: Abgeschlossene Ausbildungen als Groß- und Außenhandelskauffrau, Hotelfachfrau sowie Köchin absolvierte sie in Stuttgart und Frankfurt. Während ihres BWL-Studiums begann sie ihre Selbständigkeit mit einem Büroservice, der sie ins Ausland, unter anderem nach Hongkong, führte. „Da habe ich die Welt der Gastronomie und Hotels kennen- und lieben gelernt“, so die 54-Jährige.

Und heute, da kämpft die Restaurant-Fachfrau mit Leidenschaft für den Erhalt der „heimeligen“ Landgastronomie, den Ort, wo sich die Leute treffen, gemeinsam essen und miteinander schwätzen. Da ist es wieder, das respektvolle und wertschätzende Miteinander, dass der Mutter einer zwanzigjähren Tochter so sehr am Herzen liegt. In ihrer Tochter Maxine hat sie eine Seelenverwandte und eine vertraute Verbündete, vergisst aber auch nicht ihr fleißiges Team: „Ich habe immer tolle Mitarbeiter an meiner Seite gehabt, ohne sie hätte ich es nie geschafft“. Ein schöner Aspekt, „durch meinen Beruf und meine ehrenamtliche Tätigkeit habe ich stets tolle Menschen kennenlernen dürfen.“

Im Jahr 2002 hat Susanne Weißkopf den Verein „Wir für Kinder“ ins Leben gerufen, dessen Vorsitzende sie ist. Dieser engagiert sich unter anderem in der Verkehrserziehung und Suchtprävention. Mit seiner Experimentierausstellung „Look“ hat der Verein bereits mehrere Wettbewerbe gewonnen, unter anderem den ersten Platz bei „Echt gut – Ehrenamt Baden-Württemberg“. Kraft und Motivation dafür und ihre unzähligen anderen Aufgaben holt sich die Unternehmerin aus der Natur und aus guten, sinnvollen Gesprächen.

Porträtreihe über starke Frauen im Landkreis

Jubiläum In diesem Jahr feiert der Kreis Göppingen seinen 80. Geburtstag, zudem wird das Frauenwahlrecht 100 Jahre alt. Die NWZ hat aus diesem Anlass die Porträtreihe „Starke Frauen“ ins Leben gerufen.

Serie Ob die Pflege von Angehörigen, herausragende Leistungen als Unternehmerin, Künstlerin, Politikerin und Sportlerin oder Engagement im Ehrenamt – die Serie soll Frauen und ihre Arbeit zeigen. In der ersten Folge wurde Ilse Birzele vorgestellt, in der zweiten Barbara Küpper.