Salach Tauziehen um Radschnellweg

Das Land möchte den bisherigen Salacher Anschluss auf die alte B 10 an der Hauptstraße schließen und einen Kreisverkehr östlich bauen. Die Gemeinde möchte zusätzlich einen Kreisel an der Hauptstraße.
Das Land möchte den bisherigen Salacher Anschluss auf die alte B 10 an der Hauptstraße schließen und einen Kreisverkehr östlich bauen. Die Gemeinde möchte zusätzlich einen Kreisel an der Hauptstraße. © Foto: Staufenpress
Salach / Karin Tutas 14.09.2018
Die Planung eines Radschnellwegs mutiert zum Tauziehen zwischen dem Land und der Gemeinde Salach.

Der Rückbau der alten B 10 von vier auf zwei Fahrspuren eröffnet der Gemeinde Salach die Chance, den südlichen Ortsteil besser an die alte Bundesstraße anzubinden und gleichzeitig die Anwohner vom Verkehrslärm zu entlasten. Das Land will die frei werdende Fläche nutzen und auf der Nordseite der Straße einen Abschnitt des zwischen Ebersbach und Geislingen geplanten Radschnellwegs bauen. Wie Autoverkehr und nachhaltige Mobilität unter einen Hut gebracht werden können, darüber scheiden sich die Geister.

„Die Planung des Landes und die Wünsche der Gemeinde Salach passen zur Zeit noch nicht so ganz zusammen“, bringt Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke die Problematik auf den Punkt. Wienecke macht kein Hehl daraus, dass der Landkreis die Chance, eine gute Verbindung für Radfahrer zu schaffen, ergreifen möchte. Für einen Radschnellweg gilt es jedoch Standards zu erfüllen. Unter anderem soll solch eine Trasse mindestens vier Meter breit sein. Pedaleure sollen zügig und möglichst kreuzungsfrei vorwärts kommen.

Wie viele Planungsvarianten bereits diskutiert wurden, um das Interesse des Landes und den Wunsch der Gemeinde nach einer Verkehrsentlastung unter einen Hut zu bringen, vermögen die Beteiligten nicht zu sagen. Und der derzeitige Lösungsvorschlag stößt nicht nur im Gemeinderat auf Widerstand, sondern bringt auch die Anwohner im Umfeld der Hauffstraße auf die Palme. Denn die Planung sieht vor, die Hauptstraße, den bisherigen Anschluss an die alte B 10, zu schließen. Stattdessen soll der gesamte Autoverkehr aus und nach Salach über einen östlich der Hauptstraße platzierten Kreisel an der alten B 10 in Höhe der bisherigen Ausfahrt in Fahrtrichtung Süßen und die Hauffstraße gelenkt werden.

„Für die Anwohner würde das eine Zunahme des Verkehrs bedeuten“ erklärt Salachs Bürgermeister Julian Stipp. Für die Gemeinde ist diese Option nicht akzeptabel. Bislang werden in der Hauffstraße rund 6500 Fahrzeuge gezählt. Ein von der Gemeinde beauftragtes Gutachten prognostiziert für die Hauffstraße im Falle einer Schließung der Hauptstraße künftig rund 9000 Fahrzeuge. So ein Radweg sei zwar eine feine Sache, aber der Preis sei zu hoch: „Wir wollen eine Entlastung vom Verkehr und keine Zunahme“, betont Stipp.

Die Kommune hat eine eigene Lösung erarbeiten lassen: Zusätzlich zu dem vom Land vorgeschlagenen Kreisverkehr soll ein zweiter in Höhe der Hauptstraße angelegt werden. Nach Meinung Stipps ist das „die optimale Lösung für Salach“. So könnte der Verkehr in Richtung Ortsmitte über den westlichen und die Fahrzeuge zum künftigen Quartier Mühlkanal über den östlichen Kreisel rollen. Damit verblieben laut Prognose in der Hauffstraße nur noch rund 1800 Fahrzeuge. Der Haken dabei: Die 755 000 Euro Kosten für die beiden Kreisel blieben an der Gemeinde hängen. Einen Zuschuss gebe es nur, wenn die vom Land vorgeschlagene Lösung gebaut wird. Das hat seinen Grund: Die Förderfähigkeit hänge von der Einhaltung der Richtlinien ab. Und bei einem Kreisverkehr an der Hauptstraße sei zu wenig Platz, um den Radweg in der erforderlichen Breite vorbeizuführen, sagt Kreisverkehrsplaner Wienecke.

Wienecke äußert Verständnis für die Gemeinde und die Anwohner, die durch den Radweg nicht zusätzlich belastet werden wollen. Der Landkreis wolle zwar eine optimale Lösung für die Verbindung hinbekommen, „aber keiner will mit dem Kopf durch die Wand. „Wir suchen nach einer Lösung, die alle Interessen möglichst gut auf einen Nenner bringt“, betont Wienecke, auch wenn dies der Quadratur des Kreises gleiche. In die Debatte haben sich inzwischen auch die Landtagsabgeordneten Nicole Razavi (CDU) und Sascha Binder (SPD) eingeschaltet und der Gemeinde Unterstützung zugesagt.

Info Die Salacher CDU-Gemeinderatsfraktion lädt Bürger am Donnerstag, 20. September, ab 19 Uhr zu einem Gespräch über den künftigen Anschluss an die alte B 10 ins Glashaus ein.

Abgeordnete unterstützen Gemeinde und Anwohner

Nicole Razavi appelliert an Verkehrsminister Winfried Hermann und Regierungspräsident Wolfgang Reimer: Das Projekt dürfe nicht zu zusätzlichen Belastungen für die Anwohner führen. Der  Radschnellweg könne auch mit zwei Anschlüssen nach Salach mit nur geringen Einschränkungen für die Radler gebaut werden, so die CDU-Landtagsabgeordnete. Zwei Kreisel seien für sie allerdings nicht zwingend, erklärte Razavi gegenüber der NWZ. „Wir brauchen zwei leistungsfähige Kreuzungen.“ Nach Gesprächen sei sie zuversichtlich, dass eine gute Lösung gefunden werde, so Razavi.

Sascha Binder plädiert nach einer Ortsbesichtigung dafür, den Lärmschutz zum Hauptfaktor bei der Auswahl einer Rückbauvariante zu machen. Aus seiner Sicht sei es „mit ein wenig mehr Aufwand und Entgegenkommen des Landes“ möglich, Radschnellweg und Lärmschutz unter einen Hut zu bringen, so der SPD-Abgeordnete.

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