Wetterstation Eislinger hat eine Schwäche für Gewitter

Hans Juchert hat sein Zuhause in eine kleine Wetterstation umgewandelt: Aus dem Dach ragt ein Windmesser und im Garten steht eine Wetterhütte zum Temperaturen messen.
Hans Juchert hat sein Zuhause in eine kleine Wetterstation umgewandelt: Aus dem Dach ragt ein Windmesser und im Garten steht eine Wetterhütte zum Temperaturen messen. © Foto: Tilman Ehrcke
Eislingen / Celina Sautter 05.04.2018
Hans Juchert interessiert sich schon immer für das Wetter. Er machte sein Hobby zum Beruf und betreibt seitdem eine eigene Wetterstation.

In einem kleinen Reihenhaus in Eislingen wohnt Hans Juchert gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Kätzchen. Wer das Wohnzimmer betritt, sieht draußen im Garten ein unscheinbar kleines Häuschen aus dem Beet ragen: Jucherts selbst gebastelte Wetterhütte, mit der er täglich die Temperaturen registriert, ist sein ganzer Stolz.

Der gebürtige Göppinger hatte schon im Kindesalter großes Interesse am Wettergeschehen. Mit etwa zehn Jahren kam Juchert mit einem Hobbymetereologen in Kontakt, der nicht weit von seinem damaligen Zuhause entfernt wohnte. Dieser machte Niederschlagsmessungen nahe des Bodenfelder Wasserwerkes, wo auch Juchert seine Kindheit verbrachte. Sein Interesse am Wettergeschehen wurde durch die Begegnung gefestigt. Dass er aber sein Hobby zum Beruf machen würde, ahnte damals noch niemand.

Im Jahre 1965 zog Juchert mit seiner Familie nach Eislingen; in das Haus, in dem er seitdem wohnt. Gemeinsam mit seinem Onkel baute er eine „kleine primitive Hütte“, wie Juchert sie nennt, mit einem eingebauten Thermometer. Damit wollte er das Wettergeschehen im Ort beobachten. „Für den Anfang und für meine damaligen Zwecke war das Häuschen ganz okay“, meint Juchert rückblickend. Jetzt sei das Ganze professioneller, verrät er.

In seiner Jugend machte der Hobby-Meteorologe ein Praktikum beim Stuttgarter Wetteramt. Die dort gemachten Erfahrungen bestärkten ihn in seinem Vorhaben: „Ich will unbedingt zum Wetterdienst“, sagte Juchert damals zu seiner Mutter. Die sei davon nicht so begeistert gewesen und wollte, dass ihr Sohn etwas „Gescheites“ lerne. Doch der Jugendliche hatte sich diesen Beruf in den Kopf gesetzt und  setzte sich durch. Am 1. Oktober 1973 begann er eine Ausbildung beim Deutschen Wetterdienst und wechselte danach zur Ulmer Wetterstation, wo er fast 30 Jahre lang tätig war.

Weil die Wetterstation in Ulm automatisiert wurde, wechselte Juchert wieder nach Stuttgart. Vor 14 Jahren begann der Eislinger dann seine Karriere an der Wetterstation des Stuttgarter Flughafens. Ein wahrer Knochenjob: Die Nachtschichten beginnen für die Arbeiter um 20.45 Uhr und enden erst morgens um sieben Uhr. „So langsam schlauchen mich die Nachtschichten allerdings“, gibt der 65-Jährige zu. „Früher habe ich das noch leichter genommen“, witzelt er. Juchert hätte dieses Jahr eigentlich in den Ruhestand gehen können; da ihm seine Arbeit aber so viel Spaß macht, hat er seine Arbeitszeit um ein Jahr verlängert. Wenn der Ruhestand dann vor der Tür steht, will der Wetterexperte trotzdem weiter nach dem Wettergeschehen schauen – aber eben privat.

Doch was findet Juchert am Wetter so faszinierend? Es sei der stetige Wandel, meint er. „Das Wetter bleibt nie konstant, es ändert sich dauerhaft“, erzählt er. Außerdem beeindrucken ihn Gewitterlagen: Bei Gewitter reiße er immer alle Fenster auf, um alles genau im Blick zu haben, erzählt seine Ehefrau Cornelia Juchert. Sie hilft ihm so gut sie kann, lernt mit und ist fasziniert von seiner Arbeit. Und sie ist ganz besonders stolz auf ihren Mann: „So einen Mann hat keiner, dachte ich mir damals, als ich ihn kennengelernt habe und war wirklich froh.“

Prägende Wetterereignisse

Hans Juchert ist ein wahrer Wetter-Fanatiker. Nicht nur der ständige Wechsel fasziniert den Eislinger, auch besondere Unwetter bleiben ihm im Gedächtnis.

Tornado Im Jahre 1968 wütete in Pforzheim ein Tornado. Als Juchert davon hörte, hat er alle weiteren Ereignisse genauestens verfolgt. Auch das Unwetter in Stuttgart, das 1997 die Bewohner mit  heftigen Überflutungen überraschte, war ein prägendes Ereignis für den Wetterexperten.

Hobby Sobald Juchert im Ruhestand ist, möchte er weiterhin Monatsberichte über das Wetter verfassen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel