Schädling Eine neue Käferplage droht

Region / Thomas Hehn 06.06.2018
Die heißen Temperaturen derzeit beflügeln nicht nur uns, auch der Borkenkäfer schwärmt aus. Fachleute befürchten eine Invasion des Schädlings.

Während wir uns über einen Frühling freuen, der fast schon dem Sommer Konkurrenz macht, treibt das anhaltend schöne Wetter Förstern und Waldbesitzern immer tiefere Sorgenfalten auf die Stirn. „Der Borkenkäfer hat sich in den letzten Wochen und Monaten ungehindert vermehren können“, konstatiert  Wolfgang Mangold. Der Böhmenkircher Revierförster hat schon vor einigen  Wochen drei- bis viermal so viele Käfer in seinen Lockstoff-Fallen gefangen wie in normalen Jahren.

Offensichtlich hat der größte Teil der Population, die  bereits im vergangenen Jahr enorme Schäden in den Wäldern rund um Böhmenkirch angerichtet hat, in sämtlichen Entwicklungsstadien gut überwintern können. Der anhaltend warme und trockene April tat dann ein Übriges: „Die Käfer konnten problemlos losfliegen und sich in die Bäume einbohren“, berichtet Mangold.

Derzeit verpuppen sich die Larven. Damit dauert es nur noch ein bis zwei Wochen, bis die erste Käfer-Generation schlüpft, sich wieder aus dem Baum bohrt und ausschwärmt. „Bleibt es weiter warm und trocken, wird es eng“, warnt der Förster vor einer möglichen Massenvermehrung. Ein Käfer-Weibchen kann unter günstigen Bedingungen bis zu 10 000 Nachkommen pro Jahr haben.

Bislang sind  nur kranke oder schwache Bäume, meist Fichten, betroffen. Gesunde Nadelbäume können sich noch wehren, indem sie den Angreifer mit  verstärktem Harzfluss im wahrsten Sinne ertränken. Dazu brauchen sie Wasser, das im Wald zurzeit noch ausreichend zur Verfügung steht. „Wenn es eine Zeitlang nicht regnet, kann sich das aber sehr schnell ändern“, warnt Mangold.

Derzeit sieht man dem Wald noch nicht viel an, die Schäden beschränken sich auf einzelne Bäume. Spätestens Anfang Juli, wenn die neue  Generation ausfliegt, werden die Schäden deutlich zunehmen, ist sich Mangold sicher. Der Förster rät daher allen Waldbesitzern schon jetzt wenigstens einmal in der Woche zu Kontrollgängen. Harzfluss am Baum, Bohrlöcher im Stamm, hellbraunes Bohrmehl am Fuß des Baumes oder abgeplatzte Rinde sind eindeutige Anzeichen, dass der Baum befallen ist.

Da der Einsatz von Insektiziden im Wald für das Forstamt kein Thema ist (Mangold: „Damit werden auch viele Nützlinge vernichtet“), gibt es  nur noch ein Mittel: Den befallenen Baum unverzüglich fällen, aus dem Wald schaffen und der Verwertung zuführen. Wird der gefällte Baum vor Ort entrindet, kann er auch noch eine Weile im Wald liegen bleiben.

Tod aus der Rammelkammer

Borkenkäfer brauchen im Schnitt sechs Wochen, um sich vom Ei bis zum fertigen Käfer zu entwickeln. Dazu bohren sich die Männchen in den Baum (meist Fichten) und legen  unter der Rinde eine „Rammelkammer“ an, in die sie die Weibchen locken.

Nach der Paarung bohrt das Weibchen einen senkrechten Gang in den Bast, den Muttergang, und legt in seitliche Nischen 10 bis 30 Eier. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die ihre Larvengänge horizontal erweitern. Muttergang und Seitengänge sehen aus wie  ein aufgeschlagenes Buch – daher der Name „Buchdrucker“.

Nach fünf Wochen verpuppen sich die Larven am Ende ihres Ganges in der „Puppenwiege“. Eine Woche später schlüpft der Käfer, der sich wieder durch die Rinde ins Freie frisst und ausfliegt, um die nächste Generation zu gründen.

Durch die Fraßgänge wird die Wasserversorgung über das Kambium unterbrochen. Der  Baum stirbt ab.

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