Zwischen den Zeilen der Autoren – unter anderem denen der Göppinger Schreibwerkstatt –  und der Poetry Slammerin Mieze Medusa gab es beim Kornhausplatzfest jede Menge Gegenständliches und Analoges zum Thema Lesen: Ein Bücherflohmarkt der  Stadtbibliothek, ein Stand des Manuela-Kienzler-Verlags und Buchpräsentationen der Barbarossa Buchhandlung und der „Buchperle kostbar“. Hier konnte man die geballte Haptik von „Papier-Büchern“ genießen und ohne Ende stöbern und schmökern. Außerdem standen die  Buchhändler, Autoren und das Team um die Leiterin der Stadtbibliothek Angela Asare den Besuchern mit Rat, Tat, Trends und Leseempfehlungen zur Seite.

Der Schriftsteller Bruno Nagel aus Hohenstaufen lud zu „Lyrik zum Lunch“ ein und präsentierte seine Lyrik auf einem Tablett in Häppchen – auf visitengroßen Kärtchen und  bunt gemischt zum Selbstlesen. Interessierte  konnten still oder im Austausch mit anderen die Reime, zumeist rund um das Thema Kochen und Essen, selbst dosieren, kombinieren und genießen. Im Moment gehe es für ihn um das „Auf-Lesen“ von Obst und um das Einmachen, damit man auch im Winter noch etwas vom Sommer habe, kommentierte der Künstler seine Aktion.

Das Ganze präsentierte er unter der Überschrift „Mundlandung“. Auch ernste Themen wie die Massentierhaltung wurden angesprochen. Häufig las man dort humoristisch in Mundart und mit Bezug zur Göppinger Umgebung.  Außerdem präsentierte Bruno Nagel so genannte Straßengedichte, in dem er seine Reime mit Kreide auf den Platz schrieb – und Verse auf Papierrollen, die er verteilte und auf denen es zum Beispiel hieß: „Ich bin der Wandlung Wesen / kann Quantensprünge lesen / bin im Universum Staub / heute Blatt und morgen Laub.“ Auf Wunsch las der „Koch“ beziehungsweise der Autor den Gästen vor und beantwortete ihre Fragen rund um seine lyrischen Häppchen. Die umliegenden Gastronomiebetriebe sorgten für „echte“ Kulinarik.

 Für die Kinder gab es ein  Spieleprogramm und Bastelanregungen mit Büchern. Unter dem Motto „Aus Alt mach Neu“ erlebten die Jüngsten an diesem Tag eine analoge Bücherwelt des Teilens und des Second-Hand – ein Prinzip, das letztendlich zum Kern einer jeden Stadtbibliothek gehört – , die auch noch im Off funktioniert, wenn Lesecomputer ihren Geist aufgeben.