Bad Ditzenbach Eindrücke vom Alltag in einer Rehaklinik

Macht beim Rollstuhlschieben eine gute Figur: Die Göppinger SPD-Abgeordnete Heike Baehrens im Rahmen der Aktion "Seitenwechsel" in der Vinzenz-Klinik.
Macht beim Rollstuhlschieben eine gute Figur: Die Göppinger SPD-Abgeordnete Heike Baehrens im Rahmen der Aktion "Seitenwechsel" in der Vinzenz-Klinik.
Bad Ditzenbach / SWP 27.02.2015
Der Umgang mit älteren und pflegebedürftigen Menschen ist der ehemaligen Diakonin und Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Baden-Württemberg nicht fremd.

Der Umgang mit älteren und pflegebedürftigen Menschen ist der ehemaligen Diakonin und Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Baden-Württemberg nicht fremd. Auch die Brisanz des Themas ist der Göppinger SPD-Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens - sie ist auch stellvertretende Sprecherin im Gesundheitsausschuss der SPD-Fraktion - durchaus bekannt. Die Einladung der Vinzenz-Klinik und -Therme zu einem "Seitenwechsel" fand vor dem Hintergrund der derzeitigen Kampagne "Umsonst ist keine Reha" statt. Ihre Eindrücke vom Alltag in der Rehaklinik und die Anregungen der anschließenden Diskussionsrunde zu diesem Thema nahm Heike Baehrens mit nach Berlin.

Nicht zuletzt unter den Aspekten Fachkräftemangel und Demografie ist es absehbar, dass sich die Lage im Pflegebereich, aber auch in der Therapie und bei den Ärzten in den nächsten Jahren noch mehr zuspitzen wird. Von den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen entfallen nur 1,3 Prozent auf die Finanzierung einer Reha. "Wir verwalten ständig den Mangel und arbeiten unter Kostendruck", war die übereinstimmende Meinung der Ärzte, des Pflegepersonals und der Therapeuten. "Das ist weder für uns noch für die Patienten eine zufriedenstellende Situation". Nachdrücklich verwiesen die Mitarbeiter der Vinzenz-Klinik Bad Ditzenbach auf die unmittelbaren Auswirkungen und die mittel- und langfristigen Folgen.

Bei jüngeren Patienten, bei denen die Rentenversicherung für die Kosten einer Reha zuständig ist, sieht es etwas besser aus. Hier liegen die Vorteile einer Wiedereingliederung in Beruf und Familie klar auf der Hand. Doch auch bei älteren Patienten, deren Lebenserwartung durch den medizinischen Fortschritt weiter steigt, kann durch eine erfolgreiche Reha die Selbstständigkeit erhalten und eine Pflegebedürftigkeit hinausgezögert werden.

Entsprechend positive Rückmeldungen bekam Heike Baehrens beim Kontakt mit den Patientinnen. Deren Zustand ist nach der Entlassung aus der Akutklinik durch die kürzere Verweildauer meist deutlich schlechter als noch vor Jahren und so übernimmt die Rehaklinik zunehmend Aufgaben der Akutversorgung, ohne dass die steigenden Kosten entsprechend gegenfinanziert werden.

Betriebsleiter Michael Skorzak sieht die Kernaufgabe der Rehaklinik in der Therapie und fordert daher den Stellenwert der Reha auch seitens der Gesetzgebung zu stärken. "Derzeit bestehen gute Chancen, finanzielle Forderungen zu stellen, denn das Bewusstsein, dass gute Qualität ihren Preis hat, ist durchaus vorhanden", machte die Bundestagsabgeordnete Hoffnung. Sie forderte einen Schulterschluss der Rehakliniken und ihrer Verbände, um die Forderungen durchzusetzen. "Ohne ein gemeinsames Auftreten ist es schwierig, in der Budgetverteilung ein größeres Stück vom Kuchen zu bekommen. Die Krankenkassen steuern alle Leistungen nach Kostengesichtspunkten." Zum Abschied verwies Heike Baehrens auf das bereits geplante Präventionsgesetz, das zu einer Akzentverschiebung führe. "Geht es nach diesem Gesetz, beginnt Prävention bereits im Kindergarten und setzt sich über die Schulen bis zum betrieblichen Gesundheitsmanagement fort. Damit wären wir auf einem guten Weg."

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